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Mein Mann flirtet mit meinen Freundinnen. Was soll ich tun?

Du hast eine dringende Frage zu deiner Partnerschaft? Unser Experte berät dich realistisch, aus männlicher Sicht und mit viel Herz.


Mein Mann flirtet mit meinen Freundinnen. Was soll ich tun?
© istockphoto.com

Mein Mann und ich sind seit fast 20 Jahren ein Paar, wir haben uns gemeinsam viel aufgebaut, eine sehr liebe Tochter, die im Frühling maturiert. Wir sind beide Mitte 40 und könnten nun ein schönes Leben leben. Außer um unsere alten Eltern, die wir pflegen, müssen wir uns um nichts sorgen. Nun fängt aber mein Mann wieder an, sich an Frauen in unserem Freundeskreis heranzumachen. Er schreibt ihnen Mails, von denen ich dann bei gemeinsamen Treffen erfahre. Er ruft sie an, mein Eindruck ist, dass er mit ihnen flirtet. Wir hatten solche Situationen schon einmal vor etwa sieben Jahren. Damals ist mein Mann fremdgegangen. Ich habe mich allerdings gerächt und auch einen Seitensprung gemacht. Damals waren wir uns einig, dass wir zusammenbleiben. Nun habe ich Angst, dass mein Mann wieder aus der Beziehung ausbrechen will. Wenn ich ihn darauf anspreche, meint er nur, ich bilde mir das ein. Das stimmt aber nicht, denn auch gemeinsame Bekannte haben schon Witze über seine aufdringliche Art gemacht. Soll ich das einfach ignorieren? Manchmal denke ich sogar daran, mich von ihm zu trennen und ein neues Leben zu beginnen.

Dr. Schmitz: Wenn Sie die Flirterei Ihres Mannes ignorieren, hilft Ihnen das nicht. Sie könnten so tun, als würden sie es nicht bemerken. Aber dann müssten Sie mit viel Anstrengung eine Fassade auf bauen – die Turbulenzen, die Unsicherheit, die Zweifel, die Eifersucht würden weiter in Ihnen rumoren. Außerdem würden Sie vor Freunden und Bekannten dumm dastehen, weil die ja mitbekommen, wie sehr Ihr Mann andere Frauen anfliegt. Sie sollten ihn mit konkreten Beobachtungen konfrontieren. Beobachtungen, die Sie selbst oder die andere machen. Vor allem auch von den Frauen, die er angeht. Es hilft Ihnen nicht, vage Eindrücke und Empfindungen zu äußern. Die kann er leicht wegwischen. Ihr Mann kann ihnen einfach unterstellen, Sie würden sich alles nur einbilden. Dann redet er mit Ihnen über Ihre angeblich falschen Vorstellungen und Befürchtungen, anstatt darüber, was in ihm vorgeht und was er treibt. Er würde schlicht den Spieß umdrehen und den Konflikt zu Ihrem Problem erklären. Lassen Sie ihn damit nicht davonkommen. Weil er sich so vor der Auseinandersetzung mit sich selbst und mit Ihnen drücken kann. Das hilft weder ihm noch Ihnen, noch Ihrer Ehe.

Beschreiben Sie sein Verhalten so genau wie möglich. Erläutern Sie ihm, wie das bei Ihnen und bei anderen ankommt. Ohne dabei bissig zu werden. Bieten Sie ihm an, mit ihm zu klären, was hinter seinen Avancen steckt. Will er testen, wie sehr er bei anderen Frauen ankommt? Sucht er auf diese Weise Nährstoff für sein Selbstbewusstsein? Könnte er davon nicht genug von Ihnen bekommen? Durch Aufmerksamkeit, Komplimente, Zuneigung, Verführung. Oder will er seinen "Marktwert" testen? Reichen ihm Flirts oder legt er es darauf an, mit Frauen, die darauf anspringen, Affären zu starten? Und dann steuern Sie auf die heikle Frage zu: Was wollen Sie ihm gestatten? Was würden Sie sich wünschen? Das gelte es dann auszuhandeln. Vielleicht haben Sie eine Vereinbarung darüber schon einmal geschlossen und sich – nach dem Fremdgehen vor einigen Jahren – verständigt, dass es keine sexuellen Beziehungen mit anderen geben soll. Aber Partnerschaften und Partnerbedürfnisse können sich im Laufe der Zeit ändern. Dann brauchen Sie eine neue Übereinkunft, bei der beide Partner wissen, woran sie miteinander sind, was sie voneinander erwarten wollen und können. Es gibt Paare, die sich "Abenteuer" zugestehen – solange klar ist, dass die Partnerschaft damit nicht grundlegend infrage gestellt ist. Das wird dann allerdings von beiden besser diskret behandelt. Ohne dass es zu Aufsehen in der eigenen Beziehung und im Freundes- und Bekanntenkreis führt. Manche merken allerdings, wenn eine Affäre auffliegt, dass es der/die Betrogene doch nicht aushält. Affären sind nie harmlos, wenn sie auffliegen, immer verletzend und eine Gefährdung für eine Partnerschaft. Darüber sollten sich beide im Klaren sein. Da Sie schon über Trennung nachdenken, würden Sie sich wohl Treue erwarten. Eine eigene Affäre sind Sie, so wie Sie es beschreiben, vornehmlich aus Rachebedürfnissen eingegangen. Nicht weil Sie Lust darauf hatten? Sie wollen von Ihrem Mann keine Zugeständnisse?

Du hast eine Frage an Dr. Michael Schmitz (schmitz.at)? Dann schicke dein Anliegen per Mail an fragensiedoch <AT> woman.at.