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Mein Mann hat eine (platonische) Freundin. Kann ich ihm glauben?

Ist sie wirklich nur eine Freundin? Oder ist da mehr? Warum versteht er sich so gut mit ihr und was ist zwischen den beiden anders als in unserer Beziehung?


Ist sie wirklich nur eine Freundin?
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"Er behauptet, sie sei nur eine gute Freundin, hätte schließlich auch einen Ehemann."

"Ich, 46, bin verheiratet und habe einen Sohn (16). Ich würde meine Ehe eigentlich als harmonisch bezeichnen - natürlich kribbelt es nach 28 Jahren Beziehung nicht mehr so wie am ersten Tag, aber ich liebe meinen Mann, und er liebt mich (hoffe ich zumindest). Seit über drei Jahren hat mein Mann eine neue Arbeitskollegin. Sie ist 49 Jahre alt (er ist 47). Er sagt, sie seien auf der gleichen Wellenlänge und verstünden sich dementsprechend gut.

Es kommt häufiger vor, dass er außerhalb der Arbeit etwas mit ihr unternimmt. Sie gehen in Bars, zu Heurigen, gehen Essen, Tanzen, sogar zu zweit! Er erzählt mir immer wieder irgendwelche Geschichten. Sie hätten gemeinsam einen Workshop gehabt. Er habe sie noch ins Hotel bringen müssen. Er behauptet, sie sei nur eine gute Freundin, hätte schließlich auch einen Ehemann, beide seien nur an einer platonischen Freundschaft interessiert.

Ich kann ihm das einfach nicht glauben. Meine Versuche, meinen Mann dazu zu bewegen, einen deutlichen Schlussstrich zu ziehen, lehnt er ab. Mit der Begründung, dass er mit ihr nichts hätte. Ich habe das zu Beginn so hingenommen, zähneknirschend und wütend. Und ich habe ihm vorgeschlagen, dass wir etwas zu dritt unternehmen. Ich selbst habe sie nur einmal am Flughafen gesehen. Wenn sie so eine gute Freundin ist, möchte ich sie auch kennenlernen. Aber er will das nicht."

Der Rat des Experten:

Der Paar-Berater, Psychologe und Autor Dr. Michael Schmitz kennt sich aus mit Beziehungen und berät realistisch, aus männlicher Sicht sowie mit viel Herz.

Dr. Schmitz: Ganz ehrlich, ich kann auch nicht glauben, dass dein Mann nichts mit dieser anderen Frau hat. Er führt eine Parallelpartnerschaft. Seine Zweitfrau bekommt sehr viel Zeit und sehr viel Aufmerksamkeit. Die beiden vergnügen sich großartig miteinander. Andauernd. Schon lange.

Du wirst außen vor gelassen. Bekommst du in deiner Ehe trotzdem alles, was du dir wünschst? Woraus die "eigentliche" Harmonie entsteht, die du anführst, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Mit der anderen segelt dein Mann auf gleicher Wellenlänge. Wie ist es um deine Wellenlänge bestellt? Dein Mann kann dich offenbar leicht abbürsten, wenn du Einwände gegen seine flotten Unternehmungen vorbringst. Weil er (angeblich) keinen Sex mit der Dame hat, soll es dir nichts ausmachen, dass er andauernd mit ihr um die Häuser zieht.

Kennenlernen darfst du sie auch nicht. Aber hallo! Er keilt dich in eine Dreiecksbeziehung. Die andere macht sich in deiner Ehe breit. Solange du es weiter hinnimmst, wird er nichts ändern. Du ärgerst dich, und es tut dir weh. Ziehe Grenzen!


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