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Nach 25 Jahren will meine Frau plötzlich alleine schlafen

Du hast eine dringende Frage zu deiner Partnerschaft? Unser Experte berät dich realistisch, aus männlicher Sicht und mit viel Herz.


Nach 25 Jahren will meine Frau plötzlich alleine schlafen
© istockphoto.com

Meine Frau und ich sind schon seit fast 25 Jahren verheiratet. Wir haben immer gemeinsam im Ehebett geschlafen, aber vor ein paar Wochen hat sie den Wunsch geäußert, ein eigenes Schlafzimmer einzurichten. Ich verstehe das überhaupt nicht. Sie sagt, sie hat gelesen, dass Frauen viel besser schlafen, wenn sie alleine schlafen (Eine neue Studie, bei der aber rauskommt, dass Männer alleine viel schlechter schlafen). Ich möchte nicht, dass meine Frau aus dem gemeinsamen Schlafzimmer auszieht. Außerdem will ich nicht Bittsteller sein und anklopfen müssen, wenn ich Sex möchte.

Dr. Schmitz: Die allermeisten Ehepartner schlafen gemeinsam in einem Bett. Darüber reden sie meist auch gar nicht. Es scheint den allermeisten selbstverständlich. Solange es den Bedürfnissen beider entspricht, ist das ja gut so. Ich nehme an, Ihre Frau hat in den 25 Jahren ganz gut geschlafen. Sonst wäre das Thema früher aufgekommen. Fragen Sie, welche Vorteile sie sich davon verspricht. Vielleicht ist es kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Es kann sein, dass ein Partner ab und zu (oder immer wieder einmal) für sich sein will – auch im Bett. Sie (oder er) braucht Abstand, um zu sich selbst zu kommen, sich zu sammeln, Kraft aus sich zu schöpfen, sich intensiver zu erleben, eigene Wünsche zu spüren. Eigene Zeit und eigener Raum können dazu beitragen, mit sich stimmiger zu werden, mehr im Einklang mit sich selbst, um dann auch dem anderen/der anderen wieder selbstsicherer, stärker, unbefangener, neugieriger, mit mehr Spannung zu begegnen. Distanz heißt (in diesem Sinne) nicht Distanzierung. Zeitweiliger Abstand erlaubt ein neues Aufeinanderzugehen. Mann/Frau wird dadurch für den Partner/die Partnerin attraktiver. Auch der andere/die andere gewinnt eher neue Attraktivität. So kann neues Begehren entstehen. Bisweilen erst dadurch! Jedes Paar muss für sich entscheiden, welche Nähe und welche Distanz für die Beziehung förderlich sind. Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie etwas davon haben? Dass Sie nicht nur etwas aufgeben müssen? Dann würde es sich lohnen, nicht darauf zu beharren, dass Ihre Frau kein eigenes Schlafzimmer haben soll. Dann schauen Sie mal, mit Offenheit und Zuneigung, was sich tut. Es wird für Sie sicher eine Herausforderung. Sie werden (zunächst) vielleicht schlechter schlafen. Weil es für Sie so ungewohnt ist. Es ist mühsam, Gewohnheiten aufzugeben. Sie sind uns lieb und teuer. Aber es mag reizvoll sein, wenn wir ahnen, dass solche Veränderungen (beiden Partnern) Vorteile bescheren. Oder erwarten Sie von Ihrer Frau, dass sie sich hauptsächlich nach Ihnen richtet, verfügbar sein muss für all Ihre Bedürfnisse, auch im Bett? Was wäre übrigens so schlimm daran, wenn Sie bei Ihrer Frau anklopfen und ihr sagen müssten, dass Sie Lust auf sie hätten? Sie muss doch auch sonst nicht immer wollen, wenn Sie wollen. Oder?

Du hast eine Frage an Dr. Michael Schmitz (schmitz.at)? Dann schicke dein Anliegen per Mail an fragensiedoch <AT> woman.at.