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"Geht doch zu Mama weinen!"

Coole Konter gibt's von Komik-Ikone Melissa McCarthy auf die glühenden Hass-Postings zum Reboot von "Ghostbusters" mit weiblicher Besetzung. Der Talk über Hater, Hemsworth und Männer am Herd.

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"Geht doch zu Mama weinen!"
© Mike Windle/Getty Images for ELLE

Die bösen Geister, die New York City plagen, kann Melissa McCarthy erfolgreich bekämpfen. Schwieriger zu bewältigen war das gespenstische Ausmaß des Shitstorms, der nach dem ersten Trailer von "Ghostbusters 3" (ab 5.8. im Kino) über die Darstellerinnen hereinbrach: Dass diese allesamt weiblich waren, brachte auf YouTube den traurigen Rekord des am meisten "disliked" Trailers aller Zeiten. "Es ist, als wäre meine Kindheit vergewaltigt worden", hieß es in den Postings vornehmlich gekränkter Männer, "der nächste Terrorangriff auf New York" oder "ein Film für Feminazis". "Es gab die schlimmsten frauenfeindlichen Beschimpfungen", so Regisseur Paul Feig, der auf Twitter sogar mit dem Tod bedroht wurde, fassungslos. "Es ist irre, dass dieser Kampf gegen Vorurteile im Jahr 2016 noch gekämpft werden muss."

Da ist doch Platz für alle! Spaß-Ikone Melissa McCarthy, 45, konterte auf gewohnt lässige Art: "Im Ernst? Vier Frauen, die einen Film machen, zerstören eure Kindheit?" Trotzdem bringt sie sogar ein bisschen Verständnis für die "Hasser" auf: "Natürlich ist das Original mit Dan Ackroyd und Bill Murray Kult", sagt McCarthy und gesteht, bei dem Angebot für die Neuverfilmung "eine Millisekunde" gezögert zu haben. "Aber hey: Die Story ist 32 Jahre alt, wir haben einen neuen Zugang, und es gibt ja auch Leute, die Evolution schätzen. Beide Filme haben nebeneinander Platz im Universum. Also haltet die Klappe und geht zu eurer Mama weinen!" Was die Schauspielerin, die auch als Regisseurin, Filmproduzentin und Drehbuchautorin erfolgreich ist, dann doch etwas ärgert: Sie und die "Geisterjäger"-Kolleginnen Kristen Wiig, Leslie Jones und Kate McKinnon gehören zu den derzeit erfolgreichsten Komikern der USA - männliche mitgezählt. "Manche der Hater machen sich Sorgen, dass Frauen Hollywood ruinieren. Die Armen! Haben die denn keine coolen Frauen in ihrem Leben? Mütter? Töchter? Freundinnen?"

Fun-Faktor Chris. Dementsprechend hoch ist die Genugtuung, dass sich "Ghostbusters 3" allen Kritikern zum Trotz zum Blockbuster mausert - und dazu hat auch ein Mann beigetragen: Superschnuckel Chris Hemsworth zeigt als begriffstutziger Rezeptionist nicht nur Muckis, sondern auch komisches Talent: "Schon sein Aussehen ist so blendend, dass mir die Augen weh tun", scherzt Melissa, "aber hinter all der Pracht steckt der lustigste Improvisator, mit dem ich je gearbeitet habe. Manchmal haben wir uns gefragt: Hat Chris ein anderes Drehbuch bekommen als wir? Bei jeder Szene ist ihm etwas eingefallen Und dann singt er noch wie ein Engel! Ich könnte ihn umbringen, er stiehlt uns die Show!"

Sie steht zu 42 plus. Davor muss sich die Comedienne aber nicht fürchten: Seit ihrem Durchbruch 2011 mit "Brautalarm" dreht sie einen Komödienkracher nach dem anderen, auch bei der Serien-Reunion der "Gilmore Girls" taucht sie wieder in ihrer Paraderolle als Sookie St. James auf. Melissa McCarthy gilt hinter Jennifer Lawrence & Scarlett Johansson als die am drittbesten bezahlte Frau Hollywoods. An den Hype um ihre Person hat sie sich allerdings noch nicht ganz gewöhnt. "Mir kommt es immer noch irgendwie unwirklich vor, wenn ich Interviews gebe. Warum sollte es jemanden interessieren, was ich über dieses oder jenes sage? Und das Posieren vor der Kamera bringt mich um! Ich weiß nie, was ich mit meinen Händen machen soll. Ob ich sie seitlich anlege, auf die Hüften gebe oder über meinen Kopf - es wirkt immer irgendwie blöd!" Immerhin: Mit dem Erfolg muss sie sich keine Extra-Kilos mehr anfuttern: "Das habe ich getan, denn als 'lustige Fette' bekam ich bessere Rollen." Zuletzt reduzierte sie ihre immer noch stattlichen weiblichen Kurven um 35 Kilo. Mehr will der nur 1,54 m kleine Star aus Illinois aber nicht abnehmen, schließlich ist sie seit 2015 mit ihrer eigenen Plus-Size-Modelinie Seven 7 erfolgreich: "Freche Jeans und süße Shirts, entworfen für drei Viertel aller Amerikanerinnen-Frauen mit Größe 42 oder darüber."

18 Jahre Glück. Leicht ist Melissa der kulinarische Verzicht ohnehin nicht gefallen. "Mein Mann kann hervorragend kochen!", schwärmt sie von Regisseur Ben Falcone, Vater ihrer Töchter Vivian, 9, und Georgie, 6. Als Rezept für ihre glückliche 13-jährige Beziehung gibt sie Geduld im Umgang miteinander und Freundlichkeit an: "Sei immer freundlich, alles Weitere wird sich von selbst ergeben. Mit Freundlichkeit fängt alles an." Eine Botschaft, die sich so manche Hater an die Pinnwand posten sollten.