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„Und die Menschen blieben zu Hause": Wie ein paar Zeilen in der Corona-Krise wieder Mut gaben

Nicht nur Corona ging viral: Das mit Abstand bekannteste Gedicht der Pandemie macht Millionen Menschen weltweit Mut. Weil wir zwischen all den Negativschlagzeilen gerade alle dringend einen Lichtblick gebrauchen können.

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„Und die Menschen blieben zu Hause": Wie ein paar Zeilen in der Corona-Krise wieder Mut gaben
© iStock

Es hat ein bisschen was aus einem Hollywood-Film: Denn wie oft passiert es schon, dass eine pensionierte und bis dahin völlig unbekannte Lehrerin ein paar Zeilen online teilt, die ihr selbst am Herzen liegen und die auf einmal Millionen von Menschen Trost bieten. Genau das ist Kitty O’Meara passiert und mit ihr zum Glück auch uns allen.

Die Amerikanerin, die mit ihren Ehemann, fünf Hunden und drei Katzen im amerikanischen Wisconsin lebt, nutzte die Zeit im ersten Lockdown, um intensiv über die Menschen und unseren Planeten nachzudenken. Im März 2020 schrieb sie ein Gedicht über das, was während der Pandemie und danach passieren könnte.

Sie veröffentlichte die Zeilen auf Facebook und innerhalb kürzester Zeit wurde das Gedicht weltweit von begeisterten Menschen geteilt. Kitty beschreibt, wie wichtig es ist, Zeit mit sich selbst und unseren Lieben zu verbringen, aufmerksam zuzuhören und das zu tun, was wir lieben. Sie glaubt fest daran, dass wir die Welt zu einem besseren Ort machen können, wenn wir achtsam mit uns und anderen sind und unsere Talente nutzen.

»„In einer Zeit, in der wir alle die Aussicht brauchen, dass etwas Positives aus etwas so Schrecklichem entstehen kann, lässt uns dieses Gedicht an eine bessere Zukunft glauben.“ «

Kate Winslet, Schauspielerin

„Und die Menschen blieben zu Hause" ist inzwischen mit Abstand das bekannteste Gedicht der Corona-Pandemie und hat Menschen weltweit Mut gemacht. Und eigentlich ist ganz klar, warum ihre Worte so viele berühren: Sie zeigen auf liebevolle Art und Weise, wie auch kleine Entscheidungen in unserem Leben etwas verändern können, das auf den ersten Blick außerhalb unserer Kontrolle liegt. Und sie zeigen, dass eine Zeit nach einer Misere nicht nur existieren wird – sondern sogar besser sein kann als zuvor.

Das bestätigt auch Psychotherapeutin Susan Lambert: "Kitty O’Mearas Gedicht erzählt vom Leben in einer herausfordernden und beunruhigenden Welt. Wach und voller Hoffnung stärkt es das Bewusstsein unserer eigenen Widerstandsfähigkeit. In meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass sich Kinder ab drei Jahren ihrer eigenen Kämpfe und ihres Heilungs- und Lernpotenzials instinktiv bewusst sind – und das ganz ohne Selbstkritik, gegen die wir Erwachsenen täglich kämpfen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Worte über viele Generationen hinweg als Zeichen für die Bewältigung einer schwierigen Zeit stehen werden."

„Und die Menschen blieben zu Hause"- Autorin Kitty O’Meara im Interview:

Wie kam es dazu, dass Sie dieses Gedicht geschrieben haben?
Ich war nervös, weil man noch nicht viel über dieses neue Virus wusste. Ich machte mir Sorgen um meine Familie und meine Freundinnen und Freunde, die in Krankenhäusern arbeiten. Ich habe über die Quarantäne nachgedacht und wie uns diese Zeit zu Hause beeinflussen könnte. Und ich habe auch an unseren Planeten gedacht. Die Erde liegt mir sehr am Herzen. Sie ist es, die uns unsere Nahrung, unsere Lebensräume und die Schönheit der Natur schenkt. Wir müssen auf diesen Planeten aufpassen. Wir haben die Erde so lange missachtet und diese Vernachlässigung hat ihr nicht gutgetan.

Aufgrund der Corona-Pandemie sollten wir alle momentan zu Hause bleiben. Aber ihr Gedicht legt uns nahe, dass uns diese Zeit auch Gutes bringt. Was kann das sein?
Ich glaube, es ist ein guter Moment, um innezuhalten und tief in uns hinein zu hören: Was denken und fühlen wir wirklich? Wenn wir Angst haben, traurig, glücklich oder wütend sind, können wir diese Gefühle durch Tanzen ausdrücken, ein Lied komponieren, ein Bild malen, mit unserer Familie sprechen oder ein Theaterstück schreiben. Wir können so vieles tun. Wir haben Zeit geschenkt bekommen und wir können diese Zeit nutzen, um unseren Gefühlen auf den Grund zu gehen, unsere Talente zu entdecken und mehr darüber zu lernen, was uns begeistert. So können wir gegenseitig von unseren Gaben profitieren und sie auch dafür einsetzen, die Erde zu schützen. Das Virus bringt uns zwar eine Krankheit, aber wir haben die Möglichkeit, uns lebendiger als je zuvor zu fühlen. Wir können uns ausruhen. Wir können uns hinsetzen und den Vögeln zuhören, wir können kreativ werden, etwas Neues lernen, Familiengeschichten miteinander teilen oder einen Blumensamen in die Erde legen und der kleinen Pflanze jeden Tag beim Wachsen zusehen.

Nachdem Sie das Gedicht geschrieben haben, hat es sich online rasend schnell verbreitet. Menschen auf der ganzen Welt sind begeistert. Können Sie uns ein bisschen mehr darüber erzählen?
Es ist toll, wie Menschen das Gedicht weltweit interpretiert haben – mit Musik, Kunst oder Tanz. Es gibt mein Gedicht jetzt beispielsweise als Ballettstück und als Lied eines italienischen Kinderchores. Zwei Spanier haben sich gefilmt, während sie es auf ihrem Dach singen. Ein berühmter Opernstar hat ein Stück geschmettert, das auf meinem Gedicht basiert! Und es wurde bereits in über zwanzig Sprachen übersetzt. Dank dieses Gedichts habe ich neue Freundinnen und Freunde aus den verschiedensten Teilen der Welt gewonnen. Am liebsten würde ich sie alle umarmen.

Gibt es etwas, das Sie Ihren Leserinnen und Lesern sagen möchten?
Ich möchte alle daran erinnern, dass sie bereits Künstlerinnen und Künstler sind. Kunst ist nicht nur für einige Wenige da. Jede Arbeit, alles was du tust, kann Kunst sein. Denn es geht um die Aufmerksamkeit und Anmut, die man dafür aufbringt, um Talent, ein Auge fürs Besondere, Großzügigkeit beim Denken, Erfindergeist und Menschlichkeit. Entdecke deine Gaben und biete sie der Welt an. Und versuche immer freundlich zu sein und das zu tun, was dir Spaß macht.

Das Gedicht, das mittlerweile andere zu Liedern, Aufführungen und mehr inspirierte, ist nun auch auf Deutsch in Buchform inklusive Illustrationen erschienen. Das Bilderbuch richtet sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene und fordert uns auf, die derzeitige Situation zum Wendepunkt für die Menschheit werden zu lassen. Denn wenn wir uns auf uns selber besinnen und auf das, was wirklich wichtig ist, dann können wir gemeinsam Schritt für Schritt eine bessere Welt gestalten.

Goldblatt Verlag
"Und die Menschen blieben zu Hause" von Kitty O'Meara - im Handel ab 1. 12. 2020
Hardcover | 17,95€

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