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Halleluja – Masturbation soll bei Regelschmerzen helfen!

Einen Orgasmus haben und gleichzeitig Menstruationsbeschwerden lindern? Klingt nach einer Win-win-Situation. Aber kann das wirklich funktionieren?

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Halleluja – Masturbation soll bei Regelschmerzen helfen!
© zVG

Die Hälfte der Menschheit menstruiert jeden Monat. Viele hundert Millionen von Frauen haben regelmäßig starke Schmerzen während der Regel. Trotzdem ist vieles rund um das Thema noch immer nicht ausreichend erforscht.

Genau aus diesem Grund beschäftigte sich jetzt die neue Studie "Menstrubation" – ein Mischwort aus Menstruation + Masturbation – mit den positiven Auswirkungen von Orgasmen auf Menstruationsbeschwerden. Das Ergebnis? Durchaus erfreulich.

Masturbation im Kampf gegen Regelschmerzen

Dass sich Masturbation positiv auf unsere Gesundheit auswirken kann, ist dabei nicht unbedingt neu. Schließlich werden bei einem Orgasmus allerlei Hormone ausgeschüttet, unter anderem Oxytocin und Dopamin, die maßgeblich für die beim Höhepunkt empfundenen Glücksgefühle verantwortlich sind.


Dr. Yvonne Helmy-Bader, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe


Generell kann laut Yvonne Helmy-Bader, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Masturbation dabei helfen, Regelkrämpfe, aber auch andere Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen, zu lindern.

»Während des Orgasmus werden Hormone ausgeschüttet, die wahre Schmerzlinderer sind!«

"Grund dafür ist, dass der Körper während des Orgasmus einen Ansturm von Dopamin und Serotonin erlebt. Diese Hormone sind natürliche Schmerzlinderer." Außerdem wird Stress reduziert und eine innere Ausgeglichenheit begünstigt. Verantwortlich dafür ist das Hormon Oxytocin, das beruhigend und ebenfalls als natürliches Schmerzmittel wirkt. Laut Helmy-Bader ist das auch der Grund, warum viele Frauen nach Masturbation oder Sex leichter einschlafen.


Dr. Andrea Burri, Psychosexologin und Gründerin des "Institute for Sex Counselling and Sexual Sciences"


Psychosexologin und Gründerin des "Institute for Sex Counselling and Sexual Sciences", Andrea Burri merkt außerdem an, dass der Stoffwechsel und die Durchblutung bei der Masturbation gefördert werden. Beides wirkt ebenfalls schmerzlindernd. Darüber hinaus ziehen sich beim Orgasmus die Muskeln im Unterleib abwechselnd zusammen und entspannen sich wieder. "Schmerzhafte Krämpfe können so gelöst werden", weiß Expertin Burri.

Aber warum erleben Frauen überhaupt Regelschmerzen?

"Ganz grundsätzlich unterscheidet man die primäre von der sekundären Dysmenorrhö" (Anm.: schmerzhafte Regelblutungen) , erklärt Helmy-Bader. "Die primäre Dysmenorrhö ist ein Menstruationsschmerz, der kein Symptom einer gynäkologischen Grunderkrankung ist, sondern mit dem normalen Prozess der Regel zusammenhängt. Es ist die häufigste Form des Regelschmerzes." Sie betrifft mehr als die Hälfte der Frauen und ist bei etwa einem Zehntel sehr stark ausgeprägt. Am häufigsten tritt sie in der späten Adoleszenz und in den frühen 20ern auf. "Zum Glück lässt das Problem bei vielen Frauen mit zunehmendem Alter nach, insbesondere nach einer Schwangerschaft", so die Gynäkologin. Trotz der teils lähmenden Schmerzen sei die primäre Dysmenorrhö aber nicht schädlich.

Die sekundäre Dysmenorrhö ist ein Menstruationsschmerz, der im Allgemeinen mit einer gynäkologischen Erkrankung wie Endometriose, Myomen oder Ovarialzysten verbunden ist. Die meisten dieser Störungen können leicht mit Medikamenten oder einer Operation behandelt werden. Die sekundäre Dysmenorrhö tritt eher bei Frauen im Erwachsenenalter auf.

Die "Mensturbation Studie"

An der vom Sextoy-Unternehmen Womanizer und der Tampon-Hersteller The Female Company ins Leben gerufenen Studie nahmen fast 500 Frauen teil. Sie wurden gebeten, über eine Testphase von drei Monaten auf ihre herkömmlichen Methoden zur Schmerzlinderung bei Menstruationsbeschwerden zu verzichten. Stattdessen sollten die Probandinnen masturbieren und ihre Symptome aufzeichnen.

Deutlich weniger Schmerzen

Bereits im ersten Monat der Testphase hatten viele Menstruierende deutlich weniger Beschwerden. Auf die Frage, ob sich regelmäßige Masturbation positiv auf die Schmerzintensität auswirke, antworteten 70 Prozent der Frauen mit Ja. 42 Prozent gaben außerdem an, ihre Regelschmerzen seien seltener aufgetreten. "Ich habe Masturbation schon immer als Teil einer gesunden Self-Care-Routine empfohlen", sagt der Leiter der Studie Christopher Ryan Jones dazu. Er ist klinischer Psychologe und Sex-Therapeut. "In einer Welt, in der Masturbation immer noch mit sehr viel Scham behaftet ist, ist es umso wichtiger, die Vorteile zu betonen."

Medikamente oder Masturbation?

Am Ende der Testphase wurden die Studienteilnehmerinnen gefragt, ob sie nun Medikamente oder Masturbation als bessere Methode zur Schmerzlinderung empfunden hätten. Die Entscheidung fiel relativ gleich aus: 43 Prozent wählten Medikamente, 42 Prozent Masturbation.

Die häufigsten Antworten der restlichen 15 Prozent: Ein Mix aus beidem. Plus: Wärme, Schlaf, CBD-Öl und Bewegung. Außerdem würden 90 Prozent der Studienteilnehmerinnen Masturbation als Methode zur Schmerzbekämpfung weiterempfehlen. 85 Prozent haben vor, ihre neue Masturbationsroutine auch nach der Studie aufrecht zu erhalten.

"Immerhin sind der Blutfluss sowie auch die Durchblutung während der Menstruation erhöht, was Erregung und Sensibilität steigern kann. Außerdem ist die Vagina während der Periode ein wenig geschwollen und empfindlicher als sonst, was durchaus ein größeres Vergnügen verspricht", weiß Helmy-Bader. "Insgesamt scheint die Periode trotz der oftmals damit verbundenen Schmerzen ein guter Zeitpunkt für Sex zu sein. Die damit einhergehenden Orgasmen lindern Schmerzen, reduzieren Stress und versprechen guten Schlaf!

Natürlich muss man sich immer im Klaren darüber sein, dass jeder Körper anders und einzigartig ist. Tipps dieser Art funktionieren möglicherweise nicht für jede Frau. "Es gibt Umstände und derart starke Schmerzzustände, die es schlicht nicht ermöglichen, einen Orgasmus haben zu können oder zu wollen", erklärt Helmy-Bader. "Auch psychische und soziale Faktoren spielen dabei eine große Rolle."

Fazit: Wenn es nicht hilft, schadet es jedenfalls bestimmt nicht ;-) Wir warten jedenfalls schon gespannt auf unsere nächste Periode, um das eben Gelernte gleich mal ausprobieren zu können.