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Tabubruch im Sport: "Meine Tage machen mich fertig!"

"Ich habe meine Tage bekommen," erklärte Schwimmerin Fu Yuanhui ihre Leistung in Rio. Und bricht damit ein Tabu im Spitzensport: Die Menstruation.

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Tabubruch im Sport: "Meine Tage machen mich fertig!"
© Reuters

Wenn man seine Tage hat, dann fühlt man sich müde, aufgebläht, erschöpft, niedergeschlagen. Spitzenleistungen? Nicht abrufbar. Dir ist einfach nicht danach, du kannst sie körperlich und mental nicht bringen, während du menstruierst. Sollte es Leistungssportlerinnen da anders gehen? Natürlich nicht. Sie sind Frauen, keine Maschinen.

Und trotzdem kommt es einem Tabubruch gleich, was die chinesische Schwimmerin Fu Yuanhui ganz offen thematisierte. Yuanhui hatte mit ihren drei Teamkolleginnen knapp die Olympia-Medaillen bei der 4 x 100-Meter-Staffel verpasst. Als sie aus dem Becken stieg, krampfte sie kurz zusammen, hielt sich den Bauch und entschuldigte sich dann bei ihren Team-Kolleginnen.

Schwimmerin Yuanhui: "Ich habe meine Tage bekommen, ich bin gerade sehr müde."

Was los sei, ob sie Schmerzen habe, wollte der TV-Reporter beim anschließenden Interview wissen. "Ich habe vergangene Nacht meine Periode bekommen und bin gerade sehr müde." Das sei aber keine Entschuldigung, sagte Fu Yuanhui weiter. "Ich bin trotzdem nicht so geschwommen, wie ich eigentlich sollte."

Fu Yuanhui: Über 100 Meter Rücken ergatterte sie dann die Bronze-Medaille

Damit war Fu die erste Athletin bei den olympischen Spielen, die ihre Menstruation offen thematisierte. Über die weibliche Menstruation wird im Spitzensport nämlich noch immer lieber geschwiegen. Vor allem in Fus Heimat, wo etwa Werbespots für Hygieneartikel nur zu bestimmten Sendezeiten ausgestrahlt werden dürfen. Studien haben zudem ergeben, dass lediglich zwei Prozent der Chinesinnen überhaupt Tampons benutzen.

Umso erstaunlicher deshalb die positive Resonanz auf die Erklärung der Schwimmerin: "Ich bewundere Fu Yuanhui wirklich dafür, dass sie während ihrer Periode geschwommen ist", schreibt beispielsweise eine Userin. Und auch andere Nutzerinnen des Social Media-Dienstes Weibo, dem chinesischen Pendant zu Facebook, feierten die Sportlerin als ihre neue Heldin: "Es ist mutig, öffentlich über die Menstruation zu sprechen. Das macht es auch für andere Frauen leichter," finden die meisten.

Wie wirkt sich die Menstruation auf Sportlerinnen aus?

Auch die Tagesform von Sportlerinnen ist von ihrem Zyklus abhängig. Zu diesem Schluss sind Mediziner bereits gekommen. Zwar hilft Bewegung gegen die Unterleibskrämpfe, dennoch fühlen sich vor allem Frauen, die nicht hormonell verhüten, während ihrer Periode abgekämpfter und erschöpft.

Um ihre Periode am Wettkampftag zumindest zwischenzeitlich etwas zu verschieben, verwenden viele Spitzensportler deshalb die Pille oder einen Hormonring, mit dem sich der Zyklus etwas besser kontrollieren lässt. Meist wird die Periode dann bewusst vor den Wettkampf verlegt, damit die negativen Auswirkungen wie Müdigkeit und druckempfindliche Brüste noch nicht zum Tragen kommen. Die optimale Zyklus-Zeit für einen Wettkampf gibt es übrigens auch: Kurz vor dem Eisprung sorgt das Hormon Östradiol dafür, dass die Muskulatur stärker auf Belastung reagiert!

Doch auch der Sport selbst wirkt sich auf die Menstruation der Leistungssportlerinnen aus. Haben sie nur einen sehr geringen Körperfettanteil und trainieren extrem, dann kann die Periode auch mal ausbleiben. Wird nicht durch eine eisenreiche Ernährung vorgebeugt, kann dies langfristig zu einem Abbau der Knochenfestigkeit und damit zu Osteoporose führen.

Thema: Menstruation