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Was "Mercury Retrograde" wirklich bedeutet

Der Planet Merkur ist der Sündenbock des Alls, zumindest stört er laut Astrologie einige Prozesse auf der Erde. Doch was bedeutet "Mercury retrograde" wirklich? Wir erklären das Internet-Phänomen.

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Mercury Retrograde
© istockphoto.com

Das Internet ist voller Memes, lustigen Spruchbildern, die erheitern, schockieren oder motivieren sollen. Das Nette an Memes ist, dass durch sie eine eigene Sprache entwickelt wird. Bestimmte Fotos und Sprüche werden mit bestimmten Emotionen in Verbindung gebracht und können auch Jahre später nicht von ihnen getrennt werden. Der Hund ohne Zähne lispelt bis ans Ende seiner Tage und der alte Mann mit dem gequälten Grinsen wird niemals eine aufmunternde Bedeutung haben. Ein Meme, das sich von seiner ausschließlichen Internetrealität in die Artikel von Onlinemagazinen gekämpft hat, hat etwas mit dem Weltall zu tun. Genauer gesagt mit dem Planeten Merkur.

Meme Mercury retrograde
Typisches Mercury Retrograde Meme.

"Mercury Retrograde" ist Schuld an Kopfweh, Unwohlsein, schlechter Laune, Zerstreutheit und kaputten, elektronischen Gegenständen - so die Internet-Community. "So wirkt sich Mercury Retrograde" auf dein Horoskop aus", "Das macht Mercury Retrograde mit deinem Sternzeichen" oder "So achtest du auf dich in der Mercury-Retrograde-Phase" werden die vielen Artikel betitelt. Doch bei alledem stellt sich die Frage: Was hat ein Planet mit elektronischen Gegenständen und Self-Love am Hut?

So bewegt sich Merkur:

Merkur dreht sich, wie alle anderen Planeten, um die Sonne und ist, weil er ihr sehr nah ist, auch recht gut von der Erde aus beobachtbar. Meistens bewegt sich Merkur von Westen nach Osten, doch manchmal ändert sich seine Richtung von Osten nach Westen. Und dann spricht man von einem "rückläufigen Merkur" oder von "Mercury Retrograde". Denn bei dieser Bewegung hat man auf der Erde das Gefühl, der Planet würde sich von uns wegbewegen. Dabei stimmt das so nicht ganz. Merkur bewegt sich nur langsamer als die Erde und so entsteht dieser Effekt, den wir beobachten können, wenn wir in einem fahrenden Zug an einem stehenden vorbeirauschen: man glaubt immer, dass das stehend oder langsamere Objekt sich wegbewegt! Auf jeden Fall bewegt sich Merkur ein paarmal im Jahr von Osten nach Westen - das ist ein astronomisches, also wissenschaftlich bewiesenes Phänomen!

Wo kommt nun die Astrologie ins Spiel?

Die rückläufige Bewegung des Planeten wird mit der Störung von Elektronik in Verbindung gebracht. Kaputte Handys, zerstörte Computer und spinnende Autos: daran soll Merkur Schuld sein. Und auch an einem allgemeinen Unwohlsein, das manche Menschen ergreift, wenn der Planet seine Marschrichtung ändert. Laut Mentalfloss wurde schon im 18. Jahrhundert über das Phänomen "Mercury Retrograde" geschrieben, wobei man sich damals auf die reine Bewegung konzentrierte. Erst im 19. Jahrhundert als das Spiritistische und die Geisterbeschwörung eine Art Hype waren, wuchs auch die astrologische Ansicht, dass der Merkur sehr wohl eine starke Auswirkung auf die Menschen haben kann.

Diesem Glauben liegt die Verbindung zwischen dem Planeten und seinem Namensgeber Merkur zugrunde. Merkur ist der römische Gott der Händler, aber auch der Diebe. Er hebt eine schützende Hand über die Reisenden und hilft der Kommunikation auf die Sprünge. Wenn der Planet sich also ganz "normal", von Westen nach Osten, bewegt, dann sollten all diese Dinge eigentlich gut funktionieren. Doch ist der Planet rückläufig, kann es natürlich auch mit dem Abschluss von Verträgen, wichtigen Gesprächen und einer sicheren Reise eher nicht klappen, so die AstrologInnen. Das mit der gestörten Elektrizität kommt erschwerend hinzu, vor allem, wenn bestimmte Sternzeichen auch noch dazwischen funken.

Mercury Retrograde: Mysterium aufgedeckt?

Die astrologische Seite des Phänomens ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Es gibt keine Forschungen, die zeigen, dass mehr Autos stehenbleiben, wenn Merkur sich rückläufig bewegt. Trotzdem glauben viele Menschen daran, dass man in jener Phase des Jahres besonders bewusst leben sollte. Keine Verträge abzuschließen und kein neues Handy zu kaufen gehört ebenso dazu wie sich mehr um die eigene seelische Gesundheit zu kümmern. Im Endeffekt soll sich Mecury Retrograde je nach Sternzeichen auch jedes Mal anders auf die Menschen auswirken.

Im Endeffekt handelt es sich hier um eine Glaubensfrage: Mache ich mir etwas aus Sternzeichen, Tierkreiszeichen und anderen astrologischen Phänomenen? Wenn ja, dann wird man mit all den neuerdings trendy Astrologie-Artikeln eine Freude haben. Wenn nicht, dann weiß man zumindest, was der Planet Merkur den ganzen Tag so macht. Und in beiden Fällen hat man einen tollen Sündenbock, wenn nächstes Mal der Fernseher spinnt und das Auto nicht anspringt: Oida, Danke Merkur!

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