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Eine (fast) normale Hausfrau!?

Von der Anwältin zur Tattoo-Künstlerin: So setzt sich María José Cristerna als Mexican Vampire Woman für misshandelte Frauen ein. Mit uns sprach sie über ihren Alltag als Vierfachmutter und ihren Kampf gegen die Gewalt.

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The Mexcan Vampire Woman TV-Reportage

Hinter ihrer Verwandlung steckt eine traurige Vergangenheit...

© via YouTube/LT1 LÖ

Egal wo sie hingeht, María José Cristerna, 41, wird angestarrt - manchmal sogar gefürchtet. Ihr extremes Aussehen brachte ihr den Spitznamen "The Mexican Vampire Woman" ein. Den Hype um ihre Person sieht María selbst gelassen: "Ich bin eine ganz normale Frau", betont sie. Mit einem, zugegeben, recht außergewöhnlichen Aussehen. Doch hinter ihren vielen Tattoos, Piercings und Implantaten steckt ein schweres Schicksal. Ein Schicksal, das sie zu jener starken Person gemacht hat, die sie heute ist.

Aber alles der Reihe nach: Es begann 1990. Damals ließ sich die 14-jährige María ihr erstes Tattoo stechen. Einfach so, weil sie es schön fand. Nur drei Jahre später verliebte sie sich in jenen Mann, der ihr ganzes Leben verändert hat - sowohl ihr äußeres als auch ihr inneres. Schnell wurde geheiratet, mit 21 wurde sie von ihm zum ersten Mal schwanger. Insgesamt haben sie vier Kinder (Silvana, 19, Samantha, 17, David, 16, & Samael, 14). Die gemeinsame Zeit war für die angehende Anwältin jedoch alles andere als harmonisch und schön. Jahrelang wurde sie von ihrem Ehemann misshandelt, ließ den Schmerz aber über sich ergehen. Eines Tages eskalierte es - und die heute 41-Jährige wagte mit ihren Kindern nach zehn Jahren Ehe die Flucht in ein neues Leben. Die María, die sie bis dahin war, gab es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr - ihre Verwandlung begann

Vampire Woman

Aus der Anwältin wurde eine Tattookünstlerin, aus der schüchtern wirkenden jungen Frau ein Gesamtkunstwerk. "Ich konnte endlich wieder atmen", erinnert sich die Vierfachmutter. Schritt für Schritt - oder in ihrem Fall Stich für Stich - wurde die aus Guadalajara in Mexiko stammende Frau zur "Vampire Woman". Ihre Piercings und Tätowierungen wurden für sie zu einem Symbol der Stärke. Ja sogar die Zähne ließ sich die Mexikanerin schleifen und extra verlängern. Und damit die Titanhörner eingesetzt werden konnten, musste ihre Kopfhaut gedehnt werden - all das brachte María sogar einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde: "Ich bin eine Kämpferin und habe meinen persönlichen Krieg überlebt. Meine Implantate formen eine Krone auf meinem Kopf, damit möchte ich mich schmücken."

Und hinter der Fassade - mittlerweile sind 98 Prozent ihres Körpers bedeckt - steckt eine normale Mutter und Hausfrau, wie María im Gespräch beteuert: "Mein Alltag sieht aus wie der jeder Mutter auf dieser Welt. Ich habe viel Arbeit und Verantwortung. In der Früh bringe ich die Kinder in die Schule, am Nachmittag helfe ich ihnen bei den Hausaufgaben."

Vampire Woman

Normales Leben als Hausfrau

Es ist ein Alltag, der von viel öffentlicher Präsenz geprägt ist. "Klar werde ich angestarrt. Meist reagieren die Menschen freundlich, weil sie mich aus den Medien kennen, wollen Autogramme oder reden. Es gibt aber auch jene, die beleidigend werden. Doch das kümmert mich nicht, es macht mich nur stärker", sagt sie. Für ihre Kids spielt ihre Verwandlung keine große Rolle. "Es waren langsame Veränderungen, sie haben den Prozess an meiner Seite miterlebt. Für sie ist es normal, wie ich aussehe", so die Vampire Lady, die auch ihren Kindern Tattoos nicht verbieten will: "Sobald sie 18 sind, können sie sich auf ihre Art ausdrücken. Ich werde sie nicht hindern. Meine älteste Tochter hat schon eines."

Seit ihrer Verwandlung ist die Mexikanerin viel unterwegs. Ihr neuer Partner, mit dem sie seit zwei Jahren zusammen ist, unterstützt sie unterdessen zu Hause. Wie etwa im April, wenn sie als Stargast zur "Wildstyle & Tattoo Messe" (wildstyle.at) nach Österreich kommt. Mit anderen Künstlern wird sie Tattoo-Fans in Innsbruck (1. & 2.4.), Wien (8. & 9.4.) und Salzburg (15. & 16.4.) begeistern -und zwischen den Messen in einem Studio in Bad Ischl auch ihr Können zeigen: "Durch meine Arbeit möchte ich meine Fantasie und meine Träume ausleben."

EINE STIMME FÜR FRAUEN

María setzt aber nicht nur ihre Hände ein, um einen Stempel für die Ewigkeit zu setzen, sondern vor allem ihre Stimme. Die Kraft, die sie aus ihrem "neuen" Leben schöpft, nutzt sie, um sich für andere Missbrauchsopfer einzusetzen, und sie hält dazu Vorträge: "Ich habe Schlimmes erlebt und will andere Frauen davor schützen, das Gleiche durchmachen zu müssen." Ihre größte Inspiration: ihre Mutter. "Ich bin wie sie, nur mit einem tätowierten Körper", lacht sie. Dabei sieht man ihre Vampirzähne, die gar nicht mehr beängstigend wirken. Und plötzlich wird klar: Ja, María José Cristerna ist tatsächlich eine ganz normale, engagierte Mutter. Eine, die statt mit ihrem Schicksal zu hadern, in die Welt hinausgeht, um anderen Mut zu machen.

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Themen: Tattoo, Report