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Mexiko: Frauen mit Vergewaltigung zu Geständnissen gezwungen

Gewalt, Folter, Vergewaltigungen - das alles geschieht systematisch durch Polizei und Justizpersonal in Mexiko. Um im Kampf gegen die Drogen die Kriminalstatistiken aufzubessern.

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Gefängnis in Mexiko
© Reuters/ Daniel Becerril

100 Frauen wurden in mexikanischen Bundesgefängnissen befragt.

100 Frauen gaben an, im Laufe ihrer Verhaftung und Vernehmung sexueller Gewalt und extremen psychischen Druck ausgesetzt worden zu sein.

97 erlebten physische Gewalt.

79 wurden am Kopf geschlagen, 62 in Bauch oder Brust, 61 an den Beinen.

33 wurden von Vertretern des Staates, der Polizei oder der Armee vergewaltigt.

66 hatten die Übergriffe offiziell gemeldet.

In 22 Fällen wurde danach ermittelt.

Bis jetzt gibt es laut Amnesty International keine einzige folgende Strafanzeige.

Ein aktueller Bericht der internationalen Organisation mit dem Titel "Surviving Death: Police and Military Torture in Mexico" zeigt die schockierende Vorgehensweise der nationalen Sicherheitskräfte und Behörden, die doch eigentlich für die Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich sein sollten.

Stattdessen sucht man sich vermeintlich schwache Ziele, erzwingt mit Folter, Gewalt und sexuellen Übergriffen Geständnisse, um so gefälschte Erfolge gegen die im Land stark vorherrschende, organisierte Kriminalität liefern zu können, so Maja Liebing, Mexiko-Expertin von Amnesty International.

Wie beispielsweise in den folgenden Fällen:

Tailyn Wang erlitt eine Fehlgeburt aufgrund der Folter

Ohne Haftbefehl stürmte die Polizei das Zuhause von Tailyn Wang - zu der Zeit in der siebten Woche schwanger. Nach Schlägen und sexuellem Missbrauch hatte sie schließlich in den Räumen der Generalstaatsanwaltschaft eine Fehlgeburt.

Man gab ihr keinerlei Schmerzmittel oder brachte sie in ein Krankenhaus, sondern gab ihr einzig ein paar Papiertücher, um das Blut aufzusaugen. Als sie daraufhin ins Gefängnis gebracht wurde und von ihren Schmerzen berichtete, wurde sie nur angeschrien und ebenso nicht medizinisch versorgt. Vier Tage nach der Festnahme erfuhr sie, dass sie beschuldigt wurde dem organisierten Verbrechen anzugehören. Sie blutete noch fünf weitere Tage ohne Behandlung.

Maria Magdalena Saavedra wurde nach Vergewaltigung ärztlich ihre Gesundheit bestätigt

Maria Magdalena Saavedra wurde von herein stürmenden Marinesoldaten aus ihrem Schlafzimmer entführt und geschlagen, während man sie mit Fragen bedrängte.

Sie erstickte beinahe, als man einen Plastiksack über ihren Kopf zog, sie wurde in einen Lastwagen gezerrt, wo sie weiterhin geschlagen und mit Gegenständen vergewaltigt wurde. Später wurde sie mit Elektroschocks an Mund sowie Genitalien gefoltert und man drohte ihr, ihrer Tochter etwas anzutun. Schließlich wurde ihr Geständnis nur mit ihren Fingerabdrücken "unterschrieben". Man warf ihr vor, für einen Drogenring zu arbeiten.

Der Arzt, der sie nach der Verhaftung untersuchte, stellte fest, dass "die Festgehaltene physisch gesund sei". Bei ihrer ersten Anhörung vor Gesicht, sah der Richter jedoch ein ganz anderes Bild: "Die Verdächtige weinte heftig, war angespannt, depressiv und hatte eine Angststörung." Beim Interview mit Amnesty International - drei Jahre nach der Inhaftierung - sind immer noch Narben sichtbar sowie klare Anzeichen für Traumata.

Verónica Razo - seit 5 Jahren ohne Verhandlungsergebnis im Gefängnis

Verónica Razo wurde von Männern in privater Kleidung auf offener Straße inmitten von Mexico City festgenommen. Sie wurde in ein Lager der Bundespolizei gebracht, wo sie 24 Stunden festgehalten und gefoltert wurde: Schläge, Ersticken, Elektroschocks und Vergewaltigungen durch mehrere Polizeibeamte. Damit wurde sie gezwungen, ein Geständnis zu unterschreiben. Nach der "Befragung" kollabierte sie und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Offiziell wurde sie am nächsten Tag verhaftet und ihr wurde vorgeworfen, Teil einer Entführungsbande zu sein. Jedoch hatte ihre Mutter schon am Tag zuvor eine Vermisstenmeldung aufgegeben.

Seit fünf Jahren wartet sie nun auf ein Ergebnis ihrer Verhandlung. Ihre Tochter war bei der Inhaftierung sechs, ihr Sohn zwölf - und nun kann sich die Familie dessen Studium nicht mehr leisten und ihre Mutter musste ihr Geschäft verkaufen, um sich die Anwaltskosten leisten zu können.