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Mic Donet im WOMAN-Interview

Mic Donet: Mentor Xavier Naidoo brachte den deutschen Soulsänger in "The Voice of Germany" näher zu sich selbst. Am 10. 11. gastiert er mit seiner Tour "Plenty of Love" in der Szene Wien. WOMAN traf ihn vorab.


Mic Donet im WOMAN-Interview
© Stefan Gergely/www.steter.com

WOMAN: Herr Donet, seit der vergangenen Staffel von "The Voice of Germany" sind Sie ein bekannter deutscher Soul-Sänger. Sie performen in Hochdeutsch, dabei kommen Sie aus München! Können Sie noch Bayrisch?

Donet: (lacht) Bayrisch konn ich scho no ... Wos sull i den sog’n? (lacht)

WOMAN: Wo und mit welchem Gefühl sind Sie denn heute aufgestanden?

Donet: Mit einem guten! Um halb sieben Uhr morgens in meiner Berlin Wohnung. Bis spät in die Nacht haben wir aber noch Videos geschnitten. Deshalb habe ich wenige Schlaf bekommen und bin müde.

WOMAN: Wenn Sie morgens nicht motiviert sind, wie kommen Sie sich dann in Fahrt?

Donet: Ich bin generell kein Morgenmuffel, bin meistens fröhlich. Wenn es dennoch solche Situationen gibt, rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis, dass ich großes Glück habe, diesen Job ausüben zu dürfen und meinen Weg gehen zu können. Wer kann schon von sich behaupten seinen Traum zu leben?

WOMAN: Ihr Manager – er sagt, er ist mehr Freund und Wegbegleiter – sagt, Sie haben ein Riesentalent, eine "Berufung". Trotzdem gab es oft Niederlagen. Sie haben aber immer weitergemacht – warum?

Donet: Ich bin ein getriebener Mensch. Von Anfang an. Schon als kleines Kind war mir klar, dass ich Sänger werden will. Es gibt zwei Arten von Künstlern: Die einen sind pure Entertainer und die machen das, weil sie damit eine schöne Mark machen wollen und dann gibt es die, die gar nicht anders können. Die das einfach in sich tragen und das muss raus. Zu denen zähle ich mich. Ich kann sagen "Ich habe keinen Bock mehr", aber ich muss trotzdem weitermachen. Ich habe immer großen Druck auf mich selbst ausgeübt. Aber mittlerweile habe ich gelernt, auch den Weg zum Ziel zu genießen. Und nicht nur das Ziel zu sehen.

WOMAN: Was ist denn Ihr Ziel?

Donet: Eine Plattform zu finden, die ein großes Publikum anspricht. Natürlich auch für meinen Lebensunterhalt sorgen zu können. Und, die Welt zu bereisen und dort meine Musik spielen zu können. Was wäre Ihnen lieber: Vor 100 Leuten zu spielen, die einfach gern Musik hören oder vor zehn, die Ihre Message auch wirklich verstehen? Es ist meine Motivation, egal ob ich vor 10.000 oder 10 Leuten spiele, ich es immer genauso ernst nehme. Das Universum sieht alles!

WOMAN: Gutes Stichwort! Für den 21.Dezember wird ja der Weltuntergang vorhergesagt ...

Donet: (unterbricht) Ich glaube, das passiert tatsächlich – auf geistiger Ebene. Die Gesellschaft ist definitiv in einem Umbruch.

WOMAN: Mit welchen Botschaften wollen Sie die Gesellschaft gerade jetzt ansprechen?

Donet: Für mich ist ganz wichtig, dass wir wieder den Mut haben Individuen zu sein. Für uns selbst zu stehen und uns selbst zu lieben. Und nicht als Roboter zu funktionieren und uns anzupassen in einer Gesellschaft, die eh schon so angepasst ist, dass es kaum noch jemanden gibt, der aus der Reihe tanzt. Wir geraten immer mehr in diese Angepasstheit, einen Einheitsbrei. Sind doch alle eigenständige Wesen. Das geht ein bisschen verloren ...

WOMAN: Vielleicht muss man sich anpassen?

Donet: Klar, eine Gesellschaftfunktioniert nur, wenn man sich auch bis zu einem gewissen Grad unterordnet. Aber ich glaube, dass viele Menschen einfach nicht ihren Träumen nachgehen, weil ihnen von klein auf gesagt wird, das geht nicht. Weil bereits in der Erziehung jeglicher Keim erstickt wird.

WOMAN: Wie tanzen Sie aus der Reihe? Im Musik-Biz gibt’s doch auch diese Anpassung. Sie sind bei einem großen Konzern unter Vertrag! Da wird auch gerne Vieles über einen Kamm geschert!

Donet: Ich mache meine eigene Musik, habe meine eigene Sprache entwickelt. Das mache ich seit 15 Jahren. Ich habe mich nie beeinflussen lassen und mir die Zeit gegeben, mich als Künstler zu entwickeln.

WOMAN: Und wenn Ihre Plattenfirma sagen würde: So geht das nicht. Wir stellen uns das anders vor ...

Donet: Das ist schon passiert! Mir wurden viele Steine in den Weg gelegt. Aber ich war immer jemand, der seinen Kopf durchgesetzt hat. Ich musste lernen, da auch zurückzutreten und zu schauen, wie kann man etwas schaffen, wofür es auch eine Nachfrage gibt. Mein Eigenbrötlertum im stillen Kämmerchen bringt mich ja nicht weiter. Aber wenn man als Künstler genug Zeit bekommt sich zu entfalten, klappt das. Den meisten wird diese Zeit nicht gegeben. Es wird etwas ausprobiert, klappt nicht, nächster ... Ich wollte nie dieser "next" sein. Da muss man einfach nein sagen! Und auf einmal – über zehn Jahre später – finde ich Gehör!

WOMAN: Gingen Sie schon für Ihre Werte immer schon auf die Barrikaden oder mussten Sie sich das erst antrainieren, weil Sie früher zum Kuschen erzogen wurden?

Donet: Wir sind doch alle zum Kuschen erzogen worden. Bloß nicht zu weit aus dem Fenster lehnen! Ist ja auch angenehm für die Menschen ... Ich sehe mich gar nicht so sehr als Rebell, eher als jemand, der sich auf den Weg zu sich selbst macht. Der lernt, sich selbst zu lieben und anzunehmen. Und in dem Moment, sprichst du auch Menschen an. Der letzte Schritt zu mir selbst, war tatsächlich diese Show. Sie hat mich fast schon dazu gezwungen, weil sie mich so an meine Grenzen getrieben hat. Ich musste meine Ängste, Zwänge und Blockaden notgedrungen ablegen.

WOMAN: War Xavier Naidoo da ein wichtiger Mentor? Er scheint ja auch ein sehr reflektierter Mensch …

Donet: Wir Künstler sind sogar dazu gezwungen, uns selbst zu reflektieren! Weil wir uns die ganze Zeit über meistens selbst im Weg stehen! Xavier hat alle Entscheidungen uns selbst überlassen. Er hat immer gesagt: Ihr müsst die Konsequenzen eurer Entscheidungen selbst kennen. Entscheidungen haben so eine Kraft. Wenn man innerlich was entscheidet, kommt so eine Energie, auf die man sich draufsetzen kann. Aber bis es zu einer Entscheidung kommt, ist es oft ein harter Weg. Er hat mir diesen Impuls gegeben. Und meinte auch: "Schau in den Spiegel! Siehst du wer da steht? Du traust dir Dinge nicht zu, die ich dir locker zutraue! Wovor hast du Angst?"

WOMAN: Wovor hatten Sie Angst?

Donet: Mein Album ist ja schon länger fertig, lag auf Eis weil ich niemanden gefunden habe, der investieren wollte. Ich habe nur Absagen kassiert. Damit ist auch meine Vision eingeschlafen. Dann habe ich das Album Xavier gezeigt und für ihn war das total klar.

WOMAN: Haben Sie dabei nie ans Aufhören gedacht?

Donet: Nein, ich wusste immer um die Kraft dieser Musik und um mein Talent. Und ich wusste auch immer, dass Soulmusik in Deutschland nicht unbedingt den großen Markt hat.

WOMAN: In welchen Gefühlslagen sind Sie besonders kreativ?

Donet: Schmerz und Trauer ist natürlich immer ein gutes Gefühl um zu Texten. Aber auch Freude ... Trotzdem hab ich einen melancholischen Kern in mir. Ich empfinde Melancholie als etwas Schönes. Ich habe Freude daran, in mich selbst zu gehen und mich zu reflektieren. Ineiner Phase wie jetzt, in der es mehr um die Vermarktung geht, Auftritte zuspielen, da fließt keine kreative Energie. Da muss man leisten. Ich brauche Ruhe und Abstand um Schreiben zu können.

WOMAN: Ist das ein Rückzug, den Ihre Freundin auch versteht?

Donet: Wir wohnen nicht zusammen.

WOMAN: Weil Sie Ihren eigenen Raum brauchen?

Donet: Absolut! Sonst dreh ich durch ... (lacht) Selbst wenn ich weiß, der andere Mensch ist in einen Raum weiter und uns trennt eine Tür, ist das noch immer etwas anderes als wenn niemand da ist. Ich bin sehr gern allein. Und ich kann mich auch gut allein beschäftigen.

WOMAN: Können Sie sich auch nicht beschäftigen?

Donet: Es gibt zwei Menschen in mir. Der eine, nutzt alle Zeit effektiv. Der eine braucht Ruhe. Die nehme ich mir dann auch. Ich bin generell ein entspannter Typ. Mich kann nichts so schnell aus der Ruhe bringen.

WOMAN: Wünschen Sie sich Kinder?

Donet: Definitiv! Aber jetzt noch nicht. Ich bin schon ein Familienmensch, aber das ist mit einem Künstlerleben schwer zu vereinen. Meine Freundin ist auch Musikerin.

WOMAN: Würden Sie beim Songcontest mitmachen oder ist Ihnen das zu primitiv?

Donet: Wenn das eine Plattform für mich und meine Sache ist, dann ok. Aber wenn ich dort den Kasperl machen muss, sehe ich keine Veranlassung ... Wir haben alle primitive Seiten.

WOMAN: Was ist Ihre primitivste Seite?

Donet: Ich gehe ins Bierzelt, schieße mich ab und rede Blödsinn. Und dann höre ich mir auch gern diese Musik an. Das muss ab und zu sein. Mir tut es gut, wenn ich etwas machen kann, das absolut sinnlos ist. Alle Dinge müssen sonst ohnehin immer Sinn machen! Und wir haben jeden Tag soviel zu denken. Privat bin ich voll der Blödelkopf! Ich schneide sehr gern Grimassen. Manche Leute sagen, ich habe so einen Psycho-Blick, wenn ich so komisch schaue. (lacht) Vielleicht ist es auch so ein bisschen eine latentepassive Aggression. Wenn ich merke, dass Leute nicht so aus sich rauskommen. Oder in ihren Zwängen drinnen sind, dann versuche ich, sie da raus zu locken.

WOMAN: Kommt das bei Frauen an? Wie punkten Sie da?

Donet: Das ist doch blöd, wenn ich das jetzt sage ... Ich glaube, man punktet auf jeden Fall wenn man selbstbewusst ist, wenn man bei sich ist.

WOMAN: Themenwechsel: Donet, kommt von Donatus – der von Gottgeschenkte. Waren Sie ein Wunschkind Ihrer Eltern?

Donet: Ja, ich war ein Wunschkind. Aber das hat nichts damit zu tun. Donet kommt indirekt über meine Mama. Anfangs hieß ich ja nur Mic, abgeleitet von Michael. Doch ich war nie zufrieden damit. Das wurde nämlich so über meinen Kopf hinweg entschieden als ich meine erste Platte bei Sony Music produziert habe. Damals ging alles ganz schnell ... Für meinen neuen Weg wollte ich etwas Neues, einen Zusatz, der dem ganzen einen Sound gibt und international klingt. Sieben Jahre später, habe ich ein Buch aus dem Regal gezogen mit internationalen Namen und deren Bedeutung. Das Buch hat mir damals meine Mum geschenkt. Als ich es so durchblätterte, fiel mir auf, dass meine Mutter "Donet" mit einem gelben Marker angestrichen hatte. Und wer ist besser dazu geeignet dir einen Namen zu geben als deine Mutter?

WOMAN: Glauben Sie an etwas Höheres?

Donet: Immer schon!

WOMAN: Auch in Phasen wo, Sie sich hängen gelassen fühlen? Warum passiert das?

Donet: Es gibt immer einen Grund, warum es nicht weitergeht, und das bist immer du selbst. Ich benutze zwar das Wort "Gott" aber ich habe von Religion generell Abstand genommen. Von der Kirche bin ich schon mit 15 ausgetreten. Ich habe gemerkt, das ist alles so von Menschen gemacht. Es ist unser Kleingeist, der versucht, eine Wahrheit zu finden, aber nie das große Ganze verstehen wird. Und wer sind wir, dass wir glauben, wie seien die einzigen Pächter der Wahrheit? Christen, Moslems, Juden – wer hat Recht? Irgendwann habe ich gesagt, das ist alles Schwachsinn. Das einzige, woran ich glaube, ist die Liebe. Und die Kraft der guten Gedanken. Das ist das, was übrig geblieben ist. Und darin sehe ich auch Gottes Liebe.

WOMAN: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Donet: Ich denke schon ... ich glaube auch, dass ich schon öfter hier gewesen bin. Immer als Mann. Ich spüre, dass ich mal jemand war – oder dass dieser jemand, der jetzt in mir lebt, wieder zurückwill auf einen Thron oder so. In eine Position, in die er hingehört, in der er wirken soll, dafür aber hart arbeiten muss. Dass er dort wieder eingesetzt werden kann, wo er eigentlich hingehört. Dieses Gefühl habe ich ganze Zeit. Eine Kartenlegerin meinte, ich wäre mal ein Berater eines Königs gewesen.
Ich habe auch das Gefühl, dass ich jetzt ein Leben bekommen habe, das eine Belohnung für etwas ist. Ich sehe dieses Leben, als Belohnung! Ich habe ein gesegnetes Leben.

Interview: Petra Klikovits, Melanie Zingl