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Douglas: Stimmt seine Krebstheorie?

Wurde sein Kehlkopfkrebs durch Oralsex verursacht? Das behauptet Michael Douglas. Wie gefährlich sind HPV-Viren wirklich? Und wie schützt man sich?

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Michael Douglas bei der Premiere von One Centennial Sensation.

Michael Douglas: Ist zurück auf der Leinwand – und in den Medien

© 2013 Getty Images

Selten hat ein Interview am Rande einer Filmpremiere so viel Medien-Echo hervorgerufen wie jenes von Hollywood-Veteran Michael Douglas anlässlich der Präsentation von "Behind the Candelabra" in London.

In einem Gespräch mit der britischen Zeitung The Guardian gab Douglas zu Protokoll, dass er sich den Kehlkopfkrebs, der 2010 bei ihm entdeckt und therapiert worden war, beim Oralverkehr eingefangen haben könnte. Krebs durch Cunnilingus: Diese zunächst saftig klingende Nachricht befeuerte die Mediendienste weltweit.

Doch auch wenn Allen Burry, der Sprecher von Michael Douglas, heute zurückrudert – "Michael hat nie gesagt, dass Cunnilingus die Ursache für seinen Krebs war. Er hat über verschiedene Ursachen von Kehlkopfkrebs geredet. Dabei ist als mögliche Übertragung von HPV-Erregern auch Oralsex zur Sprache gekommen!" – die Frage bleibt: Kann Oralsex der Auslöser von Krebs sein?

Wie gefährlich sind HPV?

Die Abkürzung HPV steht für "Humane Papillomaviren", die Entzündungen und gut- aber auch bösartige Tumoren der Haut und Schleimhäute auslösen können. Derzeit sind über hundert Stämme der humanen Papilloviren (HPV) bekannt, vierzehn davon können Krebs erregen. Bekannt sind HPV vor allem, weil sie auch bei jungen Frauen zu Gebärmutterhalskrebs führen können. In Österreich erkranken jährlich bis zu 400 Frauen an invasivem Gebärmutterhalskrebs. In mehr als 90 Prozent der Fälle sind humane Papilloviren dafür verantwortlich.

Doch auch Männer können daran erkranken. Das Tückische: Die Erkrankung erfolgt meist völlig unbemerkt und heilt auch in den häufigsten Fällen so ab. Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens zumindest einmal mit HPV-Viren. Doch manchmal ist das Immunsystem schwächer als die Viren, von denen es mehr als 120 verschiedene Typen gibt. Manche davon sind Niedrigrisiko-, andere Hochrisiko-Typen.

Als Folge der Niedrigrisiko-Typen können Feigwarzen an der Scheide, dem Penis oder dem After entstehen. Sie lassen sich in der Regel aber gut behandeln.

Nach einer Ansteckung mit Hochrisiko-Typen, hier vor allem mit HPV-16 und -18, droht in einigen Fällen ein bösartiger Tumor. Bei Frauen liegt das Risiko für die Entstehung von Krebsvorstufen dann sogar bei 40 Prozent.

Bei Männern entstehen bösartige Tumoren durch HPV wesentlich seltener. Die möglichen Folgen: Ein Peniskarzinom oder ein Analkarzinom. Wer Oralverkehr mit einem infizierten Partner hat, bei dem können sich die Viren auch im Mundraum ansiedeln und zu Mund- oder Rachenkrebs führen.

Gibt es einen Schutz gegen HPV?

Einen wirklich 100%igen Schutz gibt es leider nicht. Selbst die Nutzung von Kondomen verringert die Ansteckungsrate nur – die Viren können sich auch in den umliegenden Hautbereichen einnisten.

Die derzeit eingesetzten HPV-Impfungen für Frauen schützen vor 70 Prozent der durch HPV verursachten Krebserkrankungen und werden im Impfplan empfohlen. Derzeit kostet die 4-fach-Impfung, die dreimal gegeben werden muss, insgesamt 570 Euro. Der hohe Preis dürfte mit ein Grund für die geringe Akzeptanz der Impfung sein: In Österreich beträgt die Impfrate gerade einmal zwei Prozent. Österreich ist außerdem das einzige europäische Land, das die HPV-Impfung nicht finanziell unterstützt.

Kommentare

Autor

Als Betroffene finde ich es äußerst bedauerlich , dass die Berichterstattung so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist. Es wäre eine große Chance gewesen der Thematik in seriöser Art und Weise mehr Raum zu geben.