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Mikaela Shiffrin: Kopfsponsor Barilla wirbt mit verliebten Frauen

Sorgte der Barilla-Firmenchef vor 5 Jahren mit seinen homophoben Aussagen noch für einen Shitstorm der bis zum "Pasta Boykott" reichte, wirbt Barilla heute mit zwei verliebten Frauen. Sehr zur Freude von Testimonial Mikaela Shiffrin.

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Mikaela Shiffrin: Kopfsponsor Barilla wirbt mit verliebten Frauen
© 2019 Getty Images

Erinnert ihr euch noch an den sogenannten "Pasta Boycott"? Im Jahr 2013 hatte Guido Barilla, Chef der gleichnamigen italienischen Nudelfirma und Urenkel des Gründers, mit einem Interview für große Aufregung gesorgt. Er sagte damals dem Sender "Radio 24" folgendes: „Die heilige Familie ist in unserer Firma ein fundamentaler Wert.“

Als er weiter gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, einen Werbespot mit einer homosexuellen Familie für seine Marke zu produzieren, antwortete er: „Nein, so einen Werbespot würden wir nicht machen. Unsere Familie ist eine traditionelle Familie.“ Damit nicht genug, auf weitere Nachfragen des Journalisten, wonach ja auch homosexuelle Menschen gerne Pasta essen würden, redete er sich nur noch weiter ins Verderben: „Wenn sie unsere Pasta und unsere Werbung mögen, sollen sie sie essen. Wenn nicht, sollen sie eine andere Pasta essen. Man kann nicht immer jedem gefallen.“

Konkurrenz nützte Aussagen

Die Aussagen lösten damals eine Welle der Empörung aus, vor allem online gingen die Wogen hoch. Es wurde zum Boykott der Marke aufgerufen, auf der Facebook-Seite von Barilla spielten sich seitenlange Diskussionen ab. Das machte sich auch die Konkurrenz zu Nutze: So dauerte es nicht lange, bis Buitoni mit folgendem Spruch Werbung machte:„Im Hause Buitoni gibt es Platz für alle.“ Und auch der kleinere Hersteller Garofalo sprang auf den Zug auf: „Die einzigen Familien, die nicht zu Garofalo gehören, sind die, die keine gute Pasta mögen.“

Guido Barilla hatte sich nach dem Radio-Interview (in dem es eigentlich um die Rolle der Frau in der italienischen Gesellschaft ging) zwar entschudligt, wirklich Änderungen an der Firmenpolitik wurden aber keine vorgenommen. „Die Marke Barilla möchte in ihren Werbungen die Familie zeigen, weil sie ein Symbol für die Liebe für jeden ist und unsere Marke sich seit immer mit ihr identifiziert.“

5 Jahre danach: Barilla wirbt mit verliebten Frauen

Nun, 5 Jahre später dürfte Barilla sein Familienbild noch einmal überdacht haben - denn im Oktober 2018 wurde von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt das Ergebnis einer ganz speziellen Zusammenarbeit gezeigt: Die Künstlerin Olimpia Zagnoli hat die Barilla-Spaghetti-Box neu designed. Zu sehen sind auf der Hülle des Nudel-Klassikers zwei verliebte Frauen, die sich einen Teller Spaghetti teilen bzw. wie Susi & Strolch romantisch eine Nudel schlürfen. Präsentiert wurde die Zusammenarbeit anlässlich der Pasta Weltmeisterschaft, die eben im Oktober 2018 stattgefunden hat.

Künstlerin boykottierte Barilla selbst

Die Verpackung mit den verliebten Frauen dürfte damals aber weit weniger Wellen geschlagen haben, als die homophoben Aussagen des Firmenchefs ein paar Jahre zu vor. So hatte damals sogar die Künstlerin hinter dem Sujet, eine Protest-Nachricht an Barilla geschickt und aufgehört, deren Produkte zu kaufen. Dementsprechend hätte sie sich niemals gedacht, dass sie eines Tages eine Barilla-Nudelpackung gestalten und dabei auch noch die gegenteilige Message verbreiten könne. Dass sie damit auch Barilla konfrontierte, als sie als Künstlerin engagiert werden sollte, hat sie via Instagram bekannt gegeben:

Shiffrin im Kampf für LGBT-Rechte

Und hätte nicht 4 Tage vor dem Start der alpinen Ski Weltmeisterschaft Mikaela Shiffrin in einem Instgram-Posting darüber sinniert, wäre uns die Kampagnen vielleicht auch gar nie aufgefallen. Aber in einem ausführlichen Text legt Shiffrin dar, was einerseits für sie bedeutet eine Frau im Spitzensport zu sein und andererseits wie froh sie darüber ist, dass ihr Kopfsponsor Barilla für Gleichheit stehe. "Ich freue mich wirklich über die Zusammenarbeit mit Olimpia Zagnoli, die zeigt, welchen Pfad Barilla in Sachen LGBT-Rechte geht." Sie sei gerne Botschafterin einer Firma, der Gerechtigkeit und Gleichheit wichtig sei.

Shiffrins persönliche Postings

Nun ja, auch wenn es sich dabei um ein Werbe-Posting für ihren Sponsor handelt: Mikaela Shiffrin ist inzwischen für ihre sehr ausführlichen und teils auch sehr persönlichen Postings auf Instagram bekannt. Zuletzt hatte sie etwa mit einer wahren Liebeserklärung an ihr großes Vorbild Marlies Schild (inzwischen: Raich) ihren eigenen Rekord kommentiert. Wer sich also für Skifahren, Frauen im Spitzensport und gesellschaftlich relavante Themen drum herum interessiert, ist gut beraten Mikaela Shiffrin zu folgen.