Ressort
Du befindest dich hier:

Mirjam Weichselbraun im WOMAN-Talk

Zickengehabe, ewige Liebe und Männer mit Make-up – Dinge, mit denen "Die Frau in mir" zu sehen. Ein Talk über weibliche Attitüden und ihre neue Liebe.


Mirjam Weichselbraun im WOMAN-Talk
©

Erst kurz vor Mitternacht ist sie mit dem Flieger aus Köln nach Wien gejettet. Trotzdem steht TV-Star Mirjam Weichselbraun, 31, tags darauf pünktlich um 10 Uhr im WOMAN-Fotostudio. Frisch und quirlig, wie man sie kennt. Der Teint ist noch leicht gebräunt vom vergangenen Urlaub. "Anfang des Jahres war ich für eine Woche in Tulum in Mexiko. Danach bin ich noch bis Ende Jänner nach L. A. und habe diese Zeit auch für Weiterbildungen in der Schauspielerei genützt. Nicht weil mein nächstes Ziel jetzt Hollywood ist, sondern weil man dort einfach mehr Möglichkeiten hat. Neben meiner Schauspiellehrerin in Berlin nutze ich solche Gelegenheiten also gerne. Jetzt wird aber erst mal wieder hier gearbeitet", lacht die gebürtige Tirolerin, die seit mittlerweile zehn Jahren in Berlin lebt. Und Arbeit hat sie genug – der Terminkalender der 31-Jährigen ist knackevoll. Nach der Moderation der Song-Contest-Vorentscheidung präsentiert sie jetzt die achte Staffel von "Dancing Stars" auf ORF eins und moderiert zwischendurch an der Seite von Harald Schmidt.
Neben ihren Moderationsjobs ist Weichselbraun auch immer häufiger als Schauspielerin am Set: "Ich bin entweder das eine oder das andere, trenne das stark. Beim Moderieren bin ich sicherer und weiß, dass ich mich auf mich verlassen kann. Beim Schauspielen habe ich manchmal Angst, der Rolle und den Erwartungen nicht gerecht zu werden." Zuletzt stand sie für den PULS-4-Spielfilm "Die Frau in mir" (Ausstrahlung: 9. März, 20.15 Uhr) vor der Kamera. Als toughe Karriere-Lady Lisa Rammser schnappt sie ihrem Exfreund Georg Sommer (gespielt von Max von Pufendorf) die Unternehmensleitung einer Sektkellerei weg. Ein herber Schlag für das Ego des Macho-Mannes, der sich seit der Trennung auf keine ernsthafte Beziehung mehr eingelassen hat. Und dann begegnet er auch noch Wally – seinem fleischgewordenen weiblichen Ich. Verwirrung ist hier vorprogrammiert! Denn mit seiner femininen und sensiblen Seite kann sich der Womanizer so überhaupt nicht anfreunden …

WOMAN: Mirjam, wann fühlen Sie sich denn besonders weiblich?

Weichselbraun: Das ist bei mir rein von der Tagesverfassung abhängig und hat nichts mit Outfit oder Make-up zu tun. Es gibt eben Tage, an denen alles stimmt und an denen man sich mag.

WOMAN: Und dann gibt´s jene Tage, an denen man sich selbst überhaupt nicht ausstehen kann. Was können Sie an sich denn manchmal nicht leiden?

Weichselbraun: Ich kann sehr sensibel sein und übertrieben auf Dinge reagieren, die mit Abstand betrachtet gar nicht so schlimm sind. Manchmal bin ich eine Dramaqueen, aber zum Glück fällt mir das meistens selbst auf. Ich kann mir selbst Fehler selten verzeihen. Vor allem, was meine Arbeit betrifft, bin ich ein Pedant.

WOMAN: Auch den Kollegen gegenüber?

Weichselbraun: Wahrscheinlich schon. Ich erwarte von mir das meiste, von anderen viel. Diese Gleichgültigkeit, die manche an den Tag legen, macht mich wahnsinnig. Entweder ich mache etwas richtig oder gar nicht. Ich verlange, dass das Beste versucht wird.

WOMAN: Sie sind im deutschsprachigen Raum ein gern gesehener Bildschirm-Liebling, doch die Konkurrenz in der TV-Branche ist groß. Plagen Sie gelegentlich Existenzängste?

Weichselbraun: Die hat wahrscheinlich jeder von Zeit zu Zeit, ganz egal in welchem Job. Und natürlich bin ich schon sehr von der Meinung von Produzenten und Zusehern abhängig.

WOMAN: Was ist es, das die Menschen an Mirjam Weichselbraun so mögen?

Weichselbraun: Keine Ahnung! In verschiedenen Online-Foren lese ich ab und zu, was Leute nicht an mir mögen. Aber ich moderiere wirklich gerne. Und das merkt man, glaube ich, auch. Außerdem verstelle ich mich nicht.

WOMAN: Apropos Online- Foren: Wenn man Ihren Namen googelt, wird einem sofort die Kombination "Mirjam Weichselbraun hot" vorgeschlagen. Ein Kompliment?

Weichselbraun: Ich finde das eigenartig, kann damit wenig anfangen. Aber ich mache einen Job, der eine gewisse Öffentlichkeit mit sich bringt. Da muss man es auch in Kauf nehmen, dass Leute sich eine Meinung über einen bilden, die manchmal nichts mit mir zu tun hat. Das ist nicht immer einfach, denn in erster Linie gehöre ich mir selbst. Aber das sind die Regeln.

WOMAN: Was, wenn die Angebote plötzlich ausbleiben?

Weichselbraun: Bis jetzt hatte ich noch keine beruflichen Durststrecken. Zurzeit ist es so, dass ich viel mehr Projekte ab- als zusage. Das ist ein Luxus. Ich will nicht jede Show machen, nur um im Fernsehen zu sein. Und sollte es mal anders kommen, werde ich schon was finden, um mich zu beschäftigen. Es gibt nie nur eine Sache. Zumindest nicht für mich. Mich interessiert viel. Ich schreibe sehr gerne, und ich finde Dokumentationen spannend. Deshalb kann ich mir auch gut vorstellen, hinter der Kamera an Shows mitzuarbeiten.

WOMAN: Klingt uneitel! Die meisten Moderatorinnen präsentieren sich doch gerne im Rampenlicht!

Weichselbraun: Mit eitlem, übertriebenem und unangebrachtem Zickengehabe kann ich bei Frauen generell nichts anfangen. Ich mag auch dieses Konkurrenzdenken nicht. Es gibt Frauen, die ständig am Lästern sind und an anderen Frauen selten ein gutes Haar lassen. Das nervt!

WOMAN: Aber es gibt bestimmt Ladys, von denen Sie sich etwas abschauen …

Weichselbraun: Mich beeindrucken starke Frauen, die wissen, was sie wollen, aber nicht ehrgeizig und mit Ellbogenkraft alles durchsetzen. Privat ist sicher meine Mutter mein größtes Vorbild. Und beruflich finde ich die amerikanische Moderatorin Ellen DeGeneres toll. Sie scheint sich nicht viele Gedanken darüber zu machen, was cool ist und was nicht, sondern probiert vieles aus, so entstehen die besten Dinge. Außerdem ist sie uneitel, Ellen hat ihren eigenen Stil, genau meinen Sinn für Humor und nimmt die ganze Sache trotzdem ernst.

WOMAN: Beruflich läuft´s wie am Schnürchen. Haben Sie manchmal Bedenken, dass das Private auf der Strecke bleibt?

Weichselbraun: Nein, das ist sicher nicht der Fall. Meine Freunde kennen meinen Beruf und wissen, dass das ein Teil von mir ist. Man muss mehr planen als andere, ja, aber das klappt sehr gut. Außerdem habe ich das Glück, mit vielen Freunden zusammenzuarbeiten. So verbindet sich das eine mit dem anderen.

WOMAN: Auch Ihr neuer Freund, Musikmanager Ben Mawson, kommt aus der Showbranche.

Weichselbraun: Stimmt. Und ja, ich bin verliebt. Ben und ich sind bereits seit einiger Zeit zusammen. Ich halte mein Privatleben nur eben auch gerne privat. Wenn man in dieser Branche ist und sich entscheidet, öffentlich glücklich zu sein, ist man zwangsweise auch irgendwann öffentlich unglücklich. Ich hoffe dabei immer auf Verständnis. Ich will mich mit dieser Zurückhaltung nicht wichtig machen, sondern einfach einen kleinen Teil für mich behalten.

WOMAN: Wann bekennen Sie sich öffentlich zu einem Mann?

Weichselbraun: Sicher nicht ganz am Anfang. Ich muss schon verliebt sein und wissen, dass es von beiden Seiten erst mal etwas Festes ist. Beide müssen miteinander zusammen sein wollen und sich nicht bei der nächsten Kleinigkeit wieder trennen.

WOMAN: Wann verlieben Sie sich in einen Mann?

Weichselbraun: Ich glaube, das ist Chemie, so komisch es klingt! Man trifft viele interessante Menschen im Leben – einige habe ich als Freunde in mein Herz geschlossen. Und in andere verliebt man sich dann eben.

WOMAN: Wann lassen Sie sich auf eine Beziehung ein? Nur wenn Sie denken: "Das könnte der Mann fürs Leben sein"?

Weichselbraun: Nein, das weiß man doch eh nie! Am Anfang denkt man immer, es hält ewig. An so was glaube ich nicht. Man kann doch nicht wissen, was die Zukunft bringt. Ich finde, wenn man im Moment glücklich ist und sich dann ein solcher Moment an den anderen reiht, ist das doch schön. Mehr will ich nicht verlangen. Und kann ich auch nicht geben. Das wäre nicht ehrlich.

WOMAN: Der metrosexuelle Mann ist ja längst etabliert. Wie gepflegt und gestriegelt muss Ihr Partner sein?

Weichselbraun: Klar will ich, dass mein Freund auf sich achtet, aber ich will keine Prinzessin, die ständig Cremes kauft. Gepflegt unbedingt, ansonsten aber ein entspannter, lässiger Look.

WOMAN: Wann geht Ihnen die Kosmetiksache bei Männern zu weit?

Weichselbraun: Zu schmal gezupfte Augenbrauen und zu viel Styling finde ich wahnsinnig langweilig. Und vor allem ganz und gar nicht sexy! Abdeckstift, Make-up oder Puder gehen bei einem Mann gar nicht. Das finde ich unmännlich! Genauso wie übertrieben modische Outfits.

WOMAN: Abschließend: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesteckt?

Weichselbraun: Immer einen Schritt weiter zu gehen und mich nicht zurückzulehnen. Ich will nicht satt vom Leben sein, sondern neue Dinge erleben, noch mehr verreisen, Menschen kennenlernen und sehen, wie spannend ein Leben sein kann.

WOMAN: Wie würde Ihr Resümee zurzeit aussehen?

Weichselbraun: Manche Dinge waren gut, andere hätte man sich sparen können. Man verändert sich, genauso wie Beziehungen um einen herum. Die Herausforderung für mich ist, das zu akzeptieren und zu versuchen, das Gute in solchen Veränderungen zu sehen.

Melanie Zingl