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Misophonie: Was ist der Hass auf Geräusche?

Schmatzen, Schnarchen oder Husten: Normale, menschliche Geräusche können manche Personen bis zur Aggressivität reizen. Was man alles über Misophonie wissen sollte.

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Misophonie: Was ist der Hass auf Geräusche?
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In meiner Wohnung gibt es keine Wanduhren. Und auch meine Armbanduhren sind sicher in einem Kasten verstaut. Warum? Weil ich das Ticken von Uhren einfach nur unerträglich finde. Gut, wenn ich eine laut tickende Armbanduhr anhabe und in der Arbeit manchmal das leise Klackern höre, dann kann ich damit umgehen. Aber nicht wenn ich dem Geräusch permanent ausgesetzt bin. Es geht sogar so weit, das bei Freunden die Wanduhr abhänge, wenn ich im selben Raum übernachten muss.

Was ist Misophonie?

Man könnte das als Exzentrik oder einfach nur Macke meinerseits bezeichnen. Und zum Glück ist das bei mir wirklich nicht so schlimm, wie bei Menschen, die am liebsten schreiend weglaufen möchten, wenn sie jemand anderen kauen hören. Dieses Syndrom nennt sich Misophonie, was aus dem Griechischen übersetzt "Hass auf Geräusche" bedeutet.

Was verursacht Misophonie?

Dabei handelt es sich aber nicht um eine allgemeine Empfindlichkeit auf Geräusche im Allgemeinen, sondern um eine Überempfindlichkeit, was bestimmte Geräusche betrifft. Das kann Schmatzen, Kauen, Schnarchen, Husten, Flüstern oder so Lachen umfassen. Jede Person, die an Misophonie leidet wird von verschiedenen Tönen gereizt. Bis jetzt rätselte die Wissenschaft, was diese Überempfindlichkeit auslöst und warum die Personen dabei so aggressiv und gestresst werden.

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Die Symptome von Misophonie

Interessant ist aber, dass sich das Syndrom in den meisten Fällen auf Geräusche beschränkt, die von anderen Personen verursacht werden. Wenn du also deinem Hund stundenlang beim Schmatzen zuhören kannst, aber deinen Mann bei derselben Tätigkeit am liebsten umbringen würdest, passt das auf jeden Fall in die Kategorie Misophonie. Aber auch Geräusche wie das Ticken einer Uhr zählen dazu.

Alle Symptome von Misophonie auf einen Blick:

  • Stress
  • Panik
  • Nervosität
  • Erhöhter Puls
  • Aggression
  • Angespannte Muskeln
  • Schweißausbruch
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Warum leidet man an Misophonie?

Voll und ganz konnten diese Fragen noch nicht geklärt werden, doch eine aktuelle Studie konnte ein wenig Licht in die Sache bringen. In einer Untersuchung der Uni Newcastle kam heraus, dass bei jenen reizenden Geräuschen Areale des Gehirns aktiviert werden, die sonst für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind. Dies bedeutet, dass das Gehirn auf die Trigger-Sounds überreagiert. Die Personen fangen an zu schwitzen, ihr Blutdruck erhöht sich und aus anfänglicher Aggressivität wird ein Fluchtreflex.

Kann man Misophonie heilen?

Leider ist noch keine Heilung für Misophonie bekannt. Wenn du also das Gefühl hast, an Misophonie zu leiden, dann solltest du mit deinem Umfeld darüber sprechen, welche Geräusche dich im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnig machen und sie bitten, dass sie diese wenn geht vermeiden.

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Wie unterscheidet sich eine Misophonie von einer Phonophobie?

Bei der Phonophobie hat man Angst vor bestimmten Tönen - oder besser gesagt: Man fürchtet sich vor Tönen. Bei der Misophonie hast du keine Angst, wenn du Schmatzen, Niesen oder Husten hörst. Du bist genervt und möchtest die Geräusche vermeiden, aber du fürchtest dich nicht davor.

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