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Mit 64 nackt vor der Kamera: Lucia Nerger

Sie ist 64 und hat sich nackt vor die Kamera gewagt: Lucia Nerger will mit ihrer "Pro Aging“-Kampagne zeigen, dass Schönheit und Erotik nicht vom Alter abhängig sind. Eine mutige Aktion.


Mit 64 nackt vor der Kamera: Lucia Nerger
© Corbis

Knallroter Lippenstift, verführerische Smoky Eyes, hippe Pony-Mähne. Mehr trägt Lucia Nerger, 64, nicht, als sie vor der Kamera posiert. Die deutsche Schauspielerin lässt sich nackt ablichten, so, wie sie sich fühlt: sexy, sinnlich, schön! Auf die Idee brachte sie Isabella Wirth, eine befreundete Fotografin. "Wer nicht alt werden will, muss jung sterben. Also wird es Zeit, die Blickrichtung auf das Alter zu verändern“, sagt Wirth und initiierte deshalb die "Pro Aging“-Kampagne - und Nerger zögerte keine Sekunde, als sie zum Shooting eingeladen wurde. Denn die quirlige Hessin ist stolz auf ihr Äußeres und will das auch gerne präsentieren: "Früher habe ich mir immer eingebildet, ich wäre nicht schön. Heute liebe ich jede Stelle an meinem Körper! Und ich will beweisen, dass man auch mit 64 noch in Form sein kann …“

WOMAN: Wie viel Mut haben Ihnen die Fotos abverlangt?

Nerger: Ehrlich gesagt, als mich die Fotografin gefragt hat, ob ich Lust hätte, solche Bilder zu machen, habe ich sofort zugesagt. Ohne eine Sekunde zu zögern. Ich finde mich schön und freue mich jeden Morgen, wenn ich in den Spiegel schaue. Das will ich auch zeigen. Man kann etwas aus sich machen, wenn man diszipliniert lebt und auf sich achtet.

WOMAN: Und wie hat Ihre Familie auf das außergewöhnliche Shooting reagiert?

Nerger: Mein Mann findet die Bilder wunderschön. Er ist Arzt, der sieht ohnehin jeden Tag nackte Menschen. Und mein Sohn, er ist 45, ist da sehr schlagfertig, er meinte: "Glaubst du, ich habe den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als mir die nackten Fotos meiner Mutter anzusehen?“

WOMAN: Um Ihren Körper werden Sie bestimmt von vielen beneidet. Wie halten Sie sich fit?

Nerger: Mein morgendliches Sportritual dauert eine Stunde. Nach dem Aufstehen verbringe ich 20 Minuten auf dem Stepper, danach trainiere ich meine Brustmuskulatur, Oberarme und Beine. Nach dem Frühstück - einem Joghurt und einem Kaffee - gehe ich mit meinem Hund noch 10 Kilometer laufen. Außerdem lebe ich vegetarisch und esse keine Naschereien. Wenn ich mal Heißhunger auf Süßes habe, gibt’s Obst.

WOMAN: Klingt schwierig …

Nerger: Es ist sehr zeitintensiv. Wenn jemand von in der Früh bis am Abend im Job ist, geht das natürlich nicht. Wichtig ist aber eine gewisse Regelmäßigkeit, auch wenn man nur am Wochenende sportelt.

WOMAN: Ist all das nicht ein irrsinniger Einschnitt in Sachen Lebensqualität?

Nerger: Ganz im Gegenteil! Klar, man muss täglich seinen inneren Schweinehund überwinden, aber dafür fühle ich mich wohl in meiner Haut und bin gesund. Gelegentlich gönne ich mir mit meinem Mann auch ein Glas Wein.

WOMAN: Haben Sie sich schon mal unters Messer gelegt?

Nerger: Ich habe überlegt, Botox zu probieren. Alle Frauen reden davon. Aber dann habe ich ja keine Mimik mehr …

WOMAN: Sehen Sie sich denn in Konkurrenz zu jüngeren Frauen?

Nerger: Nein, wozu? Gelegentlich vergleiche ich mich mit Gleichaltrigen, viele von ihnen beneiden mich um meinen Körper.

WOMAN: Gibt es Stellen, mit denen Sie weniger zufrieden sind?

Nerger: Überhaupt nicht! Mein Körper ist bombastisch! Und mir gefällt es, dass ich noch immer begehrt werde. Aber jungen Lover brauche ich keinen, auch wenn ich Angebote hätte.

WOMAN: Was finden Sie sonst begehrenswert?

Nerger: Ich brauche keinen Mann aus dem Muskelstudio, sondern will intellektuell gefordert sein. Und ich will mich an ihn rankuscheln können.

WOMAN: Wie verändert sich die Begierde im Alter?

Nerger: Die jungen Leute denken immer, dass ältere Menschen keine Bedürfnisse mehr haben. Dabei werden sie immer größer. Ich liebe es intensiv und bin auch noch sehr aktiv. Einmal in der Woche halte ich für normal, bei uns ist es ein bisschen mehr. Diese Leidenschaft sieht man auch auf den Bildern.

WOMAN: Scheint, als wären Sie in puncto Sexualität sehr offen …

Nerger: Wissen Sie, in meinen jetzigen Mann Charly habe ich mich verliebt, da war mein erster Mann bereits sehr krank. Die Leidenschaft zwischen uns war so groß, das konnten wir nicht unterdrücken. Ab 2007 haben wir sogar zu dritt unter einem Dach gewohnt - eine Ménage à trois. Ich habe bei meinem jetzigen Mann geschlafen und den anderen gepflegt. Die Schuldgefühle waren groß, auch wenn mein mittlerweile verstorbener Mann mir freie Fahrt gegeben hat.

WOMAN: Also ist ein Seitensprung erlaubt, wenn einer der Partner nicht mehr will?

Nerger: Das ist eine schwere Frage … Bei uns war alles abgesprochen, mein verstorbener Mann hat es sich auch so gewünscht. Grundsätzlich finde ich aber, dass man nicht einfach davonlaufen kann, nur weil es sexuell nicht mehr klappt. Man muss gemeinsam eine Lösung finden.

WOMAN: Kosten Sie Ihr Liebesleben heute mehr aus?

Nerger: Ja! Das liegt an der Lebenserfahrung. In der Jugend ist man noch unbedarft, jetzt weiß ich, was ich will! Und was mir gefällt.

Redaktion: Melanie Zingl