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"Mitten ins Hirn": Christoph & Lollo über ihr neues Album

Kazuyoshi Funaki war einmal: Auf ihrem achten Album besingen Christoph & Lollo vom Hipster über wütende Emojis bis hin zu Männerproblemen die wirklich schwierigen Fragen unserer Zeit.

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"Mitten ins Hirn": Christoph & Lollo über ihr neues Album
© Ingo Pertramer (Foto)/Pascale Osterwalder (Montage)

Ihre Musik geht nicht mitten ins Herz, sondern mitten ins Hirn. Kein Wunder, dass auch ihr neues Album - es ist inzwischen das achte und ist seit kurzem im Handel erhältlich - so heißt. Schlager-Star Fotomontage am hellrosa Cover inklusive. An den Songtiteln lässt sich aber schnell ablesen, dass Christoph & Lollo immer noch die alten sind. Mit Songtiteln wie „Hipster“, „Schau das doch bei google nach“, „Bettelmafia“ oder „Männerprobleme“ lässt sich auf den ersten Blick erkennen, dass in gewohnter Manier aktuelle Phänomene und gesellschaftliche Zustände einer satirischen Prüfung unterzogen werden.

Starten wir vielleicht gleich mit dem vielversprechenden Titel "Männerprobleme" - dabei handelt es sich um das längste Lied, das Christoph & Lollo jemals auf einem Album hatten - es dauert an die 10 Minuten. Das sagen sie jedenfalls beim Interview mit WOMAN.at. Welche Männerprobleme so ausführlich besungen werden? „Männerprobleme sind die, wo man einfach nicht anders kann. Mann ist Mann und muss Fehler machen. Da hat man auch überhaupt keine Gewalt darüber. Und somit auch keine Verantwortung“, startet Christoph den Versuch einer augenzwinkernden Erklärung. Lollo probiert es mit einem Vergleich: „Früher hat man sich ja über sogenannte 'Frauenprobleme' lustig gemacht, etwa weil sie einmal im Monat komisch drauf sind oder manchmal was anderes essen wollen als Fleisch. Absurde Ideen.“ Aber, es wären nicht Christoph und Lollo, wäre Ihnen bei allem herumwitzeln nicht ganz genau klar, welches höchst aktuelle und brisante Thema sie da aufgreifen. „Es gibt unfassbar viele Vereine von wahnsinnig wehleidigen Männern. Insbesondere die weißen Männer im Westen - das ist die unterdrückteste Minderheit, die es gibt!“ bringt es Lollo satirisch auf den Punkt.

Klassenkampf durch die herrschende Klasse

Aber nicht nur der „unterdrückte weiße Mann“ wird als Sinnbild der aktuellen gesellschaftlichen Verfasstheit herangezogen - etwa auch der Klassenkampf ist ein Thema auf dem neuen Album. Oder besser: Das Ende des Klassenkampfs, das am Schluss des Liedes „Hipster“ ausgerufen wird. Ob es damit im Jahr 2018 wirklich gänzlich vorbei ist? „Das Witzige ist ja: Der Klassenkampf wird in letzter Zeit wiederentdeckt und wiederbelebt. Aber halt von der herrschenden Klasse. Was die Regierung macht, ist ja eindeutig Klassenkampf." Aber: "In dem Lied geht’s im Prinzip um jene Leute, die auf der Verliererseite stehen - politisch und wirtschaftlich - aber das selbst nicht bemerken. Weil: Die haben ja eh schöne Kleidung und und Insignien der Zugehörigkeit zur besseren Gesellschaft. Aber Geld haben sie halt trotzdem keines“, beschreibt Lollo das, was man wohl auch als den unpolitischen Teil des Prekariats bezeichnen könnte.

Christoph und Lollo beim Interview im Café Prückel.

Würden sie heutzutage als Band durchstarten und nicht in den 1990ern - wären Christoph und Lollo Hipster? „Wir möchten uns hier nicht ausnehmen, indem wir behaupten, klüger zu sein. Ich meine - sind wir natürlich, aber…“ so Lollo, Christoph fällt ihm ins Wort und setzt auf Selbsteinschätzung und Ehrlichkeit: „Ich glaube, auch als wir jung waren, hätte die Möglichkeit bestanden sich mit Konsum zu beschäftigen. Was uns aber wirklich zum Hipster-Dasein gefehlt hätte: Dieser Fleiß, die ganze Zeit zu arbeiten!“ Ein Glück, dass sie ihre eigene Arbeit nie als solche oder jedenfalls nicht als eine belastende begreifen. „ Der Vergleich mit anderen Berufen macht einen immer wieder sicher. So oft denke ich darüber nach, wie froh ich bin, das machen zu können, was wir machen“, so Christoph. „Es ist schon ein super Beruf“, sind sich die beiden, die sich erstmals in ihrer Kindheit in Wien Favoriten begegnet sind, einig.

Die Hoffnung nicht verlieren

Seit damals haben die beiden insgesamt acht Alben produziert und zahlreiche Konzerte bzw. Kabarett-Abende bestritten. Und dabei konnten die Fans stets mit ihnen älter werden - oder umgekehrt? Waren es am Anfang noch Matti Hautamäki und Kazuyoshi Funaki, die in unterhaltsamer Weise auf den Bühnen von Innsbruck bis Wien besungen wurden, folgte später mit dem Lied „Seit ich ein Kind hab“ die Hymne für alle, die erstmals feststellen müssen, wie sich das Leben bzw. man selbst sich mit Kindern verändert. Auch das ist wie so vieles bei den beiden aus dem echten Leben gegriffen - und musikalisch verarbeitet. Ob ihre Musik für sie ein Weg ist, die Hoffnung nicht zu verlieren? „Ausgangspunkt ist immer ein Thema, wo wir sagen: Da braucht es ein Lied dazu! Wir könnten natürlich über die Liebe und unsere persönlichen Befindlichkeiten singen. Aber wir machen halt lieber was anderes. Weil wir es besser können und weil es einen Sinn hat.“

Und das machen sie stets mit feiner Klinge: „Humor hat auch die Funktion, dass man mit beunruhigenden und schrecklichen Dingen umgehen kann. Man akzeptiert es ja deshalb nicht. Aber man muss trotzdem irgendwie die Kraft finden um in der Früh aufzustehen - und da hilft Humor schon sehr“, sagt Lollo über Sinn und Zweck ihrer Lieder. Christoph: „Wenn man außerdem das Vorhaben hat, die Gesellschaft durch Singen und Musizieren in ihrem Vorankommen zu unterstützen, dann wäre es absolut falsch den Leuten noch mehr Angst zu machen.“ Und das findet man auch auf dem neuen Album (der Pressetext verspricht keineswegs zu viel): „Manchmal klug und ernst, manchmal spöttisch und ein bisserl blöd, aber immer mit einem Ziel: Die Wirklichkeit durch Satire kenntlich zu machen.“

Mit dem neuen Album gehen die beiden natürlich auch auf Tour und sind in den kommenden Wochen und Monaten in ganz Österreich zu sehen! Alle Termine findet ihr hier.