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Glamour? Ein Tag im Leben eines Models

Heerscharen von Models laufen derzeit auf der Fashionweek in Berlin. Glamour? Kaum. Der Druck? Hoch. Wie der Tag eines Models wirklich aussieht.

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Glamour? Ein Tag im Leben eines Models
© REUTERS/Philippe Wojazer

Sie sind jung, wunderschön. Wie teure Rennpferde, hat einmal eine Freundin gesagt. Models. Mit ihrer Physiognomie Ausnahmeerscheinungen. Schöne Frauen gibt es viele – aber nur wenige Frauen weltweit sind so schmal gebaut, haben so symmetrische Gesichtszüge, dass sie für den Beruf eines Models in Frage kommen. Ein Geschenk der Natur.

Derzeit laufen wieder Heerscharen junger Models über die Laufstege der Fashionweek in Berlin. Mailand, Paris, New York – die berufliche Hochsaison beginnt wieder. Nur wenige dieser dürren Schönheiten wird man wiedersehen - in kaum einer Branche ist die Fluktuation höher. Und der härteste Gegenspieler ist das Alter.

Ein glamouröses Jet-Set-Leben? Nur für jene Handvoll junger Frauen, die sich für ein paar Jahre lang "Supermodel" nennen dürfen. Die Exklusiv-Verträge mit Kosmetik-Herstellern oder Dessous-Fabrikanten haben. Der Rest? Schöne, aber gesichtslose Verbrauchsware der Designer, wenn man es despektierlich ausdrücken will.

Wie also sieht der Alltag eines "normalen" Models aus?

Marine Deeuw arbeitet seit drei Jahren als Model. Entdeckt wurde sie mit 18, danach zog sie vom kleinen Ort Valenciennes im Norden Frankreichs nach Paris. Zusammen mit drei anderen Models bewohnt sie dort ein kleines Apartment, die Mädchen teilen sich auch das Schlafzimmer. "Eine eigene Wohnung in Paris wäre zu teuer. So habe ich zwar keine Privatsphäre – aber immerhin zwei Freundinnen, die mein Leben teilen."

Auf dem Weg in die Agentur. "Ein Taxi kann ich mir nur selten leisten. Heute bin ich ein wenig spät dran, die U-Bahnen in Paris fahren nicht regelmäßig. Also gehe ich auf Nummer Sicher." So ein Modelleben schult einen, ganz widersprüchlich: Einerseits lernt man Disziplin, man muss früh aufstehen, flexibel sein, viel aushalten. Andererseits wird man während eines Shootings rund um die Uhr betreut, alles wird einem abgenommen.

Marine bei der Besprechung mit ihrem Booker. Er verteilt die Aufträge, sagt ihr, worum es bei dem Casting geht. Marine: "Ich weiß dann zwar, wann ich wo sein muss, wer der Kunde ist und das ich als Typ mal prinzipiell zum Konzept des Shooting oder der Show passe – aber ob ich diejenige bin, die wirklich gesucht ist, das entscheidet sich erst vor Ort."

Im Headquarter des libanesischen Designers Zuhair Murad warten Marine und andere Models auf die zwei Minuten Casting, die über den Auftrag entscheiden. Die 21-Jährige: "Das war immer das Krasseste für mich: Egal, wie hart ich arbeite - ich kann nicht beeinflussen, wie gefragt ich bin."

Geschafft! Marina muss nicht nur ihr "Model-Buch" mit Fotos vorlegen, sie darf auch in eines der Couture-Teile schlüpfen. Marine: "Bei den internationalen Modewochen sind sehr junge Mädchen gefragt. Gerade am Anfang war es hart für mich, eine Absage zu kassieren, nur weil ich zum Beispiel braune und nicht blonde Haare habe. Doch ich bin froh, dass ich gelernt habe, das zu akzeptieren. Mit der Zeit wird man selbstsicherer und das hilft einem auch im Alltag."

Das Model gönnt sich eine kurze Pause, ehe sie weiter zum Casting von Valentino muss. "Heute ist ein guter Tag, es gibt viele Castings, die Chance auf einen Job ist höher. An anderen Tagen ist nur wenig los. Ich arbeite dann als Kellnerin, damit ich mir das Leben in Paris leisten kann." Trotzdem: "Viel planen kann ich nicht. Man ist als Model fremdbestimmt, dauernd ändern sich die Umstände."

Dieses Kleid wird Marina bei der Valentino-Show tragen. "Manche dieser Kleider sind mehr wert, als ich im Monat verdiene. Ich habe hohe Ehrfurcht vor der kreativen Leistung der Designer. Ich empfinde es als Ehre, wenn ich diese Teile präsentieren darf."

Vor der Show wird Marines Set-Card neben die anderer Models gepinnt.

Die Ankleiderinnen betrachten noch einmal die Couture-Entwürfe und die Karten der Models. Während der Show wird es hektisch, alles muss schnell gehen. Missverständnisse sind nicht erlaubt.

Das Styling dauert am Längsten. "80% meiner Tätigkeit als Model besteht darin, auf einem Stuhl zu sitzen, während Menschen an meinem Gesicht und meinem Haar herumzupfen. Meine Persönlichkeit zählt dabei nicht. Die Designer wollen eine Projektionsfläche – und die Visagisten-Teams setzen diese Vision an mir als Schminkpuppe um."

Die Show selbst ist schnell vorbei. "Manche Leute denken, dass so ein Defilè lange dauert. Aber das stimmt nicht. Ich bin pro Walk etwa 50 Sekunden auf dem Laufsteg. Und trotzdem ist es ein unglaubliches Gefühl, ins Licht hinein zu laufen und bewundert zu werden."

Freundschaften unter Models bilden sich nur selten. "Wir begegnen einander zu kurz, um wirklich eng zu werden. Dazu ist da natürlich immer ein Konkurrenzgedanken. Was hat sie, was ich nicht habe? Und warum bekommt sie den Job, obwohl ich dafür jeden Tag im Fitnessstudio trainiert habe? Diese Gedanken kann man nicht einfach wegknipsen."

Nach der Show checkt Marine ihre Mails und Social Media-Kanäle. "Heute ist es für Models einfacher als früher, weil es soziale Netzwerke gibt, durch die man sich ganz gut promoten kann. Mittlerweile fragen Kunden sogar, wie viele Follower man hat. Sie wollen lieber "Promis" als "No Names".

Check-In am Flughafen von Paris. In der Nacht geht es noch weiter. Berlin. Mailand. New York. "Das Reisen ist toll. In Wahrheit hat man aber wenig davon. Flughafen, Hotel, Show, Hotel, Flughafen. Nur ganz selten kann man sich mal eine Stadt ansehen."

Thema: Topmodels

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