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Versucht hier ein Schönheitschirurg Mieterinnen loszuwerden?

Vor dem Abgrund: Und auf einmal war in der Mariahilfer Boutique "Modus Vivendi" ein drei Meter tiefes Loch. Tatsächliche Baumaßnahmen oder Schikane von Seiten des neuen Besitzers?


Versucht hier ein Schönheitschirurg Mieterinnen loszuwerden?

Seit bereits 25 Jahren präsentiert die Boutique "Modus Vivendi" Mode abseits von Trends. Statt Schnelllebigkeit setzt man auf Handwerkskunst, hochwertige Materialien und Kleidung, die einen über Jahre begleitet. Aber nun wurde den beiden Besitzerinnen Monika Bacher und Charlotte Jakoubek der Boden unter den Füßen weggezogen - im wahrsten Sinne des Wortes.

Also sie vor ein paar Tagen ihr Geschäft in der Wiener Schadekgasse 4 betraten, war darin auf einmal ein drei Meter tiefes Loch, wo doch eigentlich Kundinnen die Ware begutachten sollen.

Die gesamte Bodenkonstruktion des Geschäftes war herausgerissen worden, ohne Rücksicht auf die Einrichtung und die Ware. Die neue Kollektion nebst Stoffen, Materialien und Strickmaschinen wurde laut den Designerinnen komplett vernichtet, das Türschloss mit Superkleber unbrauchbar gemacht.

Wie man auf der Facebookseite der Betreiberinnen nachlesen kann, ist dies jedoch nicht der einzige Vorfall, der scheinbar verhindern soll, dass der Laden geöffnet bleibt:

Im Vorjahr kaufte Schönheitschirurg Dr. Markus Handle einen größeren Anteil des Hauses, worin Modus Vivendi im Erdgeschoß seit vielen Jahren betrieben wird. Er versuchte deren unbefristeten Mietvertrag wegen Eigenbedarfs zu kündigen, was vor Gericht abgelehnt wurde.

Daraufhin folgte ein Privatgutachten, welches einen holzzerstörenden Pilz im Keller unterhalb des Ateliers und damit akuten Sanierungsbedarf diagnostizierte. Die Fassade wurde eingerüstet und ein Transparent vor dem Atelierfenster aufgehängt. Danach soll es bisher ungeklärte Vorfälle gegeben haben, die eine normale Geschäftstätigkeit in der Boutique unmöglich machten: wie etwa, dass das Geschäft drei Tage keinen Strom hatte. Und vom Keller aus wurden immer größere Löcher in den Fußboden gerissen und so der Parkettboden des Shops zerstört. Die Designerinnen behalfen sich, indem sie Holzplatten über die ständig neuen Löcher legten.

Modus Vivendi

Von Seiten Herrn Dr. Handles gibt es einen baupolizeilichen Bescheid, die Bauaarbeiten im Keller durchzuführen, um das denkmalgeschützte Haus zu sanieren. Darüber hinaus seien den Mieterinnen mehrfach Ersatzlokale angeboten worden beziehungsweise seien sie wiederholt zur Räumung des Geschäftes aufgefordert worden.

Die Designerinnen bestreiten diese Aufforderungen erhalten zu haben und stellen in den Raum, dass für eine Kellersanierung wohl kaum das darüberliegende Geschoß evakuiert und gleich die ganze Ziegeldecke weggerissen und die Stahlträger abgeschnitten werden müssen, wofür auch keine behördliche Genehmigung vorläge. Darüber hinaus sei die Kellerdecke eine Ziegel–Stahlträgerkonstruktion, der wohl ein holzzerstörender Pilz nichts anhaben könne.

Handle soll zuvor den Designerinnen angeboten haben, sie mögen ihr Geschäft freiwillig aufgeben, was die Designerinnen jedoch ablehnten: „Wir sind seit vielen Jahren hier im Grätzl und mittlerweile eine Institution. Wir wollen hier bleiben.". Mittlerweile haben sie eine einstweilige Verfügung bei Gericht beantragt und verlangen, dass der verursachte Schaden ersetzt und der Boden des Geschäftslokales wieder hergestellt wird. Strafrechtliche Schritte wegen Sachbeschädigung gegen den Schönheitschirurgen werden geprüft.

Eine schriftliche Stellungnahme dazu war Herrn Dr. Handle aus terminlichen Gründen leider nicht möglich.

Aktuell ist das Geschäft geschlossen, verkauft wird aber über den Online-Shop sowie über befreundete Shops: Pregenzer Fashion Store sowie Inès Alaya. Darüber hinaus wird zum Solidaritäts-Umtrunk inklusive Shopping-Möglichkeit geladen am Donnerstag, den 6.10. um 17.00 Uhr vor dem Geschäft in der Schadekgasse 4, 1060 Wien.

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