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Mömax setzt sexistische TV-Werbung ab

Nach Beschwerden beim Werberate, hat Mömax eine TV-Werbung abgesetzt. Und das ist auch besser so, sagt die Watchgroup gegen sexistische Werbung.

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Moemax Werbung
© Screenshot (c) moemax.at

"Familie, jetzt muss alles raus!", spricht der Mömax-Vater in einem erst kürzlich zurückgezogenen Werbeclips des Möbelgeschäfts. "Ich bin schwul", sagt der Teenie-Sohn. "Ich war mal ein Mann.", sagt die Mutter. "Ich schlafe mit meinem Lehrer.", sagt das Teenie-Mädchen. Und genau der letzte Satz brachte den TV-Clip zum Fall. Von offizieller Seite heißt es, dass die Werbung nur bis 13. Januar im Fernsehen zu sehen war, berichtet die Presse.

Und nicht nur beim Werberat waren viele Beschwerden eingegangen, sondern auch in sozialen Netzwerken kritisierten die UserInnen den Clip:

Und auch wenn der Werberat zu diesem Thema schweigt, spricht sich die Watchgroup gegen sexistische Werbung ganz klar gehen den Spot aus: "Laut § 212 STGB ist der Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses strafbar – unabhängig davon, ob das Opfer minderjährig ist oder nicht. In diesem Werbespot wird demnach eine Straftat verharmlost und ins Lächerliche gezogen, offensichtlich ist der Spot humoristisch und mit einem Augenzwinkern angelegt. Diese Werbung ist gemäß den Kriterien der österreichischen Watchgroups als sexistisch einzustufen. Aus meiner Sicht als Opferschutzexpertin ist es höchst problematisch, sexuelle Gewalt bzw. den erwähnten Missbrauch zu verharmlosen, bestenfalls als Kavaliersdelikt abzutun." , bezog Ina Mastnak, Leiterin der Watchgroup gegen sexistische Werbung des Grazer Frauenrats und Geschäftsführerin der Beratungsstelle TARA, per Mail Stellung.

Die Kernaussage: Eine sexuelle Beziehung zwischen einem minderjährigen Menschen und einer erwachsenen Autoritätsperson ist ein klarer Fall von Missbrauch. Doch obwohl die Bedenken von Mastnak und allen KritikerInnen absolut einleuchtend scheinen, versucht sich die Möbelfirma per Tweets rauszureden.

Auf den Tweet von Userin Kathrin Brunner, die den Werbeclip als "diskriminierend" bezeichnete, antwortete das Unternehmen: "Werbung ist tatsächlich immer Geschmackssache. Es gibt aber einen Werberat, der dafür zuständig ist diskriminierende Werbung zu untersagen - hier haben keine Beanstandungen stattgefunden. Wenn du möchtest, kannst du dich gerne an die Pressestelle wenden."

Als noch junges Unternehmen " (..) stellen wir mit unserer Werbung klar, anders zu sein." , schrieben sie in einem anderen Tweet. Sie würden aber den Input "gerne als Anlass nehmen um unsere Werbestrategie verbessern zu können."

Der springende Punkt ist, dass man nicht gerade in die "Sexismus-Kiste" greifen muss, nur um eine kreative Werbung auf den Markt zu bringen. Es ist gut, dass Mömax den Clip so schnell zurückgezogen hat und, dass sie versuchen, ihn neu zu synchronisieren. Doch man fragt sich wirklich, ob man die Konsequenzen eines solchen Skripts nicht vorhersehen konnte.

Ich will keine Mutmaßungen anstellen, aber wenn ihnen klar war, was die Konsequenzen sein werden und sie es der Aufmerksamkeit wegen in Kauf genommen haben, dann sagt das etwas über unsere Gesellschaft. Es ist eine Gesellschaft, in der "Sex mit dem Lehrer" ein Gag und als eine Art Kavaliersdelikt gesehen wird.

Typisch Österreichisch sind auch viele Kommentare unter den Artikeln zum Mömax-Clip. Der Tenor: "Ja, mei Mömax hat schon früher schlechte Werbung gehabt." oder "Deshalb schau ich kein TV.". Anstatt, dass man sich einmal richtig aufregt über den Alltagssexismus (so wie es viele Twitter-UserInnen machen), von dem wir täglich umgeben sind, muss man wieder mal relativieren, dass alles eh nicht so schlimm ist. Natürlich hat die Mömax-Werbung nicht den Weltuntergang ausgelöst, aber durchs Duckmaus-Gehabe wird sich einfach nichts in eine positive Richtung verändern.

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