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Der letzte Monat im Job: Endspurt oder sanftes Ausklingen?

In den letzten Wochen hat eine gute Übergabe Vorrang

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Der letzte Monat im Job: Endspurt oder sanftes Ausklingen?

Der letzte Monat im Job: Endspurt oder sanftes Ausklingen?

© APA/APA/dpa/Christin Klose

Es erscheint so verlockend: Einmal der Chefin sagen, was man ihr immer schon sagen wollte - ohne Nachteile zu befürchten. Das geht vielleicht, wenn man gerade im Lotto gewonnen hat. Oder aber, wenn man einen neuen Job sicher hat.

"Natürlich stellt sich jeder vor einem Arbeitsplatzwechsel die Frage, ob man zum Schluss nochmal mit seinem Arbeitgeber so richtig abrechnet", sagt der Saarbrücker Wirtschaftspsychologe Andreas Hemsing. Doch auch, wenn dies nun "angstfrei" möglich sei: Er rät dringend davon ab - aus vielen Gründen.

"Erstens: Man trifft sich im Leben immer wieder", sagt Hemsing. Vor allem dann, wenn man in derselben Branche oder derselben Stadt bleibt. Außerdem kann der neue Arbeitgeber auf die Idee kommen, die ehemalige Führungskraft um eine Einschätzung zu bitten. "Jemand, dem ich alles Mögliche an den Kopf geworfen habe, wird andere Worte über mich finden als der, von dem ich mich vernünftig verabschiedet habe."

Und auch die Vermutung, man brauche eine Abrechnung für die eigene Seelenhygiene, bewahrheitet sich in aller Regel nicht. Solche Negativeffekte schaden eher der eigenen Emotionalität und Motivation.

Wer kündigt, sollte also möglichst alles daran setzen, im Guten auseinanderzugehen. Dazu zählt auch, dass man weiterarbeitet wie bisher. Sprich: Nicht auf einmal übermäßig engagiert sein, um auf die letzten Tage das zu erledigen, was man in den Jahren zuvor nicht geschafft hat - sich aber auch nicht auf die faule Haut zu legen, weil man ja ohnehin keine Sanktionen mehr zu befürchten hat.

"Eine wichtige Regel ist, dass man keine große Varianz zum vorherigen Verhalten aufweist", sagt die Hamburger Karriereberaterin Ragnhild Struss. Nicht selten erhalten Beschäftigte ihr Arbeitszeugnis auch erst zum Ende des Vertragsverhältnisses. Da können die letzten Wochen das Zünglein an der Waage sein.

Nicht zuletzt schadet man auch sich selbst, wenn man die letzten Monate allzu entspannt angeht: So eignet man sich schlechte Angewohnheiten an, die man möglicherweise hinterher nicht wieder loswird.

"Wenn ich die Zügel auf einmal schleifen lasse, gerate ich selbst in ein Leistungstief, das mit dem Einstieg beim neuen Arbeitgeber nicht automatisch wegfällt. Das strahle ich dann auch aus", sagt Andreas Hemsing. Besser sei es, die eigene innere Drehzahl aufrechtzuerhalten und sie mit in den nächsten Job zu nehmen.

Bei der Frage nach der richtigen Balance hält Struss Priorisieren für wichtig. Oberste Priorität habe eine "saubere Übergabe des eigenen Aufgabenbereichs und Wissens an den Nachfolger." Dazu gehört es, Wissen wie Abläufe, Zugangsdaten oder etwa Besonderheiten in einer Art Reader schriftlich festzuhalten. Dort kann bei Bedarf dann jeder die Informationen einsehen.

Dass man eigene Erkenntnisse und Informationen bewusst zurückhält, weil man lieber große Fußstapfen hinterlassen möchte - das hält Ragnhild Struss für eine "unreife Reaktion". Schließlich sollte man schon während des Arbeitsverhältnisses sein Wissen mit anderen teilen und kollektiv zusammenarbeiten. "Silo- und Hoheitsdenken zahlen sich beruflich nie aus."

Selbst im letzten Gespräch mit dem ehemaligen Arbeitgeber zählt Respekt. "Ganz gleich, was die Gründe für den Weggang sind", so Unternehmensberater Hemsing: "Wenn Sie gefragt werden, warum Sie gehen, sollten Sie den Wechsel immer mit der interessanten neuen Aufgabe begründen statt mit den negativen Seiten der alten Stelle."