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Was kostet deine Welt? Eine Shop-Besitzerin spricht übers Geld

In unserem Money-Talk reden wir offen übers Geld. Dieses Mal mit Martina Brückl. Sie ist 51 und betreibt einen Secondhandladen in Wien.

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Martina Brückl Zweitkleid7
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" – das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt trägt diese Verschwiegenheit in Sachen Einkommen dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen, über Geld sollten wir dringend sprechen! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen nach ihrer finanziellen Situation.Im aktuellen Teil unseres Finanz-Serie spricht die Besitzerin eines 2nd Hand Shops, 51, mit uns offen über ihre Einnahmen und wie viel sie monatlich ausgibt.

WOMAN: Was genau arbeitest du?

Brückl: Ich betreibe einen kleinen Secondhandladen in der Hermanngasse im 7. Bezirk: "Zweitkleid7 Second Hand". Außerdem habe ich im Jänner 2021 ein Upcycling-Label namens "nuamoi – aus alt wird neu" gegründet. Aus alten Jeans, Kleidung und Stoffen, die seit Ewigkeiten irgendwo herumliegen nähe ich Patchworkpolster, Taschen, Utensilios, Bauchtaschen und vieles mehr.

Wie kann man sich einen normalen Arbeitstag von dir vorstellen?

Kommt auf den Tag an. Montags habe ich geschlossen, da wird geputzt und genäht. Während der Öffnungszeiten bin ich, da ich keine Angestellten habe, Mädchen für alles: Ich dekoriere, verkaufe, kümmere mich um die Buchhaltung, mache Warenannahme, bereite die Sachen für den Verkauf vor, halte das Geschäft in Ordnung, betreue meine KundInnen. Und dazwischen (manchmal auch davor oder danach) nähe ich.

Welche Ausbildung(en) hast du gemacht?

Ich bin gelernte Industrieschneiderin. 1993 bin ich in den textilen Einzelhandel gewechselt, dazwischen habe ich Studienberechtigungsprüfung gemacht und auf der Pädak Lehramt studiert. Dem Einzelhandel war ich aber immer treu. Während des Studiums geringfügig, und bevor ich mich 2014 mit Zweitkleid7 selbständig gemacht habe, war ich Storemanagerin in einem großen Textilhandelsunternehmen, wo ich zu Spitzenzeiten bis zu 100 MitarbeiterInnen hatte. Als Lehrerin habe ich nie gearbeitet.

Welchen Stellenwert nimmt dein Job in deinem Leben ein?

Mein Beruf ist mein Hobby. Alles, was ich mag, macht meinen Job aus: Interaktion mit Menschen, nachhaltige Kleidung/Textilien, Wiederverwertung, Shopping und Nähen.

Wie wichtig ist dir Geld?

Nicht mehr so wichtig, als zu der Zeit als ich angestellt war.
Ich schaue drauf, dass ich immer ein bisschen mehr habe, als ich brauche. Oder etwas weniger brauche, als ich habe. Ich muss aber zugeben, dass sich mein Lebensstil seit Beginn meiner Selbständigkeit sehr gewandelt hat und ich mittlerweile mit sehr viel weniger Geld auskomme als früher.

Hat dich Corona beruflich und finanzielle getroffen? Wenn ja, inwiefern? 

Ja sehr. Seit dem ersten Lockdown war mein Geschäft gefühlt mehr geschlossen als offen (tatsächlich waren es 20 Wochen zwischen März 2020 und Mai 2021) und die Umsätze/Einkünfte somit sehr bescheiden. Aber aus diesem erzwungenen Stillstand ist "nuamoi" entstanden. Ich wollte einfach nicht mehr untätig herumsitzen und warten. So gesehen hatte das Ganze auch was Gutes!

Wie viel verdienst du?

Aktuell bleibt nach Abzug der betrieblichen Fixkosten für mich privat nichts übrig. 2020 war inklusive aller staatlichen Hilfen und einem Überbrückungskredit sozusagen eine Nullnummer. Ich mache jedes Jahr einen Budgetplan mit den Vorjahreszahlen und rechne eine 5- 10%ige Umsatzsteigerung aus. 2021 ist momentan eher schlechter als besser, da liege ich weit hinter diesen Vorgaben, aber ich hoffe auf einen guten Herbst.

Wie zufrieden bist du mit deinem Gehalt?

Zur Zeit lebe ich vom Härtefallfonds, das ist die staatliche Hilfe, zur Deckung der privaten Kosten. Aber das geht sich gut aus, da ich sehr geringe private Fixkosten habe.

Wie hoch sind deine privaten Fixausgaben?

Circa 600 Euro. Ich habe eine 33m2 Gemeindewohnung. Die ist natürlich günstiger als eine Wohnung am freien Markt.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja, warum und wie viel gibst du monatlich dafür aus?

Ich habe eine Erlebensversicherung, die zu Pensionsantritt ausbezahlt wird. Das sind 112 Euro im Monat.

Wofür gibst du gerne und am meisten Geld aus?

Ich lebe sehr sparsam, aber beim Hund schaue ich nicht aufs Geld.

Sparst du Geld? Und wie legst du es an?

Zur Zeit ist das nicht wirklich möglich. Wenn etwas übrig bleibt, lasse ich es am Konto falls unvorhergesehene Ausgaben auf mich zukommen.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?

Leider kaum etwas. Maximal 100 bis 200 Euro.

Was würdest du gerne haben, kannst es dir aber leider nicht leisten?

Drei Backenzahn-Implantate. Die müssen warten, bis die Zeiten wieder besser werden

Wie gut kannst du mit Geld umgehen? Und wie behältst du deine Finanzen im Blick?

Mittlerweile sehr gut. Das konnte ich nicht, als ich noch angestellt war und - im Vergleich zu jetzt – sehr gut verdient habe.
Ich kenne meine Finanzen sehr gut, weiß genau was ich auf meinen Konten habe und führe (beruflich sowieso und auch privat) akribisch Buch. Ohne das wäre ich wahrscheinlich schon am AMS.

Weißt du, wie viel KollegInnen in der Branche verdienen?

Nein, nicht wirklich. Aber zufrieden ist momentan glaube ich niemand.

Sprichst du mit deinem Freundeskreis über deine Finanzen)

Ja, ich bin da ganz offen.