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Kaputtgekuschelt!

Eine wirklich große Liebe kann zerstörerisch sein. Und welche Liebe ist inniger als die erste - die zu unserem Kuscheltier? Der Fotograf Mark Nixon zeigt in seinem Fotoband "Much Loved" die Folgen.

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Kaputtgekuschelt!

32 Zentimeter große Liebe: Der rosa Teddy von Aisling Hurley

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Es wird gedrückt, wenn man traurig ist, angerotzt, wenn man weint, seine Hände werden zum Trost in den Mund gesteckt. Irgendwann müffeln sie, fehlt ein Auge, ist die Nase abgewetzt, der Arm nur noch ein Stumpf, aus dem die Watte quillt.

Kuscheltiere. Wenn wir klein sind: Unser Retter. Unser Tröster. Unser ständiger Begleiter. Unsere erste große Liebe. Irgendwann sieht man es ihnen an. Sie sind bis zur Unkenntlichkeit gekuschelt. Sie wurden einfach kaputtgeliebt.

Der Fotograf Mark Nixon, einer der besten Fotografen Irlands und spezialisiert auf Porträts von Stars und Politikern, widmet sich in seinem wunderbaren Bildband "Much Loved" (11,95 Euro, Verlag: Abrams & Chronicle Books ) den abgeliebten Kuscheltieren. Wir plauderten mit ihm über die innige Beziehung zum Stofftier – und zeigen einige der rührenden Aufnahmen.

1

"Peter Rabbit" von Calum Nixon. Auf den ersten Blick sieht "Peter Rabbit", der Hase von Mark Nixons Sohn Calum, noch ganz ordentlich aus. Auf den zweiten Blick erkennt man die Gebrauchsspuren, die Flecken, die abgewetzten Stellen. "Peter Rabbit" war der Ideengeber für Fotograf Nixon: "Er ist seit zehn Jahren bei uns im Haus, Calum hat ihn zur Geburt bekommen. Die Art, wie Calum den Hasen gequetscht hat, wenn er aufgeregt war, wie er "Rabbits" Nase gezwirbelt hat, wenn er sich beruhigen wollte – er hat ihn gebraucht und ist jede Nacht mit ihm ins Bett. Calum liebt "Rabbit" über alles." Selbst jetzt noch, wo langsam Skateboards und Playstation in Calums Leben immer wichtiger werden.

2

"Ear Open " von Maeve Whelan. Sein Gesicht, sein Fell – die Irin Mae hat ihren Teddy "Open Ear" bis auf sein "Skelett", ein Netzhemd und etwas Schaumstoff, abgeliebt. "Ich erhielt ihn 1981, ehe meine Eltern nach Luxemburg zogen," so Maeve. "Ich habe ihn immer an den Ohren hinter mir hergezogen, deshalb sind da diese Löcher. Er hat mich in jeder Phase meines Lebens begleitet. Dieser Kerl ist wirklich treu."

3

"Panda" von Mark Nixon. "ich habe gar keine großen Momente mit "Panda" in Erinnerung," so Nixon. "Es ist eher die Tatsache, dass er immer da war, wenn ich ihn brauchte." In dem Bildband "Much Loved" zeigt Nixon die Kuscheltiere aus drei Generationen seiner Familie: "Panda", den Bären seines Sohnes Calum und jenen seines Vaters. Nixon: "All diese Bären wurden von meiner Oma gekauft. Sie wusste wohl genau, welches Kuscheltier von welchem Kind am meisten geliebt werden wird. Sie hatte definitiv ein Händchen für Bären."

4

"Pink Teddy" von Aisling Hurley. Seine 24 Jahre sieht man "Pink Teddy" nicht an. Der Arme wird meistens älter geschätzt. Am ersten Weihnachtstag 1988 kam er zu seiner Besitzerin Aisling Hurley, schlief jede Nacht in ihrem Bett und begleitete sie sogar aufs College. Dort wiederfuhr "Pink Teddy" Grausames: In einer Partynacht wurde er Glied für Glied zerlegt, wie Hurley in "Much Loved" erzählt: "Als ich es bemerkte, war ich in Tränen aufgelöst." Zum Glück konnte ihre Großtante Rosaleen den Teddy wieder stopfen.

5

"Greg's Bear" von Bono Vox. Dieser einohrige Kuschelbär gehört U2-Sänger Bono Vox und seiner Frau Ali Hewson. Ali Hewson erzählt in dem Buch: "Der Bär ist eine Erinnerung an unseren Freund Greg Carroll, der mit nur 26 Jahren 1986 bei einem Motorradunfall verunglückte. Er war ein Maori – und bei seinem "Tangi" (dem Beerdigungsritual der Maori) übergab uns ein Freund seinen Teddybären. Seitdem haben Bono und ich ihn immer bei uns." Mark Nixon: "Es war gar nicht so einfach, diesen Bär vor die Kamera zu kriegen. Es hat fast einenhalb Jahre gedauert. Normalerweise läuft man Bono in Dublin immer irgendwo vor die Füße – aber wenn man ihn braucht, ist es verdammt schwierig. Als ich ihn endlich erwischt habe, waren er und Ali bei dem Projekt aber wunderbar hilfsbereit." Ein anderer Promi-Bär in dem Buch gehört Komiker Rowan Atkinson.

6

"Ted" von Tom O' Connor. "Ted" wurde von meiner Schwiegermutter genäht und war das Kuscheltier meines Mannes Tom," erzählt Sinead Keogh in dem Buch "Much Loved". "Als unser gemeinsamer Sohn geboren wurde, legte Tom seinen "Ted" zu unserem Baby ins Bettchen. Ich war gar nicht einverstanden – all die Bakterien! – und verbannte den Bären auf ein Regal. Aber unser Sohn hat sich in "Ted" verliebt. Und so fand er seinen Weg zurück ins Bett."

7

"Big Teddy" von Mairead Harrington. "Big Teddy" heißt so, weil er größer als seine Besitzerin Mairead war, als sie ihn geschenkt bekam. Im Laufe der Zeit musste er einiges mitmachen – unter anderem ein Wettrennen durch den Park.

8

"Teddy Tingley" von Nicky Griffin. Irgendwie ein wenig traurig sieht er auf diesem Bild aus, der "Teddy Tingley". Nicky hat ihn von seinem älteren Bruder weitergeschenkt bekommen. Gerade weil er so klein ist, hat er seinen Besitzer sogar in der Schultasche begleitet. Nixon, der sonst Musiker vor die Kamera bittet: "Ich weiße, es hört sich ein wenig sonderbar an. Aber ich hatte während des Shootings das Gefühl, dass die Kuscheltiere mit mir kommunizieren. Manche Sessions dauerten länger, bei anderen reichten drei Aufnahmen und es war perfekt. Auch wenn es keine Menschen sind – die Kuscheltiere sind irgendwie lebendig."

"Much Loved", 65 Kuscheltiere und ihre Geschichte. Erschienen bei Abrams & Chronicle Books.
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