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Warum bin ich so müde?

Erschöpft schon in der Früh, gerädert durch den Tag: Viele sind ständig schläfrig und erholen sich auch in der Nacht nicht. Wir kennen die häufigsten Gründe dafür und wissen, wie man zu neuer Energie kommt.

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Frau, müde
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Der Wecker klingelt schon wieder, und nach dem dritten Mal Snoozen gibst du endlich nach. Winzige Augen, die sich kaum öffnen lassen, suchen in der Dunkelheit nach dem Lichtschalter. Und auch, wenn es im Laufe des Tages etwas besser wird, vor Energie gestrotzt hast du schon lange nicht mehr. Du findest dich hier wieder? Dann gehörst du zu den Dauermüden. Gründe für ständige Müdigkeit gibt es viele. Ganz oben auf der Liste: zu wenig Schlaf. Da hilft nichts anderes, als sich an der Nase zu nehmen und früher ins Bett zu gehen. Doch viele Menschen leiten die Nachtruhe zeitig ein, schlafen ausreichend und kommen trotzdem morgens kaum in die Gänge. Wieso ist das so? "Gerade bei Frauen ist oft ein Eisenmangel schuld", weiß Allgemeinmedizinerin Dr. Doris Gapp vom Ordinationszentrum Woman & Health. Tatsächlich ist jede fünfte Frau betroffen. Vor allem Schwangere sowie Frauen mit starker Menstruation verlieren überdurchschnittlich viel Blut und somit auch höhere Mengen an Eisen. Doch auch andere Beschwerden wie der klassische Herbstblues, ein niedriger Blutdruck, Unverträglichkeiten und eine Schilddrüsenunterfunktion sind häufige Auslöser ständiger Erschöpfungszustände. Gerade weil es so viele mögliche Gründe für Müdigkeit gibt, sollten Betroffene ihre Symptome unbedingt mit dem Hausarzt besprechen.

Herbstblues durch Lichtmangel

Die Ursache. Die Tage werden kürzer und dunkler, darauf reagiert der Körper: "Wenig Licht signalisiert Winter und wir wechseln in den Energiesparmodus", erklärt Gapp. Je weniger Licht wir bekommen, desto weniger schütten wir das Glückshormon Serotonin aus. Auch der Vitamin-D-Vorrat wird knapp. Gleichzeitig steigt der Spiegel des Schlafhormons Melatonin, dessen Produktion durch die Dunkelheit getriggert wird. Die Folge: Müdigkeit, die oft mit depressiver Verstimmung einhergeht.

Was man dagegen tun kann. Gehe raus! Spaziergänge an der frischen Luft kurbeln den Kreislauf an und heben die Stimmung. Außerdem kannst du den Mangel leicht beheben, indem du ihn mit künstlichem Licht ausgleichst. Eine Tageslichtlampe manipuliert die innere Uhr im Gehirn. Täglich morgens 20 bis 30 Minuten Lichttherapie halten munter und sorgen für ein sonniges Gemüt.

Eisenmangel und Blutarmut

Die Ursache. Eisen hilft bei der Blutbildung und dem Sauerstofftransport in die Zellen. Haben wir zu wenig von dem Spurenelement, kann der Körper wichtige Funktionen nicht mehr so gut ausführen.

Was man dagegen tut. Wir benötigen täglich 2 Milligramm Eisen. Lebensmittel mit hohem Eisengehalt: 100 g Leber enthalten bis zu 30, Weizenkleie 16 Milligramm. Auch Kürbiskerne und Hülsenfrüchte sind gute Quellen. Höhere Defizite kann Ernährung allein nicht ausgleichen. Das Problem: Nur einen Bruchteil des enthaltenen Eisens kann der Darm tatsächlich absorbieren. "Das Gleiche gilt übrigens für Eisentabletten", erklärt Dr. Gapp. Bei schwerem Mangel oder Blutarmut empfiehlt sie deshalb eine Eiseninfusionstherapie, bei der das Spurenelement direkt ins Blut gelangt. Alle Infos zu Eisenmangel und Behandlungsmöglichkeiten in Österreich findest du auf der Website eisencheck.at

Niedriger Blutdruck (Hypotonie)

Die Ursache. Wenn der Blutdruck niedrig ist, gelangen weniger Blut und Sauerstoff in die Organe. Betroffene sind oft blass, ihnen wird leicht schwindelig oder schwarz vor Augen. Außerdem frieren sie schnell und leiden häufig an Kopfschmerzen und Müdigkeit. Ab 95 zu 65 spricht man von niedrigen Blutdruckwerten. Ob du betroffen bist, lässt sich leicht mit einem Messgerät zu Hause oder beim Hausarzt feststellen.

Was man dagegen tun kann. Das Zauberwort lautet Bewegung. Denn die kurbelt den Kreislauf an und lässt den Blutdruck steigen. "Baue drei Sporteinheiten pro Woche ein, am besten Workouts, die die Ausdauer trainieren", rät Gapp. Um morgens schneller wach zu werden, fahre ein paar Minuten Fahrrad im Liegen oder mache einen Kopfstand: Dadurch wird das Gehirn optimal durchblutet. Kalt-warmes Abduschen und viel trinken aktivieren die Durchblutung zusätzlich.

Dusche, Frau

Unverträglichkeiten und Allergien

Die Ursache. Was wir essen, hat großen Einfluss darauf, wie aktiv wir sind. "Wenn Lebensmittel auf dem Teller landen, die man nicht verträgt, hält der Körper das zwar aus, aber es ist sehr anstrengend und macht müde", erklärt die Expertin. Ob Laktoseintoleranz, Zöliakie, Lebensmittel- oder Pollenallergien - wenn der Organismus dagegen ankämpfen muss, kostet das viel Energie und erschöpft auf Dauer.

Was man dagegen tun kann. Beobachte dein Essverhalten: Ist ein Muster erkennbar? Bist du müder an Tagen, an denen du z. B. viele Weizenprodukte gegessen hast? Dann könnte eine Zöliakie dahinterstecken. Ein Test im Allergiezentrum klärt, welche Dinge man meiden sollte. Pollenallergiker sehen auf der Website des österreichischen Pollenwarndienstes (pollenwarndienst.at) genau, an welchen Tagen die Luft besonders belastet ist.

Schilddrüsenunterfunktion

Die Ursache. Die Schilddrüse ist ein Organ, das Hormone produziert, die wichtige Funkionen im Körper, wie z. B. Temperatur, Wasserhaushalt und Sauerstoffverbrauch, regulieren. Bildet die Drüse zu wenig Hormone, kommt es zur Unterfunktion. Die kann genetisch bedingt sein oder sie wird durch andere Faktoren wie z. B. Stress oder Selenmangel ausgelöst. Die Folge: Die Verdauung verlangsamt sich und man leidet häufig unter Verstopfung und Gewichtszunahme. Außerdem kann der gestörte Hormonhaushalt zu Zyklusstörungen, schnellem Frieren, Vergesslichkeit, depressiver Verstimmung und eben grundloser Müdigkeit führen.

Was man dagegen tun kann. "Bei Verdacht vereinbare unbedingt einen Termin beim Hausarzt, denn für eine Diagnose muss ein Bluttest gemacht werden", betont die Expertin. Bei starkem Hormonmangel ist eine medikamentöse Therapie notwendig.