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Sind wir nicht alle ein bisschen #TeamMom?

Sobald man ein Kind hat, kommt man unweigerlich mit anderen Mamas in Kontakt. Trotzdem spielen Mütter nicht immer im selben Team, meint Bloggerin Sue.

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Sind wir nicht alle ein bisschen #TeamMom?
© Instagram/Mothers_Daughters

Sobald man ein Kind hat, kommt man unweigerlich auch mit anderen Mamas in Kontakt. Ob im Geburtsvorbereitungskurs, bei der Babymassage oder am Spielplatz – plötzlich sind da ein Haufen anderer Frauen, die in derselben Situation sind wie man selbst. Grundsätzlich ist das natürlich toll, schließlich ist man jetzt im selben Boot und kennt die Probleme der Mama genau, die sich gerade neben dir verstohlen die Babykotze aus dem Ausschnitt wischt.

»Nicht jede Mutter ist auch gleich deine neue BFF«

Auf der anderen Seite ist das nur leider kein Garant dafür, jeder anderen Mama am Spielplatz sofort als BFF um den Hals zu fallen. Klar ist man irgendwie in derselben Situation – aber ist man das nicht auch, wenn gerade beide an der Wursttheke 15dag Extrawurst kaufen? Irgendwie logisch, dass man sich nicht allein aufgrund der Tatsache, dass beide ein Kind haben, supergut versteht – ich persönlich musste das allerdings in meiner Baby-Naivität erst auf die harte Tour lernen.

Als ich nach den ersten Wochen mit Noah endlich die Gelegenheit hatte, mich mit anderen Mamas auszutauschen, schüttete ich ihnen sofort mein Herz über alle meine Probleme und Sorgen aus – und wurde von vielen mit verständnislosen Blicken bedacht. „Ja dann muss er halt lernen, allein im Beistellbettchen einzuschlafen, das klappt bei meiner Maus ganz toll!“ „Wie, du wärst am liebsten mal eine Stunde ohne Kind? Das ist doch das Schönste auf Erden!“ „Ach, Fläschchen gibst du ihm? Nicht stillen?“

Plötzlich war ich mit einer Art von persönlicher Kritik konfrontiert, die ich so bisher nicht gekannt hatte. Ganz herablassend wurde da oft das Hipp-Gläschen beäugt, das ich nicht im Dampfgarer aus selbst angebauten Biokarotten gekocht hatte, und verständnislos der Kopf geschüttelt, wenn mein Kind zum ersten Geburtstag ein Stückchen nicht vegane, absolut nicht zuckerfreie Schokotorte essen durfte.

Oft hatte ich das Gefühl, dass in jedem noch so zuckersüß vorgetragenen Satz eine subtile Kritik versteckt war: „Ah, du hast noch den Fellsack! Ja, also meinem Schatz wäre das ja jetzt schon viiiiel zu heiß!“. Sicher interpretierte ich oft auch einen missbilligenden Ton in Aussagen hinein, die gar nicht so gemeint waren, aber sehr bald nervten mich diese ganzen selbsternannten Profi-Mamas mit ihren unumstößlichen Wahrheiten ganz kolossal. Die Lederpatschen falsch gegerbt, die Babyreiswaffeln zu viel Zucker, der Kinderwagengriff enthält Weichmacher – grundsätzlich war irgendwie alles, was ich tat, offenbar ganz, ganz schlecht für mein Kind. Was, und nach einem Jahr arbeiten gehst du auch schon wieder – na gute Nacht, da ist Noah ja sowieso schon ein Fall für den Baby-Psychologen!

Kritik statt Solidarität: Warum halten Mütter nicht mehr zusammen?

Bis heute verstehe ich nicht, warum wir Mamas nicht ein bisschen mehr zusammenhalten. Gern beschweren wir uns, dass wir als Frauen benachteiligt werden, aber ganz ehrlich – oft genug machen wir uns untereinander das Leben viel schwerer! Die kränkendsten Kommentare und herablassendsten Blicke in puncto Kindererziehung habe ich nämlich niemals von Männern, sondern nur von anderen Mamas erlebt, die eigentlich genau wissen müssten, wie schwierig das alles einfach manchmal ist.

Der Vorteil an der Sache ist, dass die wahren Mama-Freundinnen, die man in den Geburtsvorbereitungskursen und Babyschwimmkursen dieser Welt findet, dazwischen wie ein wahres Goldstück hervorleuchten. Plötzlich hat man da jemand Verbündeten, der vielleicht auch einen harten Tag mit den Kleinen hatte und es versteht, wenn man sie heute Morgen am liebsten der Bäckereifachangestellten vererbt hätte. Eine wahre Freundin ist die, die nicht blöd redet, wenn das Kind mal statt dem Biobrei einen Fruchtzwerg bekommt, sondern für die Mamas gleich noch die Familienpackung Eis dazu aus dem Tiefkühler holt.

Wir Mamas sollten nicht ständig versuchen, uns zu übertrumpfen und anderen ein schlechtes Gewissen einreden, nur damit wir selber besser dastehen. Wir sollten zusammenhalten, Verständnis aufbringen, auch mal die eigene Meinung runterschlucken und stattdessen ein paar aufmunternde Worte oder auch nur kommentarlos eine Tasse starken Kaffee schenken – denn genau das würden wir uns selbst in manchen Situationen wünschen. Wir spielen alle im selben Team – vielleicht lasse ich einfach in naher Zukunft ein paar #TeamMom -T-Shirts dafür drucken!

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf Facebook/HandaufsHerzblog.

Thema: Eltern

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