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Mütter: "Was wir uns für unsere Töchter wünschen"

Am 11. Mai ist Muttertag. Fotografen porträtierten Mütter und ihre Töchter in aller Welt. Und fragten die Mütter nach den Zukunftswünschen für ihre Töchter.

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Mütter: "Was wir uns für unsere Töchter wünschen"

Mali: Oumou Ndiaye (30) wünscht sich für ihre Tochter Aissata (9), dass sie einen Mann aus dem gleichen Stamm heiratet

© Reuters/Joe Penney

Was wünschen wir uns für unsere Töchter? Dass sie eine gute Ausbildung haben, dass sie einen liebevollen Partner finden, dass sie glücklich und gesund bleiben. Anlässlich des Muttertages am 11. Mai schickte die Fotoagentur Reuters seine Fotografen zu Müttern in verschiedenen Länder der Erde – von Kuba bis Guatemala, von China bis Indien.

Welche Pläne haben sie für ihre Töchter? Was wollten sie selbst aus ihrem Leben machen, als sie so alt waren wie diese? Und wo sehen sich die jungen Mädchen, wenn sie das heutige Alter ihrer Mutter erreicht haben? Heraus kam eine Foto-Reportage über das Leben von Frauen in aller Welt.

BOLIVIEN: Lucia Mayta ist 43 Jahre alt, ihre jüngste Tochter Luz Cecilia 12. Lucia hat die Schule bis zur vierten Volksschulklasse besucht, kann ein wenig schreiben und beherrscht gerade die Grundrechenarten. In La Paz betreibt sie einen kleinen Laden, die vierköpfige Familie schläft im Raum hinter dem Geschäftslokal. Irgendwann möchte Lucia ein eigenes Wohnhaus besitzen. Deshalb wünscht sie sich, dass ihre kleine Tochter die Schule fertig macht und die Familie finanziell unterstützen kann. Luz hat andere Pläne für ihr Leben. Die 12-Jährige will unbedingt Sängerin werden.

JAPAN: Manami Miyazaki (r.) lebt als Hausfrau in Toru Hanai. Sie hat nie studiert, sondern nach dem Schulabschluss mit 20 Jahren kurz in einem Büro gearbeitet. "Für meine Tochter Nanaha wünsche ich mir, dass sie einen liebevollen Ehemann findet und eine glückliche Beziehung mit ihm führt. Und dass sie einen Beruf ausüben kann, in dem sie ihre Talente nutzen kann." Wie etwa die Musik – die 13-Jährige spielt Saxophon und will in ein Orchester aufgenommen werden.

NEPAL: Vipassna, 12, posiert neben ihrer Mutter, der Volksschullehrerin Mohanna Khanal (35), in der Familienküche in Kathmandu. Als ihre Mutter ein Kind war, wollte sie unbedingt Stewardess werden, die Welt kennenlernen. Die Träume ihrer Tochter unterscheiden sich davon nur leicht: Vipassna möchte in einem Reisebüro arbeiten und Touristen die Schönheiten Nepals nahebringen.

PAKISTAN: Die Familie von Tadjroshan lebt in den Slums im Umfeld von Islamabad. Die 40-Jährige hat zwei Jahre lang die Schule besucht. Lang genug, um den Koran lesen zu lernen, meint Tadjroshan. Nun lehrt sich Mädchen in den umliegenden Häusern die Grundzüge des Lesens. Ihre Tochter Ayman, 12, soll es einmal besser haben. Die Kleine würde gerne studieren, die Familie spart, um ihr diesen Wunsch zu finanzieren.

ENGLAND: Claire Coyne, 43-jährige Bankangestellte aus Shepshed, drückt ihre Tochter Ella an sich. "Mir ist ganz egal, für welche Ausbildung sie sich entscheidet. Hauptsache, Elle wird glücklich." 10-Jährige hat schon eine Idee, wie das klappen könnte: "Ich möchte Tanzlehrerin werden."

KUBA: "Ich wollte immer Ärztin werden," sagt Damaris Matos Curbelo. "Aber die Ausbildung war zu teuer und zu langwierig." Heute arbeitet sie in einem Büro im Zentrum Havannas. Ginge es nach ihr, dann sollte ihre Tochter Ana Laura auf jeden Fall Medizin studieren. "Man hilft anderen Menschen und der Verdienst ist gut!" Ana Laura verdreht die Augen: "Ich werde Biologie studieren, Mama. Das ist nicht so weit entfernt."

NIGERIA: Adetola Ibitoye, 39, hat sich in Lagos ihren Lebenstraum erfüllt: "Ich liebe Mode, jetzt arbeite ich als Fashion Designerin und habe ein eigenes Geschäft." Für ihre Tochter wünscht sie sich, dass diese ebenfalls ihre Träume verwirklichen kann – wie auch immer diese aussehen mögen. Die 9-jährige Iteoluwa hat da bereits klare Vorstellungen: "Ich will Lehrerin an einer Universität werden."

AUSTRALIEN: Kylie Glass, 40, hat mit 17 Jahren die Schule abgeschlossen und arbeitet seitdem als Kindergartentante. "Ich habe meine Jobwahl nie bereut, wollte schon immer mit Kindern arbeiten." Abby ist noch nicht sicher, was sie aus ihrem Leben machen will: "Vielleicht werde ich Spurensucherin bei der Polizei, das finde ich spannend. Oder ich mache etwas völlig anderes. Friseurin wäre auch toll." Den Segen ihrer Mutter hat die 12-Jährige: "Es ist nur wichtig, dass sie Spaß an dem hat, was sie macht."

RUMÄNIEN: Niculina Fieraru ist seit drei Jahren arbeitslos und zieht alleine zwei Kinder groß. Ginge es nach ihr, dann wird aus Tochter Flori Gabriela, 13, eine Näherin. Das Mädchen hat da andere Pläne. Sie will Pop-Star werden. Außerdem möchte sie die High School besuchen – die jedoch 23 Kilometer von ihrem Heimatdorf Gura Sutii entfernt liegt. Die tägliche Fahrt wäre für ihre Familie nicht finanzierbar – eine rumänische NGO ist in die Bresche gesprungen, um dem Kind die Ausbildung zu ermöglichen.

GUATEMALA: Alicia Chiquin, 43, hat niemals eine Schule besucht. Sie musste bereits als junges Mädchen auf dem Land mitarbeiten, um die Familie zu finanzieren. Ihre Tochter Fidelina lebt dasselbe Schicksal: Die 18-Jährige hat keine Ausbildung, kann weder lesen und schreiben. Sie hat immer bei der Feldarbeit mitgeholfen - und wird dies auch den Rest ihres Lebens machen.

SYRIEN: Bidaa Mhem Thabet al-Hasan, 39, lebt mit ihrem Familie in Deir al-Zor, einem kleinen Ort im umkämpften Syrien. Dort ist sie Direktorin einer Schule, die von Lehrern und Freiwilligen gebaut wurde. "Meine 9-jährige Tochter Mariam Khaled soll das Beste aus ihrem Leben machen. Dafür ist eine gute Bildung notwendig," sagt Bidaa Mhem. "Meine Mama ist mein großes Vorbild," sagt die Kleine. "Ich möchte später bei uns im Dorf Arabisch unterrichten."

USA: Die 52-jährige Denise Arthur arbeitet in Colorado als Archäologin. "Mich hat das bereits als Kind interessiert. Ich wollte in die Vergangenheit eintauchen." Die Zukunft ihrer Tochter sieht sie ebenfalls in der Wissenschaft. "Ich glaube, Linnaea wird Biologin." Die 13-Jährige lacht: "Ja – aber nur Meeresbiologin."

SÜDKOREA: Kang Hyun-jeong, 43, arbeitet als Key Accounterin in einem Unternehmen. Bereits mit 17 Jahren hat sie angefangen zu arbeiten, nebenbei studiert. "Als ich meine Kinder bekam, war ich kurz weg vom Fenster. Jetzt studiere ich weiter – irgendwann möchte ich meinen Abschluss in der Tasche haben." Ihre Kinder, vor allem aber Tochter Yoo Ha-min seien talentierte Künstler. "Es wäre schön, wenn sie diesen Weg einschlägt. Trotzdem mache ich mir Sorgen, weil es auch ein brotloser Beruf sein kann." Die 11-Jährige will später als Malerin oder Designerin reüssieren.

HONDURAS: Als Susana Maria aus Tegucigalpa ein Kind war, wollte sie unbedingt als Anwältin arbeiten, für Gerechtigkeit sorgen. "Schau' mich an: Jetzt bin ich Hausfrau," lacht die 33-Jährige. Bitter sei sie keineswegs: "Ich habe wunderbare Kinder, meiner Familie geht es gut. Mehr kann ich gar nicht verlangen." Ihre jüngste Tochter Alejandra Ruby solle bitte Ärztin werden, "dann sparen wir uns die hohen Behandlungskosten." Alejandra will aber aktuell lieber als Bäuerin arbeiten.

SOMALIA: 2017 wird Faadumo (13) ihre Schulausbildung abschließen. Danach möchte sie in Mogadishu Medizin studieren. Ihre Mutter Saciido Sheik Yacquub (34) wollte immer als Geschäftsfrau arbeiten. "Ich habe meinen Traum zumindest teilweise erfüllt," sagt sie. "Ich habe einen kleinen Laden."

MALTA: Charlotte Stafrace, 49, ist Schauspielerin und unterrichtet eine Drama-Klasse. "Meine Tochter Scarlett hat großes Talent – aber trotzdem möchte sie keine Künstlerin werden," erzählt sie. Die 9-Jährige liebt Tiere. Und will deshalb natürlich Tierärztin werden.

CHINA: Zhang Haijing (41) posiert mit ihrer Tochter Zhuo Nuo (11) vor dem Apartment-Haus, in dem die Familie lebt. Zhang, die früher Volksschullehrerin werden wollte, arbeitet nun als Führungskraft für die Xinhua Bookstore Group in der chinesischen Provinz Gansu. "Zhuo Nuo soll zufrieden sein mit dem, was sie einmal machen wird. Egal, was es ist," sagt die Mutter. Ihre Tochter hegt ehrgeizige Pläne: Sie möchte Medizin studieren und dann in der Forschung arbeiten.

BRASILIEN: Raimunda Eliandra Alves (45) lebt mit ihren Kindern im Slum Pavao-Pavaozinho von Rio de Janeiro. "Ich wollte Lehrerin werden – jetzt bin ich Supermarktkassiererin," sagt sie ein wenig traurig. "Meine Kinder sollen schlauer sein, mehr aus ihrem Leben machen und die Favela verlassen." Ana Paula, 10, sagt: "Ich werde Tierärztin, verdiene ganz viel Geld und miete für meine Familie eine schöne Wohnung."

DEUTSCHLAND: Ayshe Kakarmustafa, 33, arbeitete in einer Schuhfabrik, ehe die Familie Bulgarien verließ, um in Dortmund eine bessere Zukunft zu suchen. Neriman, 11, solle eine ordentliche Ausbildung machen, wünscht sich die Mutter. "Sie soll es besser haben als ihre Eltern. Aber egal, wie sie sich entscheidet: Sie soll einfach glücklich werden." Neriman lacht: "Wenn ich Ärztin werde, bin ich eh glücklich."

INDIEN: Bereits mit 18 Jahren bekam Sulochna Mohan Sawant ihre Tochter Shamika. "Eigentlich wollte ich Krankenschwester werden. Aber ich habe bereits mit 14 Jahren die Schule beendet. Und als junge Mutter konnte ich die Ausbildung sowieso nicht machen. Nun bin ich Hausmädchen." Sie macht sich Sorgen um die 5-Jährige. "Die Situation für Mädchen ist Indien ist nicht einfach. Shamika soll Lehrerin werden, das ist ein guter Beruf."

Themen: Muttertag, Report