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Wie gesund ist die professionelle Zahnreinigung wirklich?

Professionelle Zahnreinigung hat nicht nur Vorteile: Von einigen Seiten hört man sogar, dass die Mundhygiene beim Zahnarzt schädlich sein soll. Wir haben mit einem Experten gesprochen.

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Mundhygiene gesund für Zähne und Zahnfleisch?

Ein strahlend weißes Lächeln wünschen wir uns alle...

© istockphoto.com

Für viele ist die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt so selbstverständlich wie das tägliche Zähneputzen. Leider ist die Mundhygiene nicht ganz billig und in den Augen einiger Menschen total unnötig. Jetzt findet man im Web sogar Beiträge darüber, dass die Behandlung für Zähne und Zahnfleisch schädlich sein könnte. Für wen eine Mundhygiene tatsächlich Vorteile bringt und wem man grundsätzlich davon abraten sollte, erklärt unser Experte Dr. Walter Wadsak, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheheilkunde in Wien.

Was passiert bei einer professionellen Mundhygiene?

Der Zahnarzt untersucht die Zähne und das Zahnfleisch und stellt eine Diagnose. Danach werden die Zähne von Belägen und oberflächlichen Verfärbungen gereinigt, poliert und fluoriert. Die Mundhygiene-Sitzung dauert in etwa 60 Minuten und kostet zwischen 50 und 100 Euro.

WOMAN: Wer sollte eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen und wer nicht?
Dr. Wadsak: Ihr Zahnarzt entscheidet ob eine professionelle Zahnreinigung (PZR) notwendig ist oder nicht. Dies geschieht mittels einfacher und schmerzfreier Befundaufnahme der Parodontalen Grunduntersuchung (PGU).

WOMAN: Kann man es mit der Mundhygiene auch übertreiben?
Dr. Wadsak: Ja, denn eine professionelle Zahnreinigung ist nur an jenen Stellen notwendig, wo der Patient die täglich häusliche Mundhygiene unzulänglich durchgeführt hat. Jene Stellen, die vom Patienten perfekt gereinigt wurden, müssen daher nicht behandelt werden. Die übertriebene Reinigung der Zähne auch im Rahmen der PZR kann zusätzlichen Substanzverlust an den Zähnen insbesondere an den Zahnhälsen verursachen. (Vorsicht vor eventuellen aggressiven Pulverstrahlgeräten).

WOMAN: Und andersrum: Was passiert, wenn man nie eine professionelle Mundhygiene durchführen lässt?
Dr. Wadsak: Dies ist individuell abhängig, denn das sachgerechte Zähneputzen, die genetische Veranlagung und Ernährungsgewohnheiten (Essen UND Trinken) spielen eine sehr große Rolle. Ist dies bei einem Patienten im Gleichgewicht, benötigt er keine PZR bei Grad 0 (bestimmt der Zahnarzt). Die Parodontale Grunduntersuchung (PGU), welche in der Zahnarztordination durchgeführt wird, gibt den ersten Hinweis, ob und wie oft eine PZR bei Grad 1 +2 notwendig ist. Kritisch sind meist nur die Bereiche der rückwertigen Zähne (Molaren) und die Innenseite der Unterkieferfrontzähne, denn an diesen Stellen bildet sich häufig Zahnstein, insbesondere zwischen den Zähnen (Interdentalraum). Dieser Zahnstein kann, falls er über einen Zeitraum nicht entfernt wird, zu einer Zahnfleischrandentzündung (Gingivitis) führen. Durch die Entfernung des Zahnsteins im Rahmen einer PZR wird wieder der gesunde Zustand hergestellt.

Wird aber die Entfernung des Zahnsteins über einen längeren Zeitraum nicht durchgeführt, kommt es zu einer Ausbreitung des Zahnsteins in die Tiefe. Die Entzündung schreitet fort und das Erkrankungsbild heißt Parodontitis (Umgangssprachlich genannt Paradontodose). Dabei wird entlang der Zahnwurzeln der Zahnhalteapparat zerstört. Bei rechtzeitiger Entfernung am Beginn der Ausbreitung wird die Parodontitis zum Stillstand gebracht ABER ist mit einem geringen Verlust des Zahnhalteapparates verbunden. Jedoch ist anschließend Entzündungsfreiheit gegeben und dieser Zustand kann lebenslänglich aufrecht erhalten werden.
WICHTIG: Bei PGU Grad 3 + 4 nützt die professionelle Mundhygiene alleine nicht! Es ist eine Parodontale Therapie vom Zahnarzt/Spezialisten durchzuführen und es muss unbedingt anschließend eine unterstützende Parodontale Therapie (UPT) in regelmäßigen Abständen (meist alle 3 – 6 Monate) erfolgen. Denn zusätzlich zur PZR muss die Aktivität einer eventuellen Entzündung in den Zahnfleischtaschen diagnostiziert und in der Tiefe behandelt werden.

WOMAN: Wie oft sollte man zur professionellen Mundhygiene?
Dr. Wadsak: Mittels Erhebung durch die PGU in jährlichen Abständen kann der individuelle Abstand zu professionellen Zahnreinigung ermittelt werden. Wenn keine Parodontitis vorliegt, wird 1 - 2 mal jährlich empfohlen.

Tipps für zuhause:

Dr. Wadsak: "Ich rate immer, dass man sich vom Zahnarzt beraten lässt, welche Zahnbürste und Zahncreme man verwenden soll. Am besten fragt man auch nach Techniken, um die Zahnzwischenräume vom Zahnbelag (Plaque, Biofilm) zu reinigen."

Allgemeine Tipps:
- weiche Zahnbürste verwenden
- mit sanftem Druck bürsten
- lieber länger reinigen anstatt fest und schnell
- idealer Zeitpunkt ist vor der Nachtruhe
- Zahnreinigung der Zwischenräume nicht vergessen

Dr. Wadsak: "In unserer Ordination hat sich über Jahrzehnte das eintauchen der ID–Bürstchen in Fluoridhaltiger Mundspüllösung bewährt, den zusätzlich zur mechanischen Zahnbelagsentfernung haben wir das Auftreten von Karies zwischen den Zähnen gegen Null gesenkt."