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"Bin ich die miserabelste Mutter der Welt?"

Als sie beim Frauenarzt das Geschlecht ihres Babys erfuhr, war Bloggerin Yasmin nicht glücklich, sondern enttäuscht. Lest hier ihren Blog-Beitrag, der für Kontroversen sorgen wird!


Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft
© iStockphoto.com

Ihr Geständnis sorgte für vollkommenes Unverständnis bis zu hasserfüllten Rückmeldungen. Dabei wollte Yasmin mit ihrem Text auf ihrem Blog "Die Rabenmutti" einfach nur ihre Gefühle präsentieren, mit denen sie selbst gerade nicht klar kommt. Gefühle, die aber vielleicht viele werdende Mütter nachvollziehen können, sie sich aber nicht eingestehen. Dabei ist dieser Augenblick der Enttäuschung doch nur eine Momentaufnahme und nicht das gesamte Leben ihres heranwachsenden Kindes.

Wir möchten ihre Worte hier mit euch teilen, denn wir wollen zeigen, dass Mutterschaft immer vielschichtig sein kann, immer anders verläuft, nicht nur voller Euphorie sein muss und ebenso Stimmen aller Art präsentieren, damit auch andere Mütter sehen, dass sie mit Gefühlen, die manchmal nicht der gängigen Sichtweise entsprechen, nicht alleine sind:

Heute bin ich die miserabelste Mutter der Welt

"Wenn es den Titel „miserabelste Mama der Welt“ gibt, habe ich mir diesen ganz klar heute verdient. Wir hatten eine Kontrolluntersuchung in meiner Schwangerschaft. Anfänglich war alles wie immer: Ich war leicht nervös und aufgeregt. Habe gehofft, dass alles mit der kleinen Erbse in mir in Ordnung ist. Als es losging, war noch alles im grünen Bereich. Gebärmutter sah gut aus, das Baby ist auf 8 cm herangewachsen. Die Werte sind bestens. Wirbelsäule, Gehirn, Ärmchen und Beinchen – alles da .

Doch was war das? Im Ultraschall blitzte plötzlich noch etwas auf. Was sollte das denn sein? „Möchten Sie einen Tipp haben, was es wird?“. Mein Mann und ich schauten uns kurz an: „Ja!“, sagte ich leicht nervös. „Also, wenn wir uns diese Stelle betrachten“ sie hatte dieses Ding wieder im Fokus „dann würde ich zu 80 Prozent davon ausgehen, dass es ein Junge wird!“

Wie bitte was? Mein Kopf schnellte zu meinem Mann, der so enttäuscht aussah, wie ich mich fühlte. Witzelnd sagte ich zu ihm „Oh, du hast also einen Stammhalter gezeugt, Spatz?“ und lächelte dabei.

Ich lächelte und wollte eigentlich nur weinen. Ja! Ich wollte verdammt nochmal weinen, denn ich bin enttäuscht und unendlich traurig. Wir hatten uns beide ein Mädchen gewünscht. Claire hatte sich eine Schwester gewünscht und diese Traumblase war eben zu 80 Prozent geplatzt.

„Kaufen Sie jetzt noch keine Kleidung, das nächste Mal wissen wir sicher mehr. Vielleicht ändert sich noch was“. „Ja, wenn der Schniedel doch noch abfällt“ brachte ich enttäuscht über die Lippen. Wir schlossen die Untersuchung ab, alles war wie immer. Als wir endlich draußen waren, fing ich an zu fluchen. Ja! Ich habe geflucht, geschimpft, gemeckert und war einfach traurig.

Mein Mann hat gar nichts gesagt, er meinte, ich bin schon für zwei am Schimpfen. Als der erste Schock überstanden war, sagte ich zu meinem Mann, dass ich eine echt schlechte Mutter sei und mich freuen sollte, dass alles dran ist und das Baby scheinbar gesund ist. „Was, wenn ich das Baby nicht so lieben kann, wie Claire?“. „Das darfst du das Baby nie spüren lassen“, meint er dann ganz pragmatisch. Typisch, mein Mann. Immer eine Antwort parat…

Was bist du nur für eine Mutter, habe ich mich gefragt.

Aber, was, wenn es wirklich so ist? Wenn ich mich nicht damit abfinden kann, dass aus meiner Prinzessin nun ein Junge geworden ist? Im selben Moment fühlte ich mich unglaublich schlecht! Was bist du nur für eine Mutter, habe ich mich gefragt. Du solltest froh sein, stattdessen bist du am Lamentieren. Eigentlich hast du kein zweites Kind verdient. Wirklich nicht. Zur Trauer kam nun auch Wut dazu. Wut auf mich selbst, weil ich fühle, wie ich fühle.

Werde ich das Baby wirklich lieben können? Werde ich meine Frustration überbrücken können? "Das wird definitiv ein Kaiserschnitt!" unterbrach ich mich selbst in Gedanken. Im gleichen Moment war ich schockiert. Ich haderte eigentlich damit, doch noch einmal eine Geburt auf natürlichem Wege zu versuchen. Für ein Mädchen. Für einen Jungen wollte ich das nicht? Wow.

Als ich zu Hause war, habe ich nicht wie üblich die Ultraschallbilder angehimmelt, sondern den Mutterpass einfach zur Seite gelegt. Keine Vorfreude, kein Träumen. Rabenmutter durch und durch. Wenn, mach ich es richtig. Ich verwarf den Gedanken, aber der bittere Beigeschmack blieb. Die miserabelste Mutter der Welt. Das bin ich heute…

You're not alone

Ich äußerte meinen Unmut auf Twitter und erhielt wundervolles Feedback. Tatsächlich bin ich nicht die einzige Mutter, die nach dem Outing des Geschlechts ein Gefühl der Enttäuschung verspürte. Sind wir jetzt alle miserable Mütter oder ist das ganz normal und niemand redet darüber? Ich weiß es nicht, aber immerhin bin ich nicht allein damit. Das ist viel wert. Danke an alle, die ehrlich waren und ihre Enttäuschung mit mir geteilt haben. Ich fühle mich zwar immer noch miserabel, aber nicht mehr allein…"

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