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Mutter & Hausfrau: "Ich schäme mich nicht, weil ich Hilfe brauche!"

"Du arbeitest ja eh nicht. Warum brauchst du dann Hilfe im Haushalt?" Als Jungmama frage ich mich oft: Wie schaffen das alle? Oder bin ich wirklich so unfähig?

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Mutter und Baby überfordert Hilfe

Mama sein ist alles andere als chillig...

© istockphoto.com

Kurz vor dem Mutterschutz mit riesigem Bauch dachte ich mir: "WOW, wie geil. Jetzt bin ich 14 Monate daheim und kann endlich mal entspannen." Jede Mutter, die das jetzt liest, wird sicher lachen... "Entspannen, was ist das?" Dass es eher nix wird mit Sport, Lesen, Reisen und Hobbies merkte ich ab Tag 1 als mein Sohn zur Welt kam. Alle zwei Stunden stillen, Windeln wechseln, stundenlanges Tragen, mal selbst kurz essen und vielleicht bleibt dann noch Zeit zum Duschen. Zumindest ging es mir so. Mehr habe ich einfach nicht geschafft. Je älter das Kind, desto besser wird es. Doch auch jetzt, wo mein Sohn 11 Monate alt ist, frage ich mich oft: Wie schaffen das andere bloß? Die gehen regelmäßig ins Fitnessstudio, die Wohnung ist aufgeräumt und das Kind bekommt mittags und abends was Gesundes, frisch Gekochtes zum Essen.

Mein Freund hat einen Full-Time-Job und es kann auch mal vorkommen, dass er sich am Wochenende vor den Computer setzen muss. Unsere Eltern wohnen hunderte Kilometer entfernt. Oma und Opa können also nicht einfach mal so ein paar Stunden auf den kleinen Wirbelwind aufpassen. Das bedeutet für unsere Familie, dass viele Dinge liegen bleibt. Zum Beispiel die Reste vom Frühstück, volle Windeln und überall Wäsche. Gerne würde ich das ganze Zeug gleich wegräumen aber da schreit auch schon wieder mein Kind, weil es ausgerutscht und irgendwo dagegen geflogen ist.

»Ich habe kein Problem damit, wenn es zuhause nicht aufgeräumt ist, warum stört es dann Leute, die nicht mal hier wohnen?«

Für mich wurde es irgendwann einfach an der Zeit mir Hilfe zu holen, um endlich wieder ein wenig Ordnung in unseren Alltag zu bekommen. Ich habe mir eine Nanny/Haushaltshilfe geholt. Die kommt pro Woche nur 2-3 Stunden aber das reicht, um mir unter die Arme zu greifen. Ein Teil meiner Familie sieht das nicht ein. "Warum brauchst du jemanden, der bei dir putzt? Das kannst du ja machen, wenn der Kleine schläft." Ja, stimmt... aber manchmal will ich einfach selbst schlafen oder mal in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken. Außerdem bin ich jeden Tag mit unserem Kind draußen, weil mir daheim die Decke auf den Kopf fällt und mir das Mama-sein in unserer Wohnung keinen Spaß macht. Baby-Yoga, Babyschwimmen, Baby-Zeichensprachenkurs, Baby-Spielegruppe. Wir haben da ein straffes Programm. Mir ist es nun mal wichtiger was mit meinem Kind zu unternehmen als zuhause aufzuräumen.

Wenn man beruflich Hausfrau und Mutter ist, dann wird man sowieso belächelt. Als wäre das kein richtiger Job. Ganz ehrlich: für mich ist es der härteste Job, den ich jemals gemacht habe. Sogar härter als meine Zeit in einer Werbeagentur, wo ich schon mal 50-60 Stunden pro Woche geschoben habe. Also will ich mich ab sofort nicht mehr dafür rechtfertigen, dass mir jemand hilft und ich dieser Person Geld dafür gebe.

»Niemand muss sich rechtfertigen, wenn man sich von Freunden oder Eltern Hilfe holt.«

Es sollte keine Schande sein, wenn man als Jungmama mit den neuen Aufgaben überfordert ist. Es sollte in Ordnung sein, dass man in den zwei Stunden Mittagsschläfchen selbst mal kurz verschnauft, anstatt schnell die Wäsche zu waschen oder das Bad zu putzen. Niemand muss sich rechtfertigen, wenn man sich von Freunden oder Eltern Hilfe holt. Sei es für den Haushalt, für ein Date mit dem Partner, für eine Sportstunde oder um einfach mal nichts zu tun. Sollten Eltern und Freunde nicht verfügbar sein, warum dann keine Nanny? Das bedeutet ja nicht, dass man sich selbst nicht um sein Kind kümmern will, sondern, dass man entlastet wird und das Eltern-sein wieder mehr Spaß macht. Aussagen wie: "Wofür hat die dann überhaupt ein Kind bekommen, wenn sich jetzt die Nanny darum kümmert", sind unnötig und dumm. Ich arbeite in meiner Karenz einen Tag pro Woche, weil mir mein Job Spaß macht und ich verwende das Geld dann gerne, um eine Nanny zu bezahlen. So habe ich Abwechslung und alles geht sich besser für mich aus.

Baby - Faken - was du wissen musst

Egal in welcher Form junge Eltern Hilfe bekommen. Es ist völlig okay und nichts wofür man sich schämen muss. Ganz im Gegenteil: Im Endeffekt sind Mama und Papa nämlich entspannt und das Kind deswegen glücklich.

Zusatz: Mir ist bewusst, dass es genug Menschen gibt, die sich eine Nanny oder Haushaltshilfte nicht leisten können. Jenen Mamas und Papas gebührt mein größter Respekt.

Übrigens gibt es in Österreich das Projekt "Leihoma", das Familien mit älteren Personen zusammenbringt. Nähere Infos findet man hier: www.familie.at
Die Caritas bietet außerdem eine Familienhilfe für Daheim. Hier helfen professionelle Fachkräfte Eltern bei der Erziehung der Kinder, beim Kochen, Einkaufen und bei der Hausarbeit. Infos gibt es hier: www.caritas-wien.at

Mehr Stories für frisch gebackene Eltern gibt's auf WOMAN.at .
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Themen: Eltern, Kinder

Kommentare

ABGBkant

Bin schon ein älteres Semester und trotzdem gebe ich der Verfasserin von ganzem Herzen recht. Und ohne lange Argumentation....das Baby profitiert von dieser Entscheidung. Es hat eine gelöste, zufriedene Mutter die auf ihr Kind voll Freude reagieren kann. Diese Gelassen.- und Entspanntheit überträgt sich. Sehr gute Entscheidung!

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