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Mamablog: Spielen, bis der Arzt kommt?

Als gute Mutter bespasst man sein Kind. Dauernd. Oder auch nicht? Warum "Mama, spiel' mit mir!" ein Reizsatz für Mamabloggerin Sybille Maier-Ginther ist.


Mamablog: Spielen, bis der Arzt kommt?
© iStockphoto

Wenn meine Tochter ankommt und mich mit großen Augen fragt „Mamaaa, spielst du mit mir?“, dann hat das ungefähr dieselbe Wirkung auf mich wie die Frage meines Frauenarztes, ob er noch schnell einen Abstrich machen soll. Oder die des Reisebüros, ob ich zur völlig überteuerten Buchung nicht auch noch eine saftige Stornoversicherung nehmen möchte.

Eigentlich will man unbedingt entschieden „Nein!!“ rufen, traut sich aber aus Pflichtgefühl oder schlechtem Gewissen dann doch nicht, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Das arme Kind! Da ist es ja ohnehin schon bis 15.00 Uhr im Kindergarten und wenn wir endlich gemeinsam heimkommen, will die Mama nix lieber als die Latschen von den Hufen streifen, selbige hochlegen und endlich mal in Ruhe einen Tee und den neuesten Klatsch auf WOMAN.at genießen – sowas von egoistisch aber auch!

»Bin ich egoistisch, weil ich nicht dauernd mit meiner Tochter spielen will?«

Kaum hat man aber die Einkaufstasche, die Handtasche, den Laptop, den Kindergarten-Rucksack samt 12 obligatorischen täglichen Bastelergüssen (bzw. Fehlversuchen), die Post, den Schlüssel, die Skihose und acht Lieblingskuscheltiere in den Hauseingang verfrachtet, die dringenden Wünsche nach einem oder mehreren Stücken „Kuhschokolade“ und „Safti“ befriedigt, das Frühstücksgeschirr in den Geschirrspüler geworfen (wörtlich) und, ach ja, die eigene Jacke ausgezogen, nachdem man die im ganzen Haus verstreuten Strumpfhosen, Prinzessinnenkronen und und und an ihren ihnen ursprünglichen Platz befördert hat, kommt unweigerlich eingangs erwähnte, durch professionellen Bambi-Blick unterstrichene Frage.

Während ich noch den matten Versuch starte, mit „Wollen wir was malen?“ das Ruder herumzureißen (meist merkt sie erst nach 10 Minuten, dass ich ein wenig zu lange die vielen Farben bewundere, während ich mit einer Tasse Tee in der Hand verstohlen auf meinen Laptopbildschirm luge, ohne einen Strich zu zeichnen), schafft sie schon die gefürchteten Hürden heran. Es ist wieder mal Zeit Pferd zu spielen – da hilft alles nix, da muss ich durch.

Seit sich meine Tochter auf zwei Beinen halten kann, laufen mein Mann und ich auf vier, als Pferd nämlich. Wir stehen im Stall, bekommen vorgekaute Karotten und Apfelstückchen serviert, werden mit der Wurzelbürste traktiert, galoppieren (mittlerweile mit Knieschützern) durchs Haus, springen über Hürden und manchmal auch gern aus dem Fenster.

Alle Versuche, meine Tochter auf Lego, Barbie & Co umzuprogrammieren, hatten nur mäßigen, eher kurzfristigen Erfolg. Am Ende stehen wir doch wieder abwechselnd, manchmal auch gemeinsam, im Stall der „bösen“ Bäuerin oder der Peitsche schwingenden Prinzessin. Unser einziger Ausweg bietet sich uns, wenn die von unserer rabiaten Pferdeflüsterin noch nicht vollends eingeschüchterten Nachbarskinder vorsichtig vorbeischauen und prompt an unserer Stelle beim nächsten Reitturnier starten oder als Pegasus über die Hecke hüpfen müssen, alles unter Androhung von Hieben, natürlich.

»Manchmal frage ich mich, ob unsere Eltern auch so viel mit uns gespielt haben«

Ich kann mich sehr gut an meine Kindheit erinnern und wenn Papa mal das Pferd war, dann höchstens für gefühlte fünf Minuten und das nur wenn er mal richtig gut drauf war. Mama wäre nie am Boden herumgeturnt, da bin ich sicher! Wir spielten in meiner Erinnerung entweder draußen oder mit unseren Geschwistern.

Dass mal jemand einen verfärben Mehlklumpen auf den Tisch warf und behauptete, es wäre Plastilin oder ein stumpfes Messer zum Schnitzen entbehrte, war eher die Ausnahme. Warum um alles in der Welt bin ich dann immer das Pferd??! Wo genau habe ich den falschen Weg in Sachen elternverträglicher Spielpädagogik eingeschlagen?

Generell bin ich viel zu anfällig für spielwütige Kinder und deren Attacken. Befinde ich mich zum Bespiel gemeinsam mit anderen Müttern an (für mich eher: in) der Sandkiste im Spielplatz, bin sicher ich diejenige, die sich inmitten einer zehnköpfigen Horde Dreijähriger wiederfindet und in lautstarker Teamarbeit einen Kuchen backen lässt, während sie im Akkord „Mehl, Milch, Eier, Butter,..“ kommandiert bis die Nachtigall singt.

Es ist auch schon vorgekommen, dass ich als Hexe verkleidet zwanzig Minuten unterm staubigen Bett ausharrte, weil ich vom bösen Krokodil und der bezaubernden Prinzessin einfach vergessen wurde, die sich stattdessen einfach vor den Fernseher gesetzt hatten.

Eine Geschichte setzt dem Ganzen aber die Krone auf: Nie werde ich das Gesicht unserer Vermieterin (Gott habe den Drachen selig!) vergessen, die wie so oft unangekündigt durch unsere im Sommer unerträglich heiße Wohnung marschierte und dort meinen Mann und mich mit angelegtem Zaumzeug unter dem Tisch grasend vorfand – und das wegen der Hitze zu allem Überfluss auch noch spärlich bekleidet...

Über die Autorin: Sybille Maier-Ginther ist freie Autorin in Salzburg. Zusammen mit ihrer Freundin Susanne Holzer schreibt sie vergnüglich über ihre Schwangerschaft und das Leben als Mutter. Mehr von Susanne und Sybille gibt es unter Facebook.com/handaufsherzblog .

Themen: Kinder, Erziehung

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