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Mutter sein: Ich bin genug – bin ich?

Nadine Hilmar ist zweifache Mutter. Und kämpft manchmal mit dem Gefühl, nicht genug zu tun. Wie das so ist, als wandelndes schlechtes Gewissen...


Mutter sein: Ich bin genug – bin ich?

Ich bin ein wandelndes schlechtes Gewissen

© Corbis

Wenn ich sehe, wie andere Mütter ihre 3 oder mehr Kinder nachmittags noch für Unternehmungen motivieren, während ich mit zwei Kindern nach einem heimgeschleppten Einkauf schon platt bin, habe ich das Gefühl, nicht genug zu tun.

Wenn andere Eltern ihren Kindern täglich frische Gerichte kochen, während ich schnell etwas bereite, was auch nicht immer gesund ist, fühle ich mich nicht gut genug.

Wenn ich meine Kinder impfen lasse ohne bei vier Impfberatungen gewesen zu sein, fühle ich mich ungenügend.

Wenn ich am Nachmittag lieber stricke, statt Lego zu bauen, fühle ich mich manchmal nicht genug.

Wenn ich am Samstagmorgen eine Stunde auf dem Sofa döse und die Kinder in Schlafanzug und Nachtwindel spielen, fühle ich mich rabenmütterisch.

»Es ist nicht leicht, den Mütterbildern gerecht zu werden«

Wenn ich heimlich ein Müsli auf der Arbeitsfläche in der Küche sitzend löffle, damit ich nicht teilen, nichts abgeben muss, fühle ich mich… nicht sonderlich genug.

Und viel zu oft habe ich das Gefühl, nicht genug, nicht gut genug zu sein.

Und dann schaue ich sie an, beobachte, wie sie spielen, während ich stricke. Zufrieden. Lachend.

Ich freue mich, wenn sie die Smoothies, die ich hier und da zubereite, genüßlich verzehren.

Ich halte sie, wenn sie untröstlich sind, gestürzt sind, die Lippe aufgeschlagen ist.

Ich gehe aus dem Raum, wenn sie wütend sind, weil ich da bin, und nicht der Bruder. Akzeptiere, ohne persönlich zu nehmen.

Ich kugle mit ihnen nach dem Wickeln durchs Zimmer und kichere. Ich beobachte zurückhaltend jeden Entwicklungsschritt. Freue mich mit ihnen über erreichte Ziele.
Ich bin klar in (fast) jedem Nein, aber auch in (fast) jedem Ja, das ich betone.

Ich ziehe mich zurück und suche meine Freiräume. Nur um Aufzutanken und geduldiger, aufmerksamer und achtsamer zurückzukehren. Ich esse eine kleine Mahlzeit ganz für mich, um Energie zu tanken.

Es ist nicht leicht in einer Welt unterschiedlichster Mütterbilder gut genug zu sein. Wo jeder Ratgeber sagt, was gut und weise fürs Kind ist. Was unbedingt zu tun ist. Was nicht verpasst werden darf. Wo die Bedürfnisse der Mütter Buchstabe für Buchstabe aus dem Buch gefallen sind.

»Die Bedürfnisse der Mütter sind Buchstabe für Buchstabe aus den Ratgebern gefallen«

Es ist besonders als (hoch)sensible Person leicht, sich ungenügend zu empfinden, weil man bremst, wo andere noch lange weitermachen. Weil man die eigenen Grenzen als unflexibel betrachtet. Bis man lernt, dass sie angenommen gehören. Egal, wie straff sie um uns liegen. Dass ein Überschreiten nicht besser, nicht genügender, sondern am Ende noch weniger ausreichend für alle ist, als ein Stopp zur rechten Zeit.

Wir sind genug, wenn wir uns gut achten, auf uns acht geben. Wenn wir unseren Kindern zufrieden begegnen und somit aus einem Korb voll Achtsamkeit, Verständnis und Empathie schöpfen können.

Wir sind genug, wenn wir 50% der Zeit voll da sind, statt 100% nur halb.

Was die Frau auf dem Spielplatz, im Supermarkt, auf Twitter macht und schafft, ist gut für sie. Aber es bestimmt nicht mich.

Manchmal vergesse ich das. Und dann bin ich froh, mich zu erinnern, dass ich genug bin.

Gut genug.

Zur Autorin: Nadine Hilmar ist zweifache Mutter und bloggt über Kinder, Erziehung und ihr Leben unter Buntraum.at. Dazu bietet sie die Elfur Familienberatung an. Informationen dazu gibt es ebenfalls auf ihrem Blog.

Thema: Erziehung

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