Ressort
Du befindest dich hier:

Wenn auf den Urlaub die Scheidung folgt: Das musst du jetzt beachten

Im Sommer haben Scheidungsanwältinnen und -anwälte Hochsaison: Nach dem Urlaub entscheiden viele Paare, sich zu trennen. Eine Familienrechtsexpertin gibt Tipps aus der Praxis.

von

Wenn auf den Urlaub die Scheidung folgt: Das musst du jetzt beachten
© iStock

Ihr streitet euch seit Jahren, liegt euch nur noch in den Haaren, die Fronten sind verhärtet und nach dem Urlaub, in dem ihr euch mehr angeschwiegen habt als irgendetwas anderes, steht für dich die Trennung so gut wie fest. Aber Achtung, bevor du deinem Partner oder deiner Partnerin die Hiobsbotschaft übermittelst, solltest du nochmal tief durchatmen und dir über einige Dinge klar werden. Wir haben eine Scheidungsexpertin gefragt, was man vor einer geplanten Scheidung beachten sollte. Susanna Perl-Böck von der Kanzlei Gärner-Perl Rechtsanwälte ist Familienrechtsexpertin und gibt Tipps aus der Praxis.

Im Sommer haben Scheidungsanwältinnen und -anwälte Hochsaison

"Etwa 30 Prozent unserer Fälle und Anfragen bekommen wir zum Sommerausklang", schildert Scheidungsexpertin Susanna Perl-Böck. "Im Urlaub haben Paare besonders hohe Erwartungen aneinander. Man will tolle Sachen gemeinsam erleben, das Intimleben aufpeppen, sich gegenseitig neu entdecken." Stattdessen würde vielen bewusst werden, dass sie einfach nicht zueinander passen, so die Expertin.

"Schnell die Scheidung durchziehen" – Expertin rät ab

Eine Scheidung bedeute nicht nur das Ende der Beziehung, sondern auch und vor allem eine Neuordnung der eigenen wirtschaftlichen Lebensverhältnisse, so Susanna Perl-Böck. "Wer wie viel vom Vermögen bekommt, mag einem in der Hitze des Moments, nicht so wichtig sein. Aber durch solche Schnellschüsse kann man massiv seine restliche Lebensqualität gefährden."

4 Tipps von der Scheidungsexpertin

  • Bevor du etwas unternimmst, suche dir einen Rechtsbeistand. Das ist besonders wichtig, damit dir klar wird, was dir zusteht.
  • Verschaffe dir einen Überblick über die Vermögensverhältnisse. Bevor das Wort "Scheidung" auch nur erwähnt wird, kopiere oder fotografiere zum Beweis die wesentlichen Rechnungen und Dokumente. Wonach du genau suchen sollten, klärst du im Erstgespräch mit dem Anwalt oder der Anwältin.

Warum? "Es ist die einzige Möglichkeit, sich vor Gericht abzusichern", so die Expertin. "Behauptet Ihr Ex-Partner während des Scheidungsverfahrens, er hätte z.B. keine weiteren Immobilien, müssen Sie deren Existenz beweisen können. Sonst schauen Sie durch die Finger."

  • Spionieren, wie zum Beispiel Briefe zu öffnen oder in den Computer des Partners zu schauen, ist nicht erlaubt – auch nicht bei Untreueverdacht. Anders ist das, wenn er oder sie dir bereits das Passwort gegeben hat oder z.B. das Handy ungesichert vor dir liegen lässt.
  • Ziehe nicht zu früh zu Hause aus. Ein Auszug kann als böswilliges Verlassen hingestellt werden, was im Rahmen einer schuldigen Scheidung als schwere Eheverfehlung gilt. Allerdings solltest du natürlich abwägen und die gemeinsame Wohnung verlassen oder um Hilfe bitten, wenn die Situation zu belastend für dich wird.

Hier findest du übrigens alle Infos zur Frauenhelpline: 0800 222 555.

Das könnte dich ebenfalls interessieren:
Gemeinsame Obsorge: Was darf man alleine entscheiden?
Scheidung: Kann mich der Ex zwingen, den Namen zu ändern?
Scheidung: Warum Mütter um den Unterhalt kämpfen sollten
Nach der Scheidung: Die Unterhaltsfalle!