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Eine Nacht mit Viktor Gernot

Viele Frauen schwärmen von ihm - aber auch die Männer mögen ihn. Unsere Redakteurin Katharina hat nun (quasi) eine Nacht mit ihm verbracht: Viktor Gernot.

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Eine Nacht mit Viktor Gernot
© Marko Mestrovic

Die Leute mögen ihn, weil er sie zum Lachen bringt. Aber der Entertainer kann auch tiefsinnig. Sowieso hat er viel mehr Facetten, die er in unserem Chat-Interview ab 21 Uhr zeigt. Uns verriet er, was ihn aktuell beschäftigt und bewegt. Von Hipstern, Trump & anderen Leiden.

Abends, neun Uhr: Normalerweise steht Comedian Viktor Gernot, 51, um diese Zeit auf der Bühne und entertaint sein Publikum. Heute hat er frei. Und hat sich mit uns zum abendlichen Talk auf Facebook verabredet. Davor treffen wir uns noch in seinem Stammkabarett "CasaNova" fürs Fotoshooting. Ein paar Aufnahmen backstage, zwei, drei Bilder auf der Bühne, dann weiter an die Bar im "Blue Mustard". Wir bestellen einen Drink - eigentlich nur fürs Ambiente am Bild. Während unser Fotograf die richtige Perspektive sucht, nippt Gernot am "Früchtetraum mit einem Schuss Rum". Ein Mal, zwei Mal, ups, das Glas ist leer. "Vielleicht wird das jetzt ein kurzer Nighttalk, weil ich einschlafe", witzelt er und bestellt sich sicherheitshalber noch eine große Tasse Kaffee. Na dann, keine Zeit verlieren, ab nach Hause und los geht's!

Eine Nacht mit Viktor Gernot

GERNOT (20:52): In 16 Min. sitz ich vorm Computer & warte auf den Startschuss.

WOMAN (20:53): Das ist aber eine sehr präzise Zeitangabe!

GERNOT (20.53): So bin ich.

WOMAN (20:54): Haha! Sie glauben jetzt aber nicht wirklich, dass das so gedruckt wird. Zumindest nicht ohne den Hinweis, dass Sie sich beim Shooting um 14 Minuten verspätet haben.

GERNOT (20:54): 8-)

WOMAN (20:56) Was haben Sie heute noch vor, weil Sie so überpünktlich starten möchten?

GERNOT (20:58): Ein Freund von mir tritt auf. Ich komm nach, sobald Sie mich durch haben.

WOMAN (20:58): Na, von mir aus können wir auch jetzt schon starten! Ich bin bereit!

GERNOT (20.59): 10 Min., noch Smartphone.

WOMAN (21:01): Eigentlich neun, nach Ihrer Zeitangabe. Ich sag's nur ;-)

GERNOT (21:02): Stressen Sie mich nicht!

GERNOT (21:11): Hallo! Bin im Plan und bereit! Kreide gefressen, starten wir!

WOMAN (21:13): Was für ein Auftritt ist das eigentlich, wo Sie später noch hinschauen?

GERNOT (21:13): Thomas Strobl, gemeinsam mit Prof. Peter Hofbauer.

GERNOT (21:13): Humor und Musik ist, glaube ich, die Überschrift.

WOMAN (21:14): Hab's gerade gegoogelt. "Blue Monday" steht da. Und: "Doppelconférence mit Musik".

GERNOT (21:15): Mann, Sie sind schnell. Oder eher misstrauisch?

WOMAN (21:16): In erster Linie Journalistin. Ich hab bloß recherchiert. Wie auch ein Zitat von Ihnen von 2012. Da haben Sie Ihren Körper folgendermaßen beschrieben: "Ich bin ein Cornetto, aber eines, das man schon ein bissl in der Hand gehabt hat, bei dem die Waffel in der Mitte schon ein bissl aufgeweicht ist." Wie sehr in Form sind Sie aktuell?

GERNOT (21:17): Etwa so wie 2012. Erschwerend kommt dazu, dass die Waffel schon ab und zu tropft. Zumindest erzähle ich es so auf der Bühne. ;-)

WOMAN (21:18): Ähm, die Waffel tropft? Haha, was genau darf man sich darunter vorstellen? Mit Inkontinenz hat das jetzt aber nichts zu tun ?

GERNOT (21:18): Natürlich nicht! Es ist eine Anspielung. Jeder kann sich seinen Teil denken. Aber ich bin noch ganz dicht! Und: Regelmäßiger Sport muss sein, sonst fehlt mir echt was im Leben. Tennis, Rad fahren, EMS-Training und viel zu selten schwimmen.

WOMAN (21:20): Noch ein Zitat von Ihnen: "Ich bin in dem Alter, in dem man mit gleichaltrigen Männern über Rückenschmerzen redet und Facharztnummern austauscht." Was tut Ihnen heute weh?

GERNOT (21:24): Mein operiertes Knie. Hab jetzt zwei Tage hintereinander Tennis gespielt und spür's beim Abbiegen. Hätte vielleicht doch Aufwärmen und Nachsprechen sollen. Sonst altersadäquat beschwerdefrei! ;-)

GERNOT (21:25): Stretchen, nicht sprechen. Scheiß Autokorrektur! Wo schaltet man das ab?

GERNOT (21:26): Gefunden. Eliminiert.

Eine Nacht mit Viktor Gernot

WOMAN (21:27): Wo sind Sie eigentlich gerade? Daheim? Und hören Sie nebenbei Musik? Oder schauen Sie fern?

GERNOT (21:28): In meinem Wiener Büro mit Schlafsofa. Ich lebe seit Dezember 2015 am Land. Habe zum ersten Mal in meinem Leben gebaut und das Haus auch bezogen. Bin begeistert. Und ich tu mir beim Schreiben schwer genug, also ganz ohne Ablenkung. Eins nach dem anderen...

WOMAN (21:31): Was gefällt Ihnen am Land besser als in der Stadt? Und wie tippen Sie? Mit zehn Fingern? Oder mit zwei?

GERNOT (21:33): Die Ruhe. Die Nähe zur Natur. Die grüßenden Menschen. Die Entschleunigung. Die "Energie". Und dass es nicht über-überall nur Beton, Ziegeln und Asphalt gibt. Ich tippe übrigens mit 4einhalb...

WOMAN (21:35): Vor allem die kalte Jahreszeit am Land ist irgendwie gemütlicher, oder? Nicht so gatschig und grau. Mögen Sie den Winter?

GERNOT (21:37): Da gebe ich Ihnen Recht. Heuer war es das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich mich über den ersten Schnee gefreut habe. Ist auch wirklich beispiellos, wie unfähig die Wiener Autofahrer auf zwei Schneeflocken reagieren. Jedes Jahr ein Schauspiel der besonderen Art. Hehe. Sieben Monate weg und schimpft schon über die Hauptstädter! Und JA. Das Grau ist eine wahre Prüfung. Ich mag Frühling und Sommer mehr als die grauen Brüder. Trude Marzik hat geschrieben:

WOMAN (21:43): Ja?! Sind Sie eingeschlafen?

GERNOT (21:45): "Wenn der Schnee fallt in Wien, is a heilige Ruah. Er deckt unsan Dreck und die Baustön zua. Er dauert net lang, oft a anzige Nocht. Am nächsten Tag wird wieder Dreck aus der Procht."

GERNOT (21:45): Kleines Nickerchen! ;-)

GERNOT (21:46): Nein, ich kann nicht schneller!

WOMAN (21:48): Haha, okay! Ich hab vor ein paar Tagen einen Song von Seiler & Speer für mich entdeckt: "Der letzte Schnee". Da geht's drum, dass viele von uns den Sinn von Weihnachten verfehlen mit dem vielen Schenken. Sind Sie ein großer Xmas-Liebhaber?

GERNOT (21:50): Ich bin ein großer Fan der amerikanischen Xmas-Songs. Spiele seit gut 20 Jahren meine Weihnachtskonzerte mit meiner Band. Und habe hunderte CDs und Bücher zum Thema zu Hause. Ich liebe das Ritual mit meinen Eltern und Brüdern samt Familien. Ich verachte Punsch, Glühwein und Christkindlmärkte, wenn's nicht grad am Dorfplatz am Berg oder irgendwo an einem See ist.

WOMAN (21:52): Und Geschenke?

GERNOT (21:54): Her damit!

WOMAN (21:55): Mit welchem könnte man Ihnen die größte Freude machen?

GERNOT (21:56): Ich schenke gerne. Selber bin ich ein derart privilegierter und beschenkter Mann. Am wertvollsten ist mir gemeinsame Zeit.

GERNOT (21:57): Aber wenn's sein muss: Ich liebe Gitarren und Bassgitarren. Ein bissl Platz finde ich schon noch in meinem Studioraum. ;-)

GERNOT (22:03): Nickerchen?

WOMAN (22:05): Haha, nein, hab mir nur was zu trinken geholt und die Heizung aufgedreht.

GERNOT (22:06): Dafrorene!

WOMAN (22:07): Eine Frauenkrankheit, heißt's. Wie viel Grad hat's bei Ihnen?

GERNOT (22:08): 22 bis 23 Grad. Hab's gern warm. Im Notfall kann ich sogar den Kamin anfeuern. Und ich schätze das sehr, dass ihr so anders seid!

WOMAN (22:10): War das jetzt Sarkasmus oder ein Kompliment? Und hacken Sie das Holz für den Kamin selbst?

GERNOT (22:12): Ein Kompliment. Das alles natürlich bei selben Rechten und selber Bezahlung. Aber die kleinen Unterschiede gehören gewürdigt. Und nein, ich lasse hacken. Beim Sortieren und Schleppen dawischt's mich dann. ;-)

WOMAN (22:14): Ach, und ich hab mir das schon bildlich vorgestellt, im rotkarierten Flanellhemd.

GERNOT (22:15): Haha, wie diese Hipster! Schauen aus wie Trapper Geierschnabel, Haare im Gesicht, keines am Körper und können weder ein Motorrad reparieren noch einen Baum fällen.

WOMAN (22:16): Können Sie Bäume fällen?

Eine Nacht mit Viktor Gernot

GERNOT (22:17): Natürlich nicht. Bin kein Lumberjack, aber auch kein Hipster. Vielleicht könnt ich's, unter Anweisung und mit einem vernünftigen Fichtenmoped.

WOMAN (22:19): Zurück zu uns Frauen! Was wird Ihnen immer ein Rätsel bleiben?

GERNOT (22:22): PMS. Was ich in meinem Leben schon sinnlos gestritten habe, weil's den Frauen kurz vor der Menstruation hormonbedingt den Ratio aushängt. Halleluja! (Augen verdreh) Was ich auch nicht versteh: das Verbindende, Beschützende, Bewahrende. Weil so viel Kraft, Verstehen, Verzeihen und Wirken dazugehören. Da sind Männer noch am Rachepläne schmieden und am Schmollen, während die Frauen den Verband, die Familien oder die Beziehung zusammenhalten.

WOMAN (22:25): Selbst schon mal Rachepläne geschmiedet?

GERNOT (22:25): Selbstverständlich. Aber nicht ausgeführt. Das ist dann meine weibliche Seite. Rache bringt niemanden weiter. Verzeihen schon.

WOMAN (22:27): Ja sicher, nur ist das mit dem Verzeihen nicht immer so leicht.

GERNOT (22:30): Ich hab nie gesagt, dass das leicht ist! Einer Wut, einem Hass, einer dumpfen Angst nachzugehen, ist viel einfacher. Noch dazu, wenn man gratis Feindbilder geliefert bekommt.

WOMAN (22:31): Was meinen Sie damit?

GERNOT (22:32): Irgendwie ist in den letzten Jahren ein Tabu in unserer Gesellschaft gebrochen, dass man gerne Ethnien, Religionen, Asylsuchende, Andersdenkende unter Generalverdacht stellt. Behauptungen, dass "DIE" unter "UNS" zu stellen sind. Ich attestiere Schwund an gutem Benehmen. Bin ein Kind der Aufklärung. Diskriminierung, Fremdenhass, Populismus. Das sind keine Meinungen und Werte. Das sind schlechte Erziehung oder sogar Verletzungen der Rechtsordnung.

WOMAN (22:35): Wie finden Sie's, dass Trump Präsident geworden ist?

GERNOT (22:37): Hatte nicht damit gerechnet.

WOMAN (22:37): Was meinen Sie: Wo wird sich unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren hin entwickeln?

GERNOT (22:38): Wir müssen alle sehr achtsam sein. Einstehen für unsere Werte. Und damit meine ich die Charta der Menschenrechte und nicht "Amerika zuerst". Die Nation kann beliebig ausgetauscht werden. Und ich will auch nicht ausgrenzen. Bezeichne niemanden als dumm. Zuhören. Ansehen. Grüßen. Lernen. Staunen. Bewegen. Überzeugen. Argumentieren. Nicht verurteilen, außer es besteht Gesetzesbruch. Dann wäre der Beweis erbracht, dass wir die Evolution erlebt haben.
Und der Mensch kein Tier mehr ist.

WOMAN (22:40): Der Dalai Lama sagt: "Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, in der Menschen einander kaum noch freundlich begegnen können." Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

GERNOT (22:42): Es ist eine Einstellung. Eine Art Entschluss. Sich zu fürchten, abzulehnen, zu hassen. Genauso leicht kann man das Gegenteil leben. Je mehr es tun, desto überzeugender wirkt es auf uns. Wir erzeugen Realität. Schon verlangen, einfordern, kritisieren, kontrollieren. Aber nicht hassen, ablehnen und vor allem nicht fürchten. Ich arbeite hart daran. Aber jeder Fortschritt ist eine derartige Wohltat.

WOMAN (22:43): Der Dalai Lama sagt auch: "Unsere wahre Aufgabe ist es, glücklich zu sein." Wie happy sind Sie?

GERNOT (22:45): Ach, das Glick is a Vogerl! Dauerhaft kennt es wohl niemand. Aber ab und zu sitzt's auf meiner Schulter. Tschilp.


BEGEHRT. Seine Shows sind extrem gut besucht. Aktuell steht er mit Kollegin Monika Gruber in "Küss die Hand" auf der Bühne. Weil's so gut läuft, gibt's im Frühjahr 2017 Zusatztermine. Tickets sind hier erhältlich: agentur-stage.at

Eine Nacht mit Viktor Gernot
Thema: Society