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Nadja Swarovski im WOMAN-Talk

Die einzige Frau im Executive Board von Swarovski arbeitet seit 1995 im Tiroler Konzern. Die Marke hat sich seitdem stark geändert, wird nicht mehr nur mit den typischen Kristalltieren assoziiert, sondern ist für ihren Schmuck & den Einsatz in der High Fashion weltbekannt. Eine Herzensangelegenheit für die 45-Jährige …

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Nadja Swarovski im WOMAN-Talk
© Swarovski

WOMAN: War von Anfang an klar, dass Sie bei Swarovski anfangen?

Swarovski: Nein, ich wollte nie zu Swarovski! Ich habe in NY gearbeitet, zuerst in der Kunst, dann in der Mode. Und da wurde mir klar: Swarovski hat starke Wurzeln in der Modeindustrie. Doch viele kannten nur den Kristallschwan! Plötzlich hatte ich eine klare Vision, was ich beitragen könnte. Nämlich, die Zusammenarbeit mit den Designern wieder aufzubauen und zu etablieren, wie es mein Großvater Manfred Swarovski gemacht hat, der mit Coco Chanel, Elsa Schiaparelli oder Christian Dior gearbeitet hat.

WOMAN: Wie wählen Sie die Künstler & Designer aus, mit denen Sie arbeiten?

Swarovski: In der Mode arbeiten wir schon mit den Jungdesignern in den Schulen wie dem Parsons College oder Central St. Martins. Wir mischen auch oft etablierte mit jungen Designern. Dieses Konzept erlaubt größere Überraschungen, es ist nie vorhersehbar. Wir schauen in die Industrie, beobachten wie die Leute arbeiten, auch wie sie mit unterschiedlichen Materialien umgehen. Dann sprechen wir mit ihnen und sehen, wie sie auf Kristall reagieren. Wenn wir dabei ein gutes Gefühl haben, ist es meist auch eine gute Zusammenarbeit.

WOMAN: Die Liste der Designer und Stars, mit denen Sie arbeiten, ist beeindruckend. Wer steht noch ganz oben auf ihrer Kollaborations-Liste?

Swarovski: Es ist eine Riesen-Liste! Marc Newson ist immer ganz weit oben! Jetzt gerade entwickelt er für uns die Preise für die Fashion Awards, die am 5.12. in London verliehen werden. Atelier Swarovski ist unser bestes Vehikel um auch mit neuen, jungen Designern zu arbeiten und diese auch zu promoten. Denn wenn wir mit ihnen arbeiten ist das natürlich für Swarovski gut, aber auch für die Designer selbst.

WOMAN: In welche Fashion-Keypieces werden Sie diese Saison investieren?

Swarovski: Ich liebe McQueen, der Stil ist feminin & strahlt Stärke aus – eine gute Kombi! Außerdem lange Blusen und Gilets. Diese Trends habe ich mir schon geschnappt. Und lange Stiefel!

WOMAN: Und beim Schmuck? Was sind die stärksten Trends in diesem Winter?

Swarovski: Unsere Lanvin-Kollektion finde ich perfekt – entweder in Gold mit gelben Steinen oder Silber mit blauen Steinen. Die Stücke sind groß aber nicht schwer. Schmuck soll Aufmerksamkeit erregen, aber muss auch tragbar sein.

WOMAN: Weihnachten naht. Haben Sie Tipps für den Schmuckkauf?

Swarovski: Klassisches aus der Atelier Swarovski "Core Collection" geht immer. Außergewöhnlicheres findet man in den Designer-Kollektionen. Ich verschenke diese am liebsten, vor allem an Leute, die sich für Mode, Kunst und Design begeistern.

WOMAN: Mixen Sie Mode- & Echtschmuck?

Swarovski: Da halte ich mich an Coco Chanel! Sie hat immer gemixt & wollte, dass die Leute raten. Wenn ich Diamanten trage, höre ich oft: "Das ist ein tolles Swarovski-Teil" oder andersrum. Der Punkt von Coco war, dass es nicht um den Wert geht, sondern ums Design!

WOMAN: Beim Modeschmuck kann man schneller auf Trends reagieren. Finden Sie Modeschmuck zeitgemäßer?

Swarovski: Es ist auf jeden Fall zeitgemäßer. Ich mag die enge Beziehung zwischen Mode und Schmuck. Und Echtschmuck ist ja auch ein Investment, da sollte man sich dann auch nicht so stark an Trends orientieren, damit man ihn ewig tragen kann.

WOMAN: Können auch Männer Kristalle tragen?

Swarovski: Für Männer empfehle ich Tischobjekte und edle Home-Accessoires. Oder Manschettenknöpfe! Bei den Farben sollte es dezent und uni sein, am besten grau auf grau, schwarz auf schwarz. Zurückhaltend und nicht ganz so strahlend und funkelnd.

WOMAN: Sie sind die einzige Frau im Executive Board von Swarovski & arbeiten seit 1995 im Konzern. Was hat sich in den letzten 11 Jahren verändert?

Swarovski: Die Marke hat sich sehr stark geändert. Sie wird nicht mehr nur mit den Kristalltieren assoziiert, sondern wir sind als Schmuckmarke bekannt. Wir sind international tätig, wir sind in 170 Ländern, wir haben 31.000 Angestellte, die Innovation läuft sehr gut. Aber uns ist auch klar, dass wir noch viel mehr zu tun haben in der Zukunft, z.B. in Sachen 3D-Druck. Früher waren wir eine österreichische Firma, heute sind wir eine internationale Firma mit österreichischen Wurzeln.

WOMAN: Sie entstammen einer der bekanntesten Familiendynastien Österreichs. Wie wächst mal als Swarovski in Tirol auf?

Swarovski: Die Leute kennen den Namen natürlich. Für mich war es aber dann doch eine Erleichterung, als ich mit 13 ins Gymnasium nach Deutschland kam, wo ich dann plötzlich nur noch Nadja war. Und nicht Nadja Swarovski. Als ich dann im Amerika studiert habe konnten die Leute den Namen ja nicht mal mehr aussprechen. Also war ich lediglich Nadja S.!

WOMAN: Wie ist es in einem Familienunternehmen tätig zu sein? Was sind die Herausforderungen?

Swarovski: Das wichtigste für mich ist professioneller Umgang. Allen Familienmitgliedern muss klar sein, dass es um die Firma geht und nicht um persönliches Präferenzen. Alle Entscheidungen müssen professionell und nicht familiär getroffen werden. Wir haben ein wahnsinniges Erbe und wir haben ein großes Glück, dass wir beitragen dürfen um dieses Erbe nach vorne zu bringen. Und nur wenn es diesem Erbe gut geht, geht es der Familie gut. Die Herausforderung ist, sicherzustellen, dass alle daran glauben. Ich bin in dieser Firma genauso wie ich es auch in einer anderen Firma wäre. Für uns als Familie ist es sehr inspirierend mit anderen Familienunternehmen zu sprechen und zu sehen, wie die es damit umgehen. Und wie sie es positiv weiterentwickelt haben.

WOMAN: Sie sind dreifache Mutter. Wie bringen managen Sie Ihr Leben mit Kindern und Karriere?

Swarovski: Man braucht wahnsinnig viel Unterstützung. Vom Ehepartner und man muss sich sein "Support-Team" aufbauen. Ob das daheim ist im Sinne von Schule und Nanny oder natürlich auch im Büro. Ich musste da auch erst selber draufkommen. Die Grenze zwischen Familienleben und Arbeit verschwimmt – gerade in einem Familienunternehmen – ein wenig. Man überlegt ständig wie man die Firma weiterentwickeln kann. Es gibt kein Montag bis Freitag, es ist 24/7. Das wichtigste sind aber die Grenzen, die man einhalten muss. Zwischen sich selbst und der Familie und zwischen sich selbst und der Arbeit. Man muss dann schon sehr diszipliniert sein.

Themen: Schmuck, Society