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Nahrungsmittelunverträglichkeit

Jeder fünfte Österreicher leidet unter Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die Symptome der Intoleranzen - und wie man damit umgehen lernt.


Nahrungsmittelunverträglichkeit

Normalerweise sind Vanja, Meta und Vivien friedliebende Menschen. Doch wenn es ums Essen geht, werden sie ziemlich "intolerant". Die Frauen haben nämlich ein Problem: Sie vertragen bestimmte Nahrungsmittel nicht. Ihr Darm revoltiert. Das heißt: Sie können etwa Milch, Obst und Getreide nur schwer verdauen und reagieren mit Blähungen, Krämpfen, Koliken & Co.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Die angeborene oder erworbene Aversion des Organismus gegen bestimmte Substanzen nennt man Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Intoleranz. Die Zahl der Betroffenen ist in den letzten Jahren drastisch angestiegen - so haben bereits 20 Prozent aller Europäer Intoleranzen (die häufigsten treten gegen Milch und Fruchtzucker, Weizen und Histamine auf).

Dabei schätzen Experten die Dunkelziffer viel höher. Denn die Diagnose ist langwierig, weil die Symptome oft sehr unspezifisch sind. Sie reichen von allgemeinen Schwächezuständen bis zu schwerwiegenden Verdauungsproblemen, die zu Mangelerscheinungen führen können.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten dürfen nicht mit Allergien verwechselt werden, die sich durch eine Immunreaktion des Körpers auf gewisse Fremdstoffe bemerkbar machen. Kleinste Mengen reichen, um allergische Reaktionen wie Ausschläge, Atemprobleme etc. hervorzurufen.

Bei einer Unverträglichkeit hingegen führt ein Enzymmangel zu Verdauungsstörungen, kleinere Mengen der Beschwerdesubstanzen werden hier toleriert. Dennoch lautet das oberste Gebot: Verzicht und Diät!

Lactoseintoleranz

Vanja kann davon ein Lied singen: "Sechs Jahre lang versuchte ich dahinterzukommen, warum ich nach dem Essen an Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen leide." Vanja war bei vielen Ärzten und Therapeuten - bis die 36-jährige Pilates- und Yogatrainerin beim Internisten einen Atemtest machen ließ, der die Milchzucker-Unverträglichkeit feststellte.

Dabei bekommt der Patient nüchtern 50 g Milchzucker in Wasser aufgelöst zu trinken, danach wird gemessen. Nun wird im Atem Wasserstoff nachgewiesen, der durch den Milchzucker entsteht, der im Darm nicht verdaut wird.

Eine weitere Möglichkeit ist, den Blutzuckerwert festzustellen. Bei Laktose-Intoleranz fehlt dem Dünndarm nämlich gänzlich oder teilweise ein Enzym - die Laktase. Der aufgenommene Milchzucker kann also nicht resorbiert werden. Die Lösung: auf Milch verzichten. Im Notfall helfen spezielle Medikamente (teuer!), die dem Organismus das Enzym zuführen.

Zöliakie – Getreideunverträglichkeit

Nicht diagnostizierte Unverträglichkeiten können ziemlich gefährlich werden. Meta war bekannt dafür, viel essen zu können, ohne zuzunehmen. Dass es sich bei ihrem vermeintlichen "Glück" um ein gesundheitsschädliches Problem handelt, wurde erst nach einer Blutuntersuchung festgestellt: "Mein Blutbild war so schlecht, dass ich ins Krankenhaus musste. Ich hatte einen großen Mangel an Nährstoffen wie Eisen."

Dort wurde der Grund für ihre Unterversorgung mittels Dünndarmbiopsie festgestellt: Zöliakie. Dabei handelt es sich um eine durch den Kontakt mit Gluten ausgelöste chronische Entzündung im Dünndarm, die zu einer Schädigung führt und die Nährstoffaufnahme unmöglich macht. Die Unverträglichkeit gilt für das in Getreidesorten wie Weizen und Roggen enthaltene Klebereiweiß. Auch hier gilt: lebenslange Diät.

Nahrungsmittelunverträglichkeit kommt oft nicht alleine

Oft bleibt es nicht bei einer einzigen Unverträglichkeit. So leidet Vivien sowohl unter Fruktose-Malabsorption als auch Laktose-Intoleranz. "Ich hatte sieben Jahre lang Beschwerden wie Durchfall, Herzklopfen oder Schwindel", erzählt sie. Sie hat unter diesen Symptomen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch gelitten. "Man fragt sich oft, ob nicht hinter den Problemen was Ernsteres stecken kann." Aber die ärztliche Untersuchung (H2-Atemtest) hat ihr die Angst genommen!

Die Symptome der Nahrungsmittelunverträglichkeit

• Milchzucker-Intoleranz

Die Symptome:
15 bis 30 Minuten nach dem Genuss von Milch(produkten) treten Blähungen und Bauchkrämpfe auf. Weiters: Übelkeit bis zum Durchfall.

Die Diagnose:
Blutzuckerkontrolle oder H2-Atemtest. Milchzuckerunverträglichkeit kann seit kurzem auch mittels eines Gentests festgestellt werden.

Verzicht:
Laktose ist in Milchprodukten enthalten (Pudding, Joghurt, Weichkäse etc.)! Vorsicht bei Wurst, Aufstrichen, Schoko, Medikamenten. Auch bei Packerlsuppen und Dosen!

Erlaubtes:
Soja-, Kokos- und Reismilch. Mittlerweile in jedem Supermarkt erhältlich (z.B. Joya). Obst, Gemüse.

Tipp vom Arzt:
Lactose-Intoleranz kann manchmal auch eine vorübergehende Begleiterscheinung einer entzündlichen Darmkrankheit oder einer Therapiemaßnahme (wie Chemotherapie) sein.

• Fruktoseintoleranz

Die Symptome:
Die Aufnahme von Fruktose im Dünndarm ist gestört, sie gelangt in den Dickdarm und wird von Bakterien abgebaut. Es entstehen Gase und Bauchbeschwerden.

Die Diagnose:
Eingeschränkte Funktion des Transporteiweißes, das Fruktose vom Darm ins Blut schleust.

Verzicht:
Marmelade, getrocknete Früchte, frische Früchte limitiert.

• Zöliakie – Glutenunverträglichkeit

Die Symptome:
Gewichtsverlust, Durchfall, Müdigkeit. Vitamin- und Mineralienmangel. Besonders Eisen und Kalzium können nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden.

Die Diagnose:
Die Blutuntersuchung weist spezielle Antikörper nach. Auch eine Magenspiegelung inkl. Gewebeprobe des Dünndarms gibt Aufschluss.

Verzicht:
Lebenslang glutenfrei ernähren, kein Brot, Nudeln; Desserts, Saucen, Paniertes sind tabu. Achtung auf verstecktes Gluten in Fertigprodukten!

Erlaubtes:
Glutenfreie Getreideprodukte (z. B. von Schär, in Drogerien), Reis, Mais, Hirse, Kartoffeln, Sojabohnen, Fleisch, Milch, Obst, Gemüse, Eier und Gebäck aus Maismehl!

Tipp vom Arzt:
Sinnvoll ist es, zu Multivitamin- und Mineralienbeigaben zu greifen. Ein Verstoß gegen die Diät führt zu einem erhöhten Risiko von Osteoporose. Bei Kindern zu Wachstumsverzögerung.

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