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Nahrungsmittelunverträglichkeit: Zöliakie

Rund 80.000 Österreicher vertragen kein Getreide-Gluten. Sie leiden an Sprue (oder: Zöliakie) – oft ohne es zu wissen. Die Symptome – und was hilft.


Nahrungsmittelunverträglichkeit: Zöliakie
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Getreide ist gesund und gehört zu einer ausgewogenen Ernährung – doch nicht auf jeden Menschen wirken Weizen, Gerste & Co. segensreich. Im Gegenteil: Manchem reicht schon ein Bissen Brot, und der Bauch schmerzt. Sie leiden an Nahrungsmittelunverträglichkeit. (Lesen Sie hier: So stellen Sie Ihre Ernährung um ).

Gluten: Wenn der Körper rebelliert

Ausgelöst werden die Schmerzen durch das Gluten, auch Klebereiweiß, das vor allem in Getreide, aus dem Brot und Nudeln hergestellt werden, steckt. Zum Beispiel in Weizen, Roggen, Gerste oder Dinkel. Aber auch Babynahrung, Fertiggerichte, Fruchtjoghurts, Schokolade, Wurst oder Pizza können Gluten enthalten – denn die Proteine werden auch als Aromen oder Stabilisatoren eingesetzt und oftmals nur als E-Nummer auf der Packung vermerkt.

Zöliakie: Wenn der Magen rebelliert

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die sogenannten Zotten im Darm lädiert sind. Sie erfüllen nun nicht mehr ihre Funktion, Nahrung weiter abzubauen und Nährstoffe ins Blut zu schleusen.

Die Schäden am Dünndarm kommen zustande, weil Gluten bei entsprechender Veranlagung verschiedene Immunzellen aktiviert. Diese greifen daraufhin gesundes Darmgewebe an, als müssten sie Infektionserreger vernichten. Dadurch entzünden sich die Schleimhautfalten und werden nach sechs Stunden abgestoßen – bevor sie die eigentliche Größe erreicht haben. Die Innenseite des Darms wird so allmählich flacher; Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Vitamine oder Mineralstoffe können nicht mehr ausreichend aufgenommen werden. Die Folge: Auf Dauer ist der Körper unterversorgt.

Zöliakie: ein altes Krankheitsbild

Zöliakie ist ein sehr altes Krankheitsbild. Erste Berichte gab es schon im zweiten Jahrhundert; erstmals als "Sprouw" (Niederländisch: Mundaphten) bezeichnete sie der Holländer Vincent Ketelear 1669. Daraus entwickelte sich der Begriff "Sprue", wie die Zöliakie beim Erwachsenen früher hieß.

Heute zählt Gluten-Unverträglichkeit zu den häufigsten nicht-infektiösen Darm-Krankheiten und kann sich bereits in den ersten Lebensmonaten zeigen. Oft treten die Symptome auch erst im Erwachsenenalter auf, Schätzungen zufolge sind hierzulande 80.000 Erwachsene betroffen – Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer.

Die Symptome bei Zöliakie

90 Prozent der Patienten haben Durchfall , 88 Prozent Gewichtsverlust, leiden aber auch an Blähungen, Depression, Übelkeit, Gelenkschmerzen oder auch Verstopfung.

Dann können auch noch viele atypische Symptome wie Eisenmangel , häufige Aphthen oder eine Schilddrüsen-Unterfunktion auf eine Zöliakie hinweisen. Durch die untypischen Symptome passiert es häufig, dass die richtige Diagnose Jahre dauert.

Lebenslang glutenfrei

Zöliakie ist genetisch bedingt und tritt familiär häufig auf: Kinder von Betroffenen haben ein fast 15faches Risiko. Bei familiärer Disposition empfiehlt es sich, das Blut auf Antikörper untersuchen zu lassen. Denn möglicherweise ist die Zöliakie schon in der ersten Phase, obwohl sich die Symptome noch nicht zeigen. Bleibt die Krankheit unentdeckt, können schwere Mangelerscheinungen die Folge sein. Zudem steigt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Obwohl es bereits eine ganze Menge therapeutische Ansätze gibt, ist die Zöliakie bislang nicht heilbar. Die Therapie der Wahl ist nach wie vor eine glutenfreie Kost. Wird die Erkrankung früh genug erkannt, regeneriert sich die Schleimhaut glücklicherweise weitgehend oder sogar vollständig, und die Beschwerden verschwinden zur Gänze.