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Naomi Watts im Interview

"Lady Di" ins Kino. Das WOMAN-Interview.


  • Naomi Watts: Die Australierin ist für den Tsunami-Film "The Impossible" Oscar-nominiert.

    Bild 1 von 1 © Getty Images

Wenn Naomi Watts mit ihrer Familie unterwegs ist, gibt’s von Starglamour keine Spur. Als echte "Manhatties“ strampelt man auf Drahteseln - Partner Liev Schreiber mit Kindersitzen hinten und vorne, für die gemeinsamen Blondschöpfe Sasha, 5, und Sammy, 4. Naomi balanciert auf ihrem Rad dafür die Einkäufe.

"Im Supermarkt erkennt mich keiner“, freut sich die australische Schauspielerin,44, die wohl gerade wegen ihrer Unauffälligkeit gut in die Haut von "real life“-Personen schlüpfen kann. So zeigt ihr neuester Film "The Impossible“ (ab 1. Februar im Kino) die wahre Geschichte von Maria, Henry und ihren drei Söhnen, die 2004 in Thailand Urlaub machten, als der verheerende Tsunami mehr als 240.000 Menschen tötete. Maria überlebt, schwer verletzt, mit einem Sohn durch die Flutwelle weit ins Land geschleudert. Im Chaos einer verwüsteten Gegend, ohne Papiere, inmitten von Tausenden herumirrenden Fremden, versucht die Familie, zueinanderzufinden.

Obwohl ihr berührendes Spiel Watts eine Oscarnominierung einbrachte, macht sie mit einer anderen wahren Story noch mehr von sich reden: In "Diana“ spielt die Wandelbare Lady Di, die nach ihrer Trennung von Prinz Charles mit dem Herzchirurgen Hasnat Khan die große Liebe sucht.

Naomi Watts im Interview:

WOMAN: Wie sehr haben die Dreharbeiten für "The Impossible“ Sie gefordert?

Watts: Wasser ist immer eine harte Sache, besonders für mich. Ich wäre als Teenager einmal fast in einer Flutwelle ertrunken. Bei Unterwasserszenen geriet ich in Panik. Eigentlich hatte ich nach "King Kong“ Actionfilmen abgeschworen, so fertig war ich damals.

WOMAN: Wieso haben Sie dann zugesagt?

Watts: Man vergisst es wieder. Wie bei einer Geburt, nicht wahr? Man tut sich’s einfach wieder an. Dabei hielt ich es zuerst für keine gute Idee. Ein Filmspektakel über ein Ereignis, bei dem so viele Menschen ums Leben gekommen sind? Aber dann sah ich die Geschichte, die in der Katastrophe verpackt ist, die berührende Geschichte einer sehr innigen Familie und einer starken Frau.

WOMAN: Sie haben die echte Maria getroffen. Wie war die Begegnung?

Watts: Ich war sehr nervös, dachte, ich werde sicher lauter Blödsinn fragen. Also bin ich einfach dagesessen und habe gewartet. Da sind ihr plötzlich die Tränen gekommen und mir auch. Wir haben uns einfach nur umarmt. Ihre ganze Geschichte lag in einem Blick. Sie ist so beeindruckend …

WOMAN: Wieso?

Watts: Ich bin immer ein bisschen zynisch, desillusioniert - aber sie lebt jeden Augenblick euphorisch und völlig ohne Furcht!

WOMAN: Hätten Sie auch solche Reserven beim Überlebenskampf?

Watts: Das frage ich mich auch. Hätte ich diese starken Überlebensinstinkte entwickelt, die sie regelrecht "überfallen“ haben, als sie immer mehr Blut verlor? Vielleicht entwickelt man diese Kräfte, wenn Kinder im Spiel sind.

WOMAN: Sie haben selbst zwei Buben …

Watts: Ja, ein Aspekt des Films hat mich deshalb sehr berührt. Maria musste etwas tun, das keine Eltern ihren Kindern wünschen: Sie musste ihrem Sohn die Verantwortung für sie übergeben.

WOMAN: Sie haben Ihre Kinder spät bekommen. Hat sich Ihr Leben verändert?

Watts: Man hinterfragt plötzlich alles. Sogar Kleinigkeiten: "Hätte ich ihnen das schenken sollen? Oder ist das Bestechung?“ Und ich kann nicht mehr für meine Arbeit leben und atmen wie früher. Ich sehne mich danach, heimzugehen. So einfach ist das.

WOMAN: Wollen Sie, dass Ihre Kinder "The Impossible“ später mal sehen?

Watts: Sie waren die ganze Zeit am Set dabei. Liev und ich hatten sie darauf vorbereitet, was sie sehen würden. Am ersten Tag hatte ich kleine Kratzer, ein bisschen Blut und viel Dreck an mir und wollte meine "tieferen Wunden“ vor ihnen verstecken. Aber schon bald haben sie mich im Make-up-Truck mit Feuereifer mit Schokoladepulver - für den Dreck - beschmiert. Es war ein Riesenspaß!

WOMAN: Sie haben gerade Prinzessin Diana gespielt. Ein großer Druck?

Watts: Auch für diese Rolle musste ich alles geben, sie war ja die berühmteste Frau ihrer Zeit - die Leute stellen sofort Vergleiche an, wie du aussiehst, gehst oder sprichst. Ich bin nicht so groß wie sie und sehe ihr nicht ähnlich. Ich hatte große Angst, zu versagen.

WOMAN: Trotzdem sagten Sie zu …

Watts: Ich konnte einfach nicht ablehnen, trotz meiner Angst, Ja zu sagen. Eine faszinierende Frau, ein außergewöhnliches Leben, ein Stück Geschichte. Der Film zeigt ihre letzten beiden Jahre, ist eine Charakterstudie … (senkt den Kopf und wirft mit blauen Augen unter langen Wimpern den typischen "scheue Di“-Blick herüber).

WOMAN: Und wie haben Sie sich in die Prinzessin hineingefühlt?

Watts: Es gibt fast zu viele Informationen, und viele davon widersprechen einander. Also habe ich meine eigenen Recherchen angestellt.

WOMAN: Wie war die wahre Diana also?

Watts: Voller Widersprüche. Stark, kompliziert, intelligent und verletzlich. Sie hatte großen Sinn für Humor und eine rebellische Ader. Sie hat wirklich um ihr Glück gekämpft, aber der Druck der Medien hat sie isoliert, sie musste jeden Schritt vorplanen, was sie am Ende ihres Lebens in eine Paranoia getrieben hat. Und sie hatte eine - auch körperlich - erfüllte Beziehung mit Hasnat.

Redaktion: Jessica Young, Barbara Poche