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Brustkrebs: Tagebuch einer Genesung

Natalie Kriwy war 32 Jahre alt, als sie die Diagnose Brustkrebs erhielt. Seitdem hat sie tausende Selbstporträts gemacht - als "Tagebuch einer Genesung".


Brustkrebs: Tagebuch einer Genesung

Natalie Kriwy: Lachen statt Verzweiflung als Therapie

© Natalie Kriwy

Anfang September 2011 entdeckte ich in meiner linken Brust eine kleine, feste Kugel. Sie beunruhigte mich sehr. Zehn ungewisse und belastende Tage vergingen, bis nach verschiedenen Arztbesuchen die Diagnose schließlich feststand. Als ich am 14. September erfuhr, dass es sich bei dieser kleinen Kugel um Brustkrebs handelte, war ich fast erleichtert. Ich wusste endlich, was los war und dass jetzt etwas dagegen unternommen werden würde.

Die Fotografin Natalie Kriwy war 32 Jahre alt, als sie die Diagnose Brustkrebs bekam. Erst sei sie schockiert gewesen. Dann optimistisch. "Ich wollte den Krebs besiegen, indem ich ihn nicht zu ernst nahm, mich auf das Positive konzentrierte und die Veränderungen an meinem Körper auch mit
Neugier beobachtete." Tausende Selbstporträts fertigte sie während der zweijährigen Therapie an, sparte auch ihre beidseitige Brustamputation nicht aus. Manche der Fotos sind augenzwinkernd, positiv. Andere nüchtern dokumentarisch.

Erst später kam Kriwy die Idee, aus ihren Bildern und Texten ein Buch zu machen. Nun ist "14/09 Tagebuch einer Genesung" im Prestel Verlag erschienen (€ 30,80). Kriwy: "Mit diesem Buch möchte ich Mut machen zum Durchhalten und zum Kämpfen und zum Weiterleben." Wir veröffentlichen einige Bilder ihrer bewundernswerten Chronik:

15.10.2011: Gestern Nachmittag habe ich mir eine Mütze aufgesetzt und sie die Nacht über aufbehalten, damit ich mir die Haare nicht alle am Kissen vom Kopf reibe. Mal sehen, wie es unter der Mütze aussieht.

15.10.2011: Zwei Stunden lang habe ich mir die Haare vom Kopf gezogen. Den Rest rasiere ich ab.

06.11.2011:Ich habe zwei Perücken, trage sie aber selten. Die gehäkelten Mützen von Tante Maria sind mir lieber.

27.11. 2011: Ich bin etwas erkältet und hoffe, dass ich nicht krank werde.

30.11.2011: Chemotherapie: Doxorubicinhydrochlorid. Die Farbe erinnert mich an Aperol Spritz. Drei Wirkstoffe laufen in mich hinein.

07.01.2012: Ich bin Trägerin des BRCA1Gens. Zwei Tage vor Weihnachten kam das Ergebnis der Humangenetiker. Damit steht für mich fest, dass die Brüste wegkommen. Meine Freundin Sophie bemalt mir den Oberkörper.

14.02.2012: Die Brüste sind weg. An die Wunden darf kein Wasser kommen. Die erste Drainage wurde bereits gezogen, die zweite muss noch bleiben. Es läuft immer och zu viel Wundflüssigkeit heraus.

14.02.2012: Gestern bin ich dreiundreißig geworden. Vor genau fünf Monaten hat Frau Fischer mir mitgeteilt, dass ich Brustkrebs habe. Jetzt ist die Therapie abgeschlossen.

03.03.2012: Augenbrauen und Wimpern fallen weiterhin aus. Das ärgert mich.

03.03.2013:Mein Freund Basti und ich besuchen meine Mutter zum ersten Mal in ihrem neuen Zuhause in Pèrols in Frankreich. Im Garten gibt es einen Pool.

13.09.2012:So einen Lockenkopf hatte ich nich nie. Auch die Haarfarbe ist ganz anders als vorher.