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Wir haben eine Expertin gefragt, welche Umwelt-Themen wichtiger sind als die Schnitzel-Frage

"Das Schnitzel darf nicht zum Luxus werden" – die Fleischsteuer polarisiert im Wahlkampf. Wir haben eine Expertin nach den wichtigeren Umwelt-Themen gefragt.

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Wir haben eine Expertin gefragt, welche Umwelt-Themen wichtiger sind als die Schnitzel-Frage
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Luxus-Schnitzel, Teigtaschen-Mafia, Free-TV-Bundesliga usw. - der Wahlkampf beschert uns Themen, die die WICHTIGEN PROBLEME VÖLLIG ÜBERLAGERN. Wer ernsthaft Probleme anspricht und versucht glaubhaft Lösungen zu finden, steht derzeit im Schatten. Im Licht sind jene, die massentauglich mit Schlagworten agieren und an die Ressentiments der Bevölkerung appellieren. Die wirklich wichtigen Anliegen bleiben so allerdings auf der Strecke. "Wahlkampf bedeutet, möglichst große Bevölkerungsgruppen anzusprechen und sie für sich zu mobilisieren" , sagt die renommierte Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle. "Und das gelingt mit Themen, die ein plakatives Beispiel zur Vermittlung bieten oder emotional bewegen. Das ist das Schnitzel oder die Bundesliga durchaus." Trotzdem: Traut man den WählerInnen nicht mehr ernsthaftes Interesse zu? Die Politologin verortet das Problem woanders: "Die Parteien haben sich inhaltlich immer mehr aufeinander zubewegt, was eine Unterscheidung schwierig macht. Daher müssen einzelne Themen kommuniziert werden, die polarisieren und damit auch mobilisieren."

Sieben Expertinnen analysieren die dringlichsten Anliegen von Bildungs bis Integrationspolitik, von Pflege bis Umwelt. WOMAN hat den großen Politik-Report mit sinnvollen Lösungsvorschlägen. Los geht's mit dem Thema Umwelt und unserer Expertin Katharina Rogenhofer. Die studierte Biologin hat die "Fridays for Future"-Bewegung und das Volksbegehren initiiert.

CO2 statt Fleischsteuer, Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, Expertinnenkommission

WOMAN: Das Schnitzel hat im Wahlkampf polarisiert. Wie sinnvoll wäre eine Fleischsteuer?
Rogenhofer: Wenig, weil es das eigentliche Problem nicht löst. Eine Fleischsteuer wird nämlich dem Klima wenig bringen.

Also eine CO2-Steuer?
Genau. Fleisch aus Argentinien ist für den ökologischen Fußabdruck viel schlimmer als regionales. Ich glaube, dass sich die Politik bei diesem Thema ohnehin die Frage stellen muss: Was importieren wir und unter welchen Standards? Was die Steuer betrifft: Sie würde auch eine Preiswahrheit für jene Kosten herstellen, die die Gesellschaft tragen muss. Gleichzeitig kommt Geld in die Staatskassen, um das sozial verträglicher zu machen. Also für jene Menschen abzufedern, die es sich nicht leisten können, dass bestimmte Dinge teurer werden.

Wird die künftige Regierung unbequeme Entscheidungen treffen müssen? Sprich: Wird es nicht ohne Verbote gehen?
Es wird unpopuläre Maßnahmen geben müssen. Aber es geht darum, welche Alternativen ich den Menschen zur Verfügung stelle. Ich würde mir hier erwarten, dass eine künftige Regierung selbst Verantwortung übernimmt, statt sie immer ans Individuum abzugeben. Ich kann nicht von jemandem verlangen, mit dem Zug zu fahren, wenn die Verbindungen nicht ausreichend gegeben sind. Ein Ausbau von Nah-und Fernverkehr wäre ohnehin ein wichtiger nächster Schritt.

Wie wichtig ist es, dass Politiker in Sachen Klima in Zukunft mit Experten zusammenarbeiten?
Ich fände eine Klimakommission, die den Ministerien übergeordnet ist, wichtig. Die würde garantieren, dass Klimaschutz ein Querschnittsthema aller politischen Ressorts werden kann.

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