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Naturheilkunde selbst gemacht: Wofür helfen welche Kräuter?

Warum immer gleich die Apotheke bemühen? Im großen Garten von Mutter Natur wächst ein Kraut für fast jedes Wehwehchen. Wir erklären die Wirkung der zehn gängigsten heimischen Heilpflanzen und haben Rezepte zur besten Nutzung.

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Kräuter
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Beinwell: fürs Gewebe

Bei Gicht, Rheuma, Gelenkschmerzen, Arthrose, Knochenbruch, Verstauchungen, blauen Flecken, Quetschungen oder Bänderzerrung ist - neben Arnika -Beinwell seit mehr als 1000 Jahren beliebt. Die Tinktur zum Einreiben kann man leicht selbst machen: 100 g frische Beinwellwurzel zerkleinern und mit 900 ml 40-prozentigem Alkohol übergießen. Gut verschließen und vier Wochen an einem dunklen Ort stehen lassen. Die tiefschwarze Tinktur abseihen, sie hält ca. zwei Jahre.

Klette: Haut und Haare

Die entzündungshemmende, antimikrobielle Wirkung der Klette kennt die Volksmedizin seit Jahrhunderten. Der Tee aus getrockneten Blättern ist perfekt bei Magenproblemen. Besonders profitieren die Haarwurzeln von der Heilwirkung. Bei trockener, juckender Kopfhaut oder Haarausfall einen Teelöffel Klettenöl einreiben, über Nacht wirken lassen: 20 g zerkleinerte Klettenwurzel mit 200 ml Mandelöl begießen, 4 Wochen an dunklem Ort ziehen lassen. Abseihen, hält circa ein Jahr.

Johanniskraut: gegen Narben

Egal welche Hautirritation: Joahnniskrautöl macht es wieder gut. Mehrmals täglich mit einem Tropfen eingerieben, bleiben bei Brandwunden, kleinen Hautekzemen, Juckreiz oder Sonnenbrand garantiert keine Spuren zurück: 2 Handvoll frische Blüten leicht zerdrücken und mit 500 ml Olivenöl übergießen. 6 Wochen an einem hellen, warmen Ort stehen lassen, abseihen. Hält etwa ein Jahr. Getrocknet in Teeform wirkt es außerdem nervenstärkend und gegen Erschöpfung.

Schlüsselblume: gegen Husten

Die vielen Saponine in den gelben Blüten wirken schleimlösend und erleichtern so das Abhusten bei hartnäckigen Erkältungen. Unterwegs lindern süße Schlüsselblumenzuckerl den Hustenreiz: 30 g frische Blüten und etwa 50 g Zucker mit dem Pürierstab zu einer Paste verarbeiten. Weitere 450 g Zucker in einem Topf erhitzen, bis er aufgelöst ist, Paste dazugeben und gut mischen. Auf einem gut gefetteten Backblech fingerdick auftragen und auskühlen lassen. Dann in mundgerechte Stücke schneiden.

Salbei: entzündungshemmend

Mund-, Rachen- & Zahnfleischentzündungen sind der wichtigste Einsatzbereich für dieses wohlschmeckende Kraut. Bei Halsschmerzen die frischen Blätter einfach mit Wasser aufgießen und so heiß wie möglich damit gurgeln. Bei Zahnfleischproblemen einen Tee aus 40 g getrocknetem Salbei, 30 g Brombeerblättern und 30 g Blutwurz mischen. Mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen und über den Tag als Mundspülung gurgeln.

Fichtenwipferl: fitte Atemwege

Die grünen, frischen Triebe der Fichten sind voller ätherischer Öle, Harze, Tannine und Vitamin C. Das wirkt antiseptisch bei allen Erkrankungen der Atemwege. Und ist die beste Medizin als Sirup: 500 g Fichtenwipferl und 1000 g Zucker abwechselnd in ein Einmachglas schichten. Zuerst eine Schicht Wipferl, dann eine Schicht Zucker usw. Als Letztes kommt eine Zuckerschicht. Verschließen und zwei Wochen an einem sonnigen Ort stehen lassen. Sirup abseihen und abfüllen.

Löwenzahn: Leber und Galle

Die Bitterstoffe bringen die Magensäfte in Fluss. Das unterstützt Leber und Galle bei der Fettverdauung, nimmt das Völlegefühl und regt die Darmtätigkeit an. Der Tee aus den Wurzeln ist sehr bitter. Besser schmeckt der Sirup (mehrmals täglich ein Teelöffel): 2 Handvoll Löwenzahnblüten mit 2 Zitronenhälften in 1 l Wasser 10 Minuten köcheln. Über Nacht abkühlen lassen. Blüten abseihen, mit 1 kg Zucker zu Sirup aufkochen. Noch heiß in Flaschen füllen, hält im Kühlschrank sechs Monate.

Spitzwegerich: Lungenkraut

Bei Husten, Heiserkeit, Bronchitis oder Erkältung wirkt die auch Lungenkraut genannte Pflanze schleimlösend. Der Tee (max. drei Mal/Tag zwei getrocknete Teelöffel heiß übergießen) hilft außerdem bei Magen- & Verdauungsproblemen, Sodbrennen und Zahnschmerzen. Frische Spitzwegerichblätter kann man auf Wunden, Ekzeme und akut auf Insektenstiche auflegen bzw. ihren Saft darauf verreiben. Das lindert den Juckreiz und beschleunigt die Heilung. Beste Sammelzeit ist der Frühsommer.

Holunder: fiebersenkend

Egal ob als Blüte oder Beere, der Holunder ist eine der ältesten Heilpflanzen Europas und wird vor allem bei Fieberkrankheiten eingesetzt. Der Tee aus den getrockneten Blüten gilt als schweißtreibend und damit temperatursenkend. Der Saft aus den Beeren schmeckt nicht nur gut, er hilft auch bei Erkältungen, Husten oder Heiserkeit: 2 Kilo Holunderbeeren von den Dolden lösen, mit 1 l Wasser, 1,5 Kilo Zucker und 1 Vanilleschote 20 Minuten köcheln. abseihen und noch heiß abfüllen. Hält sechs Monate.

Frauenmantel: bei der Menstruation

Die germanische Fruchtbarkeitsgöttin Freya ist Patin dieser Pflanze, die bei allen Beschwerden rund um den weiblichen Zyklus wertvolle Dienste leistet. Zwei Tassen Tee täglich aus dem getrockneten Kraut, beginnend zehn Tage vor dem nächsten Zyklus, mindern das Prämenstruelle Syndrom, starke Blutungen und Krämpfe. Drei Wochen vor und nach einer Geburt täglich getrunken, soll er damit verbundene Beschwerden lindern. Und auch als Schönheitselixier dient der Tee: Er ist zellschützend und fängt freie Radikale.

Buchtipps:

Die Alpen-Apotheke - Hausmittel zum Selbermachen. Wer die Kraft der Kräuter nutzen will, sollte genau Bescheid wissen. Der Apotheker Arnold Achmüller hat viele erprobte Heilrezepte für Salben, Wickel und Tinkturen gesammelt. Von Atemwegserkrankungen über Gallenprobleme bis zu Frauen-und Kinderheilkunde reicht die Palette. Knaur, € 17,50.

Magische Beauty- & Kräuterexperimente. Dem Nutzen von Kräutern wohnt eine magische Energie inne. Optimal entfaltet sie sich durch den richtigen Erntezeitpunkt, die beste Mondphase bei der Zubereitung oder das exakte Mischverhältnis nach den Regeln von Mutter Natur. Birgit Jankovic-Steiner und Andrea Skaloud haben dieses Wissen in ein Buch über zwölf Kräuter mit 120 Rezepten gepackt. Freya-Verlag, € 15,40.

Natürlich leben ohne Chemie mit Wildkräutern und Hausverstand. Es muss nicht immer die Chemiekeule sein, viele Beschwerden bekommt man auch auf sanfte Art in den Griff. Karoline Postlmayr kennt das bäuerliche Wissen ihrer Vorfahren und liefert Rezepte für Schlafen ohne Störung, Zähne ohne Karies und Essen ohne Sünde. Ennsthaler, € 17,40