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Need A Mom? HIER ist sie!

Du brauchst einen mütterlichen Rat, aber keine Mutter, die dich vor Freunden blamiert? Wir stellen vor: Nina Keneally, die einen Mami-Service in New York gegründet hat.


Need A Mom? HIER ist sie!

Nina Keneally, 63: Die zweifache Mutter unterstützt junge New Yorker

© Nina Kineally

Als Nina Keneally, attraktive 63 Jahre alt und Mutter zweier erwachsener Söhne, vor zwei Jahren mit ihrem Mann von Connecticut zurück in den New Yorker Stadtbezirk Brooklyn zog, fiel ihr etwas auf. "In meiner Yoga-Klasse, in Cafès, im Freundeskreis meiner Söhne oder auch nur, wenn ich meinen Hund im Park Gassi führte – überall in New York traf ich auf junge Leute, die erst seit kurzem in der Stadt leben. Alle sind sie cool, gutaussehend, haben lässige Jobs - und trotzdem wirken sie ein wenig verloren."

Ninas Schluss: Was diesen Mit-Zwanzigern fehlt, ist eine Mutter. Aber keine, die Vorhaltungen macht, weil sie den Veganismus des Sohnes für einen Anfall geistiger Umnachtung hält oder im pink gefärbten Haar der Tochter Anzeichen für übermäßigen Drogenkonsum ortet.

Sondern eine, die zuhört, die da ist, wenn es Probleme gibt – aber eine, die niemals verurteilt oder ihre Kinder vor den Freunden blamiert.

NeedAMomNy.com: Hipster schütten Nina ihr Herz aus

Und weil Nina Keneally, ehemalige Drogen-Rehabilitationsberaterin und ausgebildeter Coach, seit dem Auszug ihres Fortpflanzes viel Tagesfreizeit hat und sich außerdem für junge Menschen interessiert, entwickelte sie aus ihrer Beobachtung eine Business-Idee: NeedAMomNY.com, ein Mami-Service für alle Hipster der amerikanischen Metropole. Für flotte 40 Dollar die Stunde können 20- bis 35-Jährige bei Nina ihr Herz ausschütten. Was sie so schwallen? Wir haben Nina einfach mal gefragt.

Nina Keneally: "Die brauchen einfach jemanden, der zuhört"

WOMAN: Warum meinst du, dass junge Erwachsene, die einen Job haben, also voll im Leben stehen, noch einen Mutter-Ersatz brauchen?
Nina Keneally: Ich bin ja kein Mutter-Ersatz, um Gottes Willen. Die Leute, die meinen Service in Anspruch nehmen, haben allesamt eine Mama, die sie auch sehr lieben. Die meisten jedoch sind, so wie ich, erst vor kurzem in die Stadt gezogen. Ihnen fehlt der familiäre Rückhalt. Sie sind einsam, sie suchen jemanden, der ihnen zuhört, der sie mütterlich wohlwollend berät. Aber ohne sie für ihre Entscheidungen zu kritisieren oder ihnen Vorhaltungen zu machen.

WOMAN: Klar, aber dafür habe ich ja auch Freunde...
Nina: Man unterschätzt, wie einsam Menschen oft sind, vor allem in einer Stadt wie New York. Alle sind nett, alle sind cool, aber alles ist auch wahnsinnig oberflächlich. In einer Atmosphäre, wo so vieles Schein ist, will man seine Probleme und Sorgen nicht auf den Tisch legen. Man möchte ja das Fremdbild nicht beschädigen.

»Die jungen Leute können mir ihre Sorgen erzählen, aber ich werde sie nie kritisieren«

WOMAN: Erzähl' doch mal, wie das bei dir in einer NeedAMom-Sitzung so abläuft...
Nina: Ich treffe meine Klienten an einem gemütlichen Ort, wo man gut plaudern kann. In einem Coffeeshop, im Museum oder im Park. Die Gespräche werden sehr schnell sehr offen, weil ich den Kunden sofort das Gefühl gebe, dass ich ihnen einfach nur zuhöre. Es gibt doch kaum mehr Menschen, die das können. Zuhören. Die meisten warten ja nur, bis man seinen Satz fertig gesprochen hat, damit sie endlich dran sind und ihren Senf absondern können...

"In Connecticut ging es jungen Leuten um Familiengründung, in New York um Selbstverwirklichung"

WOMAN: Das heißt, du gibst gar keine Ratschläge, du hörst nur zu?
Nina: Ich bezeichne mich als "professionellen mütterlichen Mentor". Ratschläge gibt es von mir nur, wenn sie dezidiert eingefordert werden. Meine Aufgabe sehe ich eher darin, die jungen Menschen in ihren Entscheidungen zu bestärken und sie zu ermutigen.

WOMAN: Und was kommt da so?
Nina: Eine junge Frau wollte das Studium schmeißen. Aber sie hatte Angst, mit ihren Eltern darüber zu sprechen, weil es einen mordsmäßigen Krach gegeben hätte. Ich habe ihr Fragen gestellt, die ihr dabei geholfen haben, ihre Entscheidung für sich klar zu machen. Als sie sich ganz sicher war, welchen Weg sie einschlagen will, konnte sie auch mit ihren Eltern besser darüber reden.

»Eine Kundin meinte: 'Meine Mutter würde sofort dabei helfen – aber dann sitzt sie da und nervt mich mit ihren Fragen...'«

WOMAN: Als Mutter eines 18-Jährigen weiß ich: ein großer Teil der mütterlichen Aufgaben besteht auch darin, den Kühlschrank aufzufüllen, die schmutzigen Socken zu waschen oder den Junior zu einem Job-Termin zu begleiten. Wo endet dein NeedAMom-Support?
Nina: Ich wasche meinen Kunden nicht die Wäsche und ich hüte nicht ihr Haustier, wenn sie mal ein paar Tage die Stadt verlassen. Aber ich begleite sie in den Supermarkt und helfe ihnen, die Produkte zu kaufen, die sie brauchen, um selbst ihr erstes Abendessen zu kochen. Wenn eine Kundin nicht weiß, wie sie ein Loch in ihrem Sweater stopft, dann werde ich es ihr erklären – aber nicht die Aufgabe selbst übernehmen. Ich bin ein Mentor, keine Haushaltshilfe. Übrigens etwas, was Mütter sich ebenfalls stärker bewusst machen sollten...

WOMAN: Klingt alles recht banal. Warum ruft man bei solchen Problemen nicht wirklich kurz seine Mama an?
Nina: Nur ein Beispiel: eine Kundin hat mich gebeten, ihr beim Ausmisten ihres Kleiderschranks zu helfen. Sie meinte, ihre Mutter habe sich schon zig Mal als Hilfe angeboten. Das wollte aber die junge Frau nicht. Sie wusste, dass ihre Mama dann am Bett sitzt und sie mit Fragen über ihren Freund, ihren Job oder mit Stories über Onkel Johns letzte Operation nervt. Aber das sind in Wahrheit die selteneren Fälle. Die meisten meiner Kunden haben Probleme mit ihrem Freund, in ihrem Job oder stehen vor einer wichtigen Entscheidung und wollen einen Zuhörer, aber keinen Therapeuten, der sofort in ihrer Historie nach Traumata wühlt.

WOMAN: Wie viele Leute nutzen denn bereits den Mama-Service?
Nina:
Ich bin erst vor vier Wochen damit gestartet, habe aber bereits 12 Kunden. Manche kommen nur zweimal, andere rufen mich dreimal pro Woche an.

WOMAN: Ist NeedAMomNY.com ein Dienst, der nur in einer Stadt wie New York funktioniert?
Nina: Nö. Junge Menschen, die Support ohne Kritik brauchen, gibt es in jeder Stadt. Ich habe aber gemerkt, dass die Problemstellungen unterschiedlich sind. In Connecticut, wo ich lange Zeit gelebt habe, waren die Themen eher Familiengründung und Nestbau. In New York ist eine künstlerische, vibrante Atmosphäre, hier dreht es sich stark um Selbstverwirklichung.

Thema: Eltern

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