Ressort
Du befindest dich hier:

Warum du neu gekaufte Kleidung unbedingt waschen solltest

Am liebsten würde man Neues sofort anziehen - aber Vorsicht: Die in Textilien enthaltenen Chemikalien können Allergien und sogar Krebs verursachen!

von

Wäsche waschen
© Thinkstock

Das großartige neue Kleid, die neue Jeans, die deine Kurven perfekt betont, das neue Tuch, das zu wirklich jedem Otfit passt - all diese gerade frisch beim Shopping ergatterten Schätze wollen wir sofort vorführen und uns darin präsentieren. Jedoch könnte diese Ungeduld negative Folgen haben, denn allzu viele Textilien sind mit einer Unmenge an Chemikalien behandelt, mit denen wir uns überhaupt nicht schmucken wollen.

Warum dies so ist und was man dagegen tun kann, erklärte uns Michaela Knieli, Expertin für Ernährung und Ökotextilien von "die umweltberatung" :

WOMAN: Mit welchen Chemikalien werden Textilien in der Bekleidungsindustrie behandelt und warum?
Michaela Knieli: Da gibt es leider leider sehr viele: Bedenkliche Stoffe sind zum Beispiel Weichmacher: Man findet sie in Aufdrucken von T-Shirts und sie machen die Aufdrucke fließender und weniger steif.

Oder biozide Stoffe, wie Triclosan, werden als antimikrobielle Mittel bei Sportbekleidung verwendet und verhindern Schweißgeruch. Triclosan kann allerdings das Gleichgewicht der Haut stören. Für den Transport der Textilien werden wiederum häufig Insektizide eingesetzt, um sie vor Insekten bei dem langen Transport aus Asien zu schützen.

Farbstoffe, Bleichmittel, Aufheller und Färbebeschleuniger und andere Hilfsmittel können bis zu 30 Prozent Anteil am Textil ausmachen. Rund 1500 Farbstoffe sind bei Textilien erlaubt. Vielen Farbstoffen wird ein allergie-auslösendes Potenzial zugeschrieben. Diese werden vorwiegend zum Färben von synthetischen Fasern verwendet. Besonders problematisch sind die auf Basis von krebsauslösenden Aminen hergestellten Azofarbstoffe. Sie sind zwar in der EU verboten, allerdings finden sie trotzdem immer wieder einen Weg in unsere Kleiderkästen.

Auch Formaldehyd, das bei der Kleidung ein Teil der sogenannten Knitterfrei-Ausrüstung ist, darf verwendet werden - obwohl es Krebs und Allergien auslösen kann. Es gibt allerdings rigorose Grenzwerte.

WOMAN: Woran kann ich all das ohne Chemie-Baukasten erkennen?
Michaela Knieli: Oft reicht schon beim Einkauf das Riechen an der potenziell neuen Kleidung. Riecht die Kleidung extrem stechend und unangenehm: Lieber Finger weg davon! "die umweltberatung" empfiehlt, egal ob Kinder- oder Erwachsenenkleidung, unbedingt vor dem ersten Tragen zu waschen. So wird das Risiko minimiert, dass unerwünschte Chemikalien auf der Haut landen.

Noch besser ist es allerdings, Kleidung zu kaufen, die grundsätzlich frei von schädlichen Chemikalien ist. Bei grüner Mode stammen die Rohstoffe aus biologischem Anbau. Auch die sozialen Standards sind hier viel strenger als bei konventionellen Textilien.

WOMAN: Wie wirken sich diese Chemikalien auf den Menschen aus? Einerseits für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Firmen, anderseits für die uns, die die Kleidung tragen?
Michaela Knieli: Es gibt unzählige Beispiele über negative gesundheitliche Auswirkungen vom Chemieeinsatz im Textilbereich. Meist betrifft er nur die Arbeiterinnen und Arbeiter und es beginnt schon beim Versprühen der Pestizide auf den Baumwollfeldern, die Arbeitenden sind dem Gift direkt ohne Schutz ausgeliefert. Zum Beispiel gebleichte Jeans: In der Türkei sterben junge Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Textilindustrie mit Staublungen, weil Jeans mit unzureichender Schutzkleidung mit Sand gestrahlt werden. Der Sand frisst sich in die Lungen und zerstört diese unheilbar. Oder Näherinnen in Asien arbeiten 14 Stunden täglich und können vom Lohn kaum leben, Überstunden werden nicht bezahlt. Zudem sind die Arbeitsbedingungen unerträglich – Hitze, Lärm, Staub, keine Pausen.

WOMAN: Welche Konsequenzen hat es für mich, wenn ich die neu gekaufte Ware vor dem ersten Mal tragen nicht wasche?
Michaela Knieli: Wir empfehlen immer Kleidung, die körpernah getragen wird, vor dem ersten Tragen zu waschen. Rückstände können die Haut reizen und zu Allergien führen. Je öfter ich damit Kontakt habe, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit eine Allergie auszulösen.

WOMAN: Gilt das für alle Kleidungsstücke? Wäre es beispielsweise bei einer Strumpfhose weniger wichtig als bei einem Nachthemd?
Michaela Knieli: Nein, beides ist körpernah.

WOMAN: Gibt es Firmen, die besonders tief in den Chemie-Topf greifen und eher gemieden werden sollen?
Michaela Knieli: Schwer zu beurteilen, die meisten Firmen lagern die Produktion ja wieder in Subfirmen aus. Aber klar ist, dass Textilien zu Schleuderpreisen auch ökologisch und gesundheitlich keine hochwertigen Produkte sein können.

WOMAN: Gibt es auch positive Beispiele?
Michaela Knieli: Ja, erkennbar am Gütesiegel: Gots oder IVN Naturtextilien. Eine Liste von Labels findet man unter dem folgenden Link, es gibt von Babymode über Alltagskleidung bis zum Designerteil eine breite Auswahl: www.konsumentinnen.umweltberatung.at

WOMAN: Wie oft muss ich ein Kleidungsstück im Durchschnitt waschen, damit alle Giftstoffe verschwunden sind?
Michaela Knieli: Im Normalfall genügt es, Textilien einmal zu waschen. Aber es gibt durchaus Textilien, bei denen die Farbe nach mehrmaligem Waschen noch ausblutet und die Haut reizen kann.

WOMAN: Da die Giftstoffe ja nicht wirklich „verschwinden“ sondern beim Waschen weggespült werden – wie stark belastet dies unser Umwelt?
Michaela Knieli: Die Abwasserbelastung gibt es vom Baumwollanbau, über die verschiedenen Färbeverfahren bis zum Transportschutz. Überall, wo Stoffe aufgebracht werden, die nicht fixiert werden, gehen diese auch – meist ungeklärt – ins Abwasser und kommen so wieder über Meeresfrüchte und Fisch in unsere Ernährung.

WOMAN Newsletter

Deine täglichen Infos per Mail: News, Gewinnspiele und tolle WOMAN-Aktionen.

Ja, ich möchte den WOMAN-Newsletter erhalten. Ich nehme zur Kenntnis, dass ich die Newsletterzusendung jederzeit durch den in jedem Newsletter enthaltenen Abmeldelink widerrufen kann.