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Neue ÖVP-Frauenchefin Schittenhelm wünscht sich Emanzipationskurse für Männer

Ich bekomme eine sehr resolute Nachfolgerin.„ Mit diesen Worten stellte die scheidende Frauenchefin Maria Rauch-Kallat bei einer Pressekonferenz am Mittwoch Dorothea Schittenhelm vor. Die gelernte Zahnarzthelferin, die seit 2000 Bürgermeisterin von Bisamberg ist, wird am 20. November offiziell ihren neuen Posten als Chefin der ÖVP-Frauenorganisation antreten. Gleich zu Beginn ließ Schittenhelm mit einer interessanten Idee aufhorchen: Sie wünsche sich "Emanzipationskurse für Männer„ WOMAN wollte wissen, was sich Dorothea Schittenhelm genau darunter vorstellt und ob auch ihr Mann Nachhilfe in Sachen Emanzipation benötigt...


Neue ÖVP-Frauenchefin Schittenhelm wünscht sich Emanzipationskurse für Männer
© Marktgemeinde Bisamberg

WOMAN: Frau Schittenhelm, Sie haben angekündigt, Emanzipationskurse für Männer abhalten zu wollen. Müssen sich unsere Männer jetzt fürchten?

Schittenhelm (lacht) : Nein, sie müssen sich natürlich nicht fürchten, ganz im Gegenteil! Ich habe schon immer sehr gut und gerne mit Männern zusammengearbeitet und möchte dies auch in Zukunft tun.

WOMAN: Warum brauchen Männer Emanzipationskurse?

Schittenhelm: Der Großteil der Männer hat eine sehr positive Einstellung zum Thema Emanzipation. Trotzdem gibt es Männer, die noch nicht in der Realität angekommen sind. Diese müssen sich der Fähigkeiten, Intelligenz und Innovationskunst der Frauen bewusst werden. Ich habe mich gefragt, durch welche Unterstützung Frauen noch selbstbewusster und selbstbestimmter werden können und wie das wichtige Thema Gleichberechtigung mehr Stellenwert bekommt. So ist die Idee zu den Emanzipationskursen entstanden.

WOMAN: Wo wollen Sie die Kurse anbieten?

Schittenhelm: In Betrieben. Leider gibt es immer wieder Fälle, in denen Männer Frauen diskriminieren. Für diese Männer sollen künftig Informationsseminare ˆ um es vorsichtig auszudrücken ˆ abgehalten werden. Wenn man im Straßenverkehr einen Fehler macht, muss man schließlich auch eine Führerschein-Nachschulung machen. Wichtig ist allerdings, dass die Teilnahme an den Emanzipationskursen freiwillig ist.

WOMAN: Was erwarten Sie sich von den Emanzipationskursen?

Schittenhelm: Ein entspannteres und verstärktes Miteinander ˆ Spannungen zwischen Männern und Frauen sollen abgebaut werden. Schon in Volksschulen wäre es wichtig, Buben und Mädchen für die Themen Emanzipation und Gleichberechtigung zu sensibilisieren. Vielen Buben wird in der Erziehung ein falsches Frauenbild vermittelt, deswegen wäre es wichtig, einen ≥Werteunterricht„ in Schulen einzuführen.

WOMAN: Sie selbst sind seit 38 Jahren verheiratet. Würden Sie Ihren Mann auch in einen Emanzipationskurs stecken?

Schittenhelm (lacht) : Bei uns zuhause ist Emanzipation kein Thema, sondern selbstverständlich. Aufgaben im Haushalt wie Geschirrspüler einräumen oder Wäsche aufhängen waren bei uns nie ein Streitthema. Wer gerade Zeit hat, erledigt das eben. In meinen Augen gibt es keine typisch weiblichen und typisch männlichen Tätigkeiten. Zum Glück hat das auch mein Sohn mitbekommen (lacht) . Nur, wenn zuhause auch Gleichberechtigung herrscht, kann man als Familie in Harmonie leben.

Interview: Julia Pfligl