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"Niem Schwedenbomben, 6 Stück oder mehr"

Die nostalgische Aufregung über die Insolvenz des Schwedenbombenproduzenten Niemetz mutet kurios an. Eine Erklärung von Roughcut-Kochbloggerin Alexandra Palla.


  • Niemetz Schewedenbomben: Ausverkauft.

    Bild 1 von 2 © Alexandra Palla
  • Roughcutbloggerin Alexandra Palla schreibt für WOMAN über die insolventen Schwedenbomber.

    Bild 2 von 2 © Roughcutblog.com

Versteh schon, derzeit leider alle ausverkauft, da kann ich mich noch so in das unterste Regal bücken, und leider, wirklich keine mehr da, nur mehr ein paar Kokosflockenbrösel und nur ein einsames Preisschild. Und wie zu Fleiss, trällert die Werbedurchsage vom Supermarktradio, die Preisaktion der Niemetz Schwedenbomben durch.

Was da los ist? Aufregung ist da los, und das im ganzen Land, weil die Schwedenbombe grad am Platzen ist. Pleite, aus, nix mehr Bomben. Acht Facebookgruppen gibt es schon, alle wollen die Schwedenbombe oder die Familie Niemetz retten. Die größte davon hat an die 42.000 Fans, die zweitgrößte 18.755. Im Vergleich dazu "Rettet den Stephansdom": 365.

Was liegt uns denn so an dieser verklärten Geschmackserinnerung, dem kakaopulvergefärbten Zuckerschneeschaum?

Schwedenbomben lösen doch automatisch diese wunderbare Grundsatzfragendiskussion aus, zu der jeder von uns eine Meinung hat. Ist wie die Marillenknödelfrage, mit Erdäpfel- oder Topfenteig? Oder der Beilagenfrage zu Schnitzl, Reis oder Erdäpfelsalat? Noch besser: oranges Twinni, oder lieber das Grüne, Kaffee oder Tee?

Oder eben im Fall der Schwedenbombe: mit Kokosflocken oder Nichtkokokosflocken. Ich mag bitte beide, daher die Frage, womit anfangen, glatt oder angestreuselt, oder noch schlimmer, womit aufhören, glatter Schokogeschmack oder feine Kokosflocken zwischen den Zähnen?

Und dann erst die Frage der Verzehrtechnik. Durchbohre ich die dünne Schokoschicht zuerst mit der Zunge, schlecke den Schaum bis auf die Waffel und die dann genüsslich abknabbern, oder gleich die ganze Schwedenbombe auf einmal in den Mund. Ich könnt jetzt auch noch die Technik mit dem Schwedenbombenkuss erklären, bei der 2 Bomben-Partner je eine Bombe in den Mund stecken, tu ich aber lieber nicht, jedenfalls sehr rough cut style!

Generationen sind grad ganz aus dem Häusl, und es kommt jede Menge Nationalstolz durch. Geschmacklich sind die deutschen Dickmann´s nie an die österreichische Erfindung der Schwedenbombe herangekommen, Ähnlichkeiten wie die aus dem Ikea -Shop oder diverser Schaumschläger auch nicht. Liegt es doch am Geheimniss im Schaumrezept, dem knusprigen Waffelboden und der hauchdünnen Kokosfettglasur in Bombenform, wegen der Schwedenbombenstatik.

Was da genau drin ist, stärkt sicher nicht die Knochen meiner Kinder – aber Schwedenbomben sind ein Stückl meiner Kindheit, das ich gerne an meine Kinder weitergebe. Schad nur, dass das Fabriksgebäude den Schwedenbomben ja schon lange unter der Waffel wegverkauft wurde und der Mietvertrag sowieso nur mehr wenige Monate läuft. Aber Bitteschön, gerettet wird doch gerne und bei Schwedenbomben werd ich jetzt auch zur Diva. Und schöne Grüße vom Roughcutblog.

Zur Autorin:
Alexandra Palla bloggt seit Mitte 2011 übers Leben und Essen und garniert die Geschichten mit wunderfeinen, "roughen" Rezepten. Neugierig? Hier findet ihr mehr von der "Roughcutbloggerin": www.roughcutblog.com

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