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Rekord-Kickerin Nina Burger: "Mädchenfußball auf den Stundenplan!"

In den USA merke man der Liga durchaus an, dass Mädchenfußball schon in der Schule Standard ist. Das würde auch in Österreich nicht schaden, sagt die Nationalteam-Spielerin im WOMAN.at-Interview.

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Rekord-Kickerin Nina Burger: "Mädchenfußball auf den Stundenplan!"
© WOMAN

Während alle Welt WM schaut, haben sich die Cineplexx Kinos eine ganz besondere Werbekampagne einfallen lassen, um trotzdem auch Fußball-Begeisterte ins Kino zu locken: Sie haben österreichische Top-Kickerinnen als Darstellerinnen für ihre neuesten Werbespots engagiert. WOMAN.at war im Cineplexx Wienerberg beim Dreh unter dem Motto „Popcorn oder Nachos?“ mit Rekord-Spielerin Nina Burger und Jung-Star Jenny Klein dabei.


Soviel sei verraten: Außer den beiden würde der Betreiber wahrscheinlich niemand erlauben, den Fußball durchs halbe Kino zu schießen - aber die zwei Profis haben natürlich nichts kaputt gemacht, sondern treffsicher Spaß gehabt, ein paar Selfies mit interessierten KinobesucherInnen gemacht und Popcorn bzw. Nachos gegessen. Den fertigen Werbespot könnt ihr bald auf den Facebook-Seiten von Cineplexx und jenen der Spielerinnen sehen.

Wir haben die Möglichkeit genutzt und Nina Burger, die gerade ihren Vertrag beim SC Sand verlängt hat und mit 104 Länderspielen österreichische Rekordhalterin - unter Frauen und Männern - ist, zum Interview gebeten. Außerdem haben wir ihr und Jenny Klein auch ein paar Entscheidungs-Fragen gestellt. Wenn ihr wissen wollt, ob sie zum "Team Messi" oder zum "Team Ronaldo" gehören, könnt ihr das hier nachlesen.

Dein Tipp für die WM - wer gewinnt?
Nina Burger: Brasilien!

Schaut ihr überhaupt noch gerne oder reicht’s irgendwann auch mit Fußball, wenn das so einen großen Teil des eigenen Lebens einnimmt?
Nina Burger: Ich bin keine, die jedes Spiel schaut, das muss nicht sein. Ich verbinde das eigentlich mehr damit, mit Freunden und Familie gemeinsam zu schauen, etwas zu unternehmen. Aber wenn ich alleine zuhause bin, schaue ich eher nicht. Die Gruppenphase ist außerdem noch nicht ganz so interessant, das wird’s dann erst in Richtung Finale.

Frauen verdienen im Profifußball viel weniger als ihre männlichen Kollegen - ärgert euch das?
Nina Burger: Ärgern würde ich nicht sagen, weil es nichts bringt, sich über Dinge zu ärgern, auf die man keinen großartigen Einfluss hat. Es ist schon ein bisschen schade, weil man will natürlich für seine Leistung nicht weniger bekommen, als die Männer. Da würden wir schon gern die gleiche Wertschätzung erfahren. Insofern würde ich es also nicht unbedingt ärgern nennen - aber es ist schade, dass es noch nicht soweit ist. Aber wir spielen ja Fußball, weil der Spaß und die Leidenschaft im Vordergrund stehen, das ist vielleicht im Männerfußball nicht mehr ganz so.

Wie viel ist denn vom „Sommermärchen“ - also der EM 2017 - übergeblieben? Wie viel an Motivation und Stimmung kann man da konservieren? Kommen mehr ZuschauerInnen zu den Spielen?
Nina Burger: Es ist nicht so, wie manche vermutet haben, dass zwei Monate nach dem Sommermärchen alles vorbei und vergessen gewesen wäre. Das Interesse ist zwar ein bisschen abgeschwächt inzwischen, es passiert in den Medien weniger - das ist klar. Aber im Stadion sind definitiv mehr Leute und man hat durchaus mehr Auftritte, Sponsoren kommen eher auf einen zu, man wird auf der Straße erkannt - das passiert alles nach wie vor.

Erkannt werden - genießt du das oder nervt es eher?
Nina Burger: Mich nervt das nicht, ich finde es super, dass es soweit ist. Das hätte ich früher nie geglaubt, dass das überhaupt jemals passiert. Ich finde es cool, weil es zeigt, dass wir was richtig gemacht haben, dass wir erfolgreich waren. Das ist auch eine schöne Anerkennung und Wertschätzung.

Du wirst immer mit Begriffen wie „Rekordtorschützin“, „Rekordspielerin“ bedacht - erhöht das den Druck? Was bedeuten dir solche Bezeichnungen?
Nina Burger: Druck hab ich keinen. Meine 104 Länderspiele - das ist Rekord sowohl unter Männern als auch Frauen im Nationalteam - sind eine nette Nebensache, aber ich spiele deshalb nicht anders. Ich benehme mich auch nicht anders. Ich will meine Leistung bringen, ich will Tore schießen und der Mannschaft zu Erfolgen verhelfen. Aber natürlich - die Rekorde sind schon auch Erfolge, auf die ich stolz bin.

Könnt ihr die Frage „Was unterscheidet Männer- von Frauenfußball - überhaupt noch hören?
Nina Burger: Wir müssen es hören, weil die Frage wird immer gestellt - schon seit ich zum Fußballspielen angefangen habe. Ich mag diese Vergleiche von Männer- und Frauenfußball nicht. Ich will, dass der Frauenfußball gleich angesehen ist, dass er Wertschätzung bekommt. Da muss man nicht immer Vergleiche ziehen. Wir wissen, dass die Männer stärker sind und mehr Gehalt bekommen - da ist eh alles klar. Vom dauernden Vergleichen ändert sich das auch nicht.

WOMAN.at-Chefin Theresa Aigner und Nina Burger beim Interview.

Du hast in Österreich, den USA und Deutschland gespielt. Merkt man da in den Ligen Unterschiede? Etwa, dass in den USA Frauen- bzw. Mädchenfußball standardmäßig am Stundenplan in den Schulen steht?
Nina Burger: Als ich 26 Jahre alt war, bin ich für 4 Monate in die USA zu Houston Dash gegangen und man merkt schon, dass die Wertschätzung dort viel größer ist. Bei den Liga-Spielen waren so um die 4.500-5.000 Zuschauer, bei einem Spiel in Portland war das Stadion ausverkauft, das waren fast 20.000 Zuschauer. Das sind schon andere Dimensionen. Und: Man merkt es auch körperlich, die sind fitter. Was das betrifft, machen die einfach mehr. Das Taktische wird dafür zwar ein bisschen vernachlässigt, aber technisch sind sie gut ausgebildet, weil Fußball am Stundenplan in den Schulen steht. Dort ist es schon länger „normal“, dass Mädels Fußball spielen. Das ist in Österreich immer noch nicht so wie in den USA. In Deutschland gibt’s auch ein bisschen mehr Wertschätzung, weil schon sehr viele Erfolge erzielt wurden in den vergangenen Jahren - sogar der Weltmeistertitel. Generell würde ich sagen: Deutschland hat die beste Frauen-Liga der Welt, da zieht England gerade nach. Die USA haben zwar auch eine gute Liga, aber nicht so gut wie die deutsche.

Würde es Sinn machen, auch in Österreich Fußball für Mädels in den Stundenplan zu integrieren bzw. einfach verstärkt anzubieten?
Nina Burger: Auf jeden Fall! Dann wird das hier vielleicht auch irgendwann mal Standard, dass es Mädels-Mannschaften gibt. Als ich mit sieben Jahren angefangen habe zu spielen, war ich das einzige Mädchen weit und breit. Jetzt gibt es bei sehr vielen Nachwuchsmannschaften schon Mädels, seit 2011 gibt’s die Akademie. Es wird schon viel gemacht - aber es geht noch mehr. Den Frauenfußball in den Schulen zu verankern, wäre sicher kein unwichtiger Punkt.

Du bist im Zivilberuf Polizistin. Aber im Moment bist du komplett freigestellt?
Nina Burger: Ich bin im unbezahlten Karenzurlaub. Bisher hat mich die Polizei immer unterstützt - gerade wurde mein neuerliches Karenzansuchen bewilligt und ich habe meinen Vertrag beim SC Sand verlängert. Aber ich war lange richtig im Dienst: Nach der Polizeischule war ich mehr als 5 Jahre im 9. Bezirk tätig. Dort habe ich ganz normalen Dienst gemacht, halt angepasst auf den Trainingsplan - das war nur Dank meiner Vorgesetzten und Kollegen möglich. Im Gegenzug hab ich natürlich auch immer geschaut, dass ich aushelfe, wenn wer was gebraucht hat. Das ist ein Geben und Nehmen.

Und daneben hast du auch noch trainiert bzw. gespielt?
Nina Burger: Das habe ich jahrelang gemacht: Hauptberuflich, also 40 Stunden oder mehr Polizeidienst und nebenbei bei Neulengbach Fußball gespielt. Vier mal in der Woche trainiert, am Wochenende unterwegs - viel Zeit ist da nicht geblieben. Das hat mir zwar alles Spaß gemacht, aber dann ist der Moment gekommen, wo ich mich selbst sportlich und persönlich - auch für die EM - weiterentwickeln wollte, deshalb hab ich dann den Schritt ins Ausland gemacht.

Warum bist du überhaupt zur Polizei gegangen?
Nina Burger: Nach der Matura wollte ich eigentlich Physiotherapie studieren, ich bin aber nicht gleich in die FH hinein gekommen. Bekannte bei der Polizei haben gemeint, Sport und Polizei ließe sich gut kombinieren. Außerdem hab ich früher schon immer in die Freundschaftsbücher „Polizistin“ als Berufswunsch geschrieben - insofern war das immer ein interessanter Beruf für mich. Ich habe es auch nie bereut.

Willst du nach deiner aktiven Karriere wieder zurück in den Polizeidienst? Und: Glaubst du es würde einen Unterschied machen, als berühmte Fußballerin in den Dienst zurück zu kehren?
Nina Burger: Meine Planstelle hab ich ja noch und ich werde sicher irgendwann nach Österreich zurück kommen. Das wird jedenfalls interessant für mich. Ob ich dann direkt zurück auf die Dienststelle komme oder sich andere Möglichkeiten ergeben, wird sich zeigen. Jetzt bin ich auf voraussichtlich noch bis Sommer 2019 im Ausland und dann werden wir sehen, wo es mich hinverschlägt. Es wird sicher nicht mehr so sein wie vorher, dass mich auf der Fußstreife niemand mehr erkennt.