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Liebe Nina Proll, so ist das mit #MeToo

Schauspielerin Nina Proll ärgert sich über #MeToo: "Sexuelle Annäherungsversuche finde ich grundsätzlich erfreulich." Eine kleine Aufklärung.

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Liebe Nina Proll, so ist das mit #MeToo

Nina Proll: Ärgert sich über die #MeToo-Kampagne.

© 2017 Getty Images

Auf Social Media-Kanälen und in Medien machten – ausgelöst durch den Hollywood-Skandal um den Film-Produzenten Harvey Weinstein – mittlerweile über 12 Millionen Frauen unter dem Hashtag #MeToo sexuelle Übergriffe zum Thema. Es ist kein Showbiz-Phänomen, es ist tägliche Realität.

#MeToo soll nicht den Voyeurismus bedienen, soll nicht die Opferrolle inszenieren. Es soll Belästigung durch Männer zu einem breiten gesellschaftlichen Thema machen. Und (so die vage Hoffnung) nachhaltig für ein neues Bewusstsein sorgen. Bei Männern. Und Frauen, die nicht mehr aus Scham oder Furcht vor beruflichen Repressalien schweigen.

Doch nicht jede Frau sieht das so. Schauspielerin Nina Proll ("Vorstadtweiber") postete heute einen Beitrag auf Facebook, der für Kontroversen sorgt. Ein Auszug: "Ich bin seit 20 Jahren in diesem Beruf tätig, und ich schwöre, ich bin dabei noch nie von einem Mann sexuell belästigt worden. Weder von einem Mächtigen noch von einem ohnmächtigen. Aber das liegt vermutlich daran, dass ich sexuelle Annäherungsversuche von Seiten eines Mannes grundsätzlich erfreulich finde und einen solchen erst mal als Kompliment und nicht als Belästigung verstehe."

Nina Prolls Statement im Original

Später legte sie nach: ...schön, wenn man absichtlich missverstanden wird. Ich habe nicht von Frauen gesprochen, denen tatsächlich Gewalt widerfahren ist, sondern von Schauspielerinnen, die behaupten, sie hätten Unzumutbares ertragen müssen, um Karriere zu machen. Das ist etwas völlig anderes. Wie weit ich gehe, um eine Rolle zu bekommen, oder "Karriere" zu machen, bleibt jeder Frau selbst überlassen.

Eine kleine Aufklärung:

Liebe Nina Proll,

in der aktuellen WOMAN-Ausgabe (seit 25. Oktober im Handel) berichten mehrere Ihrer Kolleginnen über sexuelle Übergriffe.Die Schauspielerinnen Julia Cencig, Kristina Sprenger, Marjan Shaki, Maria Köstlinger, Petra Morzé, Susanne Hirschler, Konstanze Breitebner, die Journalistinnen und Moderatorinnen Corinna Milborn, Arabella Kiesbauer und Hanna Herbst. Sie sprechen von erniedrigenden sexuellen Avancen, von Übergriffen, von unerwünschten Angeboten, von sexistischen Sprüchen.

Ihre Kolleginnen empfinden – wie so viele andere Frauen auch – dieses Verhalten nicht als "erfreulichen Annäherungsversuch eines Mannes." Diese Frauen (die Sie teilweise privat kennen) konnten sich offenbar nicht vorrangig darüber freuen, "dass ein Mann sie ins Bett kriegen wollte."

Sie fühlen sich durch dieses Verhalten einiger Männer herabgewürdigt, beschämt, belästigt. Und sie inszenieren sich nicht als Opfer, wenn sie darüber sprechen.

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen normalem Flirt-Verhalten und sexuellen Übergriffen. Es geht um Konsens, darum, dass beide Beteiligten es wollen, und sich nicht durch Gewalt oder die Umstände dazu verpflichtet fühlen.

Eine Kampagne wie #MeToo und die Tatsache, dass Ihre Kolleginnen ihr Schweigen brechen, verfolgt einen Zweck: Es soll Frauen leichter fallen, "Nein" zu sagen. Und ein "Nein" soll reichen müssen.

Denn es gibt nicht zu viele Anzeigen, sondern zu wenige. Nicht wegen anzüglicher Kommentare, sondern wegen schwerer Übergriffe, die viele Frauen ihr Leben lang traumatisieren. Durch Thematisierung besteht die Chance auf Sensibilisierung und damit auf Veränderung.

Wir gehen davon aus, dass Sie diese Nuancierung verstehen.

Thema: Sexismus