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Nina Proll im WOMAN-Talk

Nina Prolls neuer Kinofilm „Talea “ geht unter die Haut. Mit uns sprach die Mutter zweier Söhne über die forderndste Rolle ihres Lebens und das Verhältnis zu ihrer Mama Dagmar.


Nina Proll im WOMAN-Talk
© Susanne Spiel

" So ein Tag, wo man einfach nur Zeit für sich selbst hat, ist schon etwas Feines! “, seufzt Nina Proll, 38, als wir mit ihr die Suite im neuen Wiener Fünfsternehotel Sans Souci betreten, die wir für ein Fotoshooting reserviert haben. Und wie der Name der Luxusherberge schon sagt, lautet unser Motto für die nächsten Stunden: „Ohne Sorgen!“ Deshalb hat Nina vorsichtshalber ihre wilden Kerle – also Gespons Gregor Bloéb und die gemeinsamen Söhne Leopold, 4, und Anatol, 2 – zuhause am Tiroler Bauernhof gelassen. Bevor sie am 18. April im Theater Akzent in Wien "Lieder eines armen Mädchens" zu besten gibt, ist sie demnächst auf Celluloid zu sehen - mit dem Film „Talea“, der am 12. März bei der Grazer Diagonale Premiere feiert und Proll beim Drehen zu Tränen rührte...

WOMAN: In „Talea“ spielen Sie Eva, eine ehemalige Gefängnisinsassin, deren 14-jährige Tochter Jasmin bei Pflegeeltern aufwächst – aber bis zur Demütigung bereit ist, um die Liebe und Anerkennung ihrer leiblichen Mutter zu kämpfen. Was hat Sie bewogen, diesen Film zu drehen?

PROLL: Die Geschichte hat mich sofort im Herzen berührt. Und auch die direkte Art von Regisseurin Katharina Mückstein, die gesagt hat, sie möchte den Film – es ist ihr erster – nur mit mir machen. Möglicherweise war es eine Taktik, aber das hat mir sehr geschmeichelt. Ich habe Katharina aber gesagt, es geht nur, wenn wir im Waldviertel drehen. Denn dort habe ich meine Tante, das Haus meines Vaters und kann meine Kinder mitnehmen. Sie hat sich sofort die Locations von „ Braunschlag “ angeschaut und entschieden, dass wir dort drehen. Genauen Beobachtern wird nicht entgehen, dass die Disco in „ Talea “ die gleiche ist wie in „ Braunschlag “!

WOMAN: Sie haben Ihre Kindheit mit Ihrem Bruder, Ihrem Vater und Ihrer Oma im Waldviertel verbracht. Warum sind Sie nach der Scheidung Ihrer Eltern nicht zu Ihrer Mutter gezogen?

PROLL: Für meinen Bruder und mich sollte sich so wenig wie möglich ändern, entschied das Gericht damals. Das bedeutete in der Folge, dass wir in unserem gewohnten Umfeld bleiben. Wir waren ja schon bei der Oma, bevor sich unsere Eltern trennten.

WOMAN: Gaben Sie Ihrer Mutter unterbewusst die Schuld am Scheitern der Ehe?

PROLL: Als Kind vermutlich schon. Seit ich erwachsen bin, weiß ich, dass immer zwei zu einer geglückten oder gescheiterten Beziehung gehören.

WOMAN: Haben Sie Halbgeschwister?

PROLL: Ja, eine acht Jahre jüngere Halbschwester, Nadine, auf die ich sehr eifersüchtig war. Mittlerweile verstehen wir uns sehr gut, sie ist Polizistin, hat auch zwei Kinder, und auch das Interesse fürs Schreiben teilen wir. Und es gibt noch meinen um ein Jahr aälteren Bruder Claudius, mit dem ich sehr verbunden bin. Das liegt wohl daran, dass wir uns in den schwierigen Zeiten sehr aneinander geklammert haben.

WOMAN: Zurück zum Film: Eva stößt ihre Tochter immer wieder zurück. Doch eines Tages büxt die von zuhause aus und überredet Eva dazu, die alte Heimat, das Waldviertel, aufzusuchen. Die beiden kommen sich näher, rauchen ihre erste gemeinsame Zigarette, schminken sich, gehen in die Dorfdisco. Haben Sie solche Dinge mit Ihrer Mutter auch gemacht?

PROLL: Nicht wirklich. Ich kann mich aber erinnern, dass ich meine Mutter als Kind gern geschminkt habe. Meine Mutter war nie eine große Discogeherin. Theater oder Oper interessieren sie mehr. Wir gehen öfter gemeinsam in Vorstellungen.

WOMAN: Was macht Ihre Mutter beruflich?

PROLL: Sie hat die Firma meines Großvaters übernommen, der nach dem Krieg einen Großhandel für Raumausstattung gegründet hat. Hauptsächlich vertreibt sie Aluminiumprofile für die Bodenverlegung.

WOMAN: Was halten Sie eigentlich von Frauen, die mit ihren Töchtern „einen auf beste Freundin machen“, sich beim Vornamen anreden und nicht in der herkömmlichen Mutterrolle auftreten?

PROLL: Es gibt nicht nur eine richtige Art, Mutter zu sein. Das Wichtigste ist, Zeit miteinander zu verbringen. Vorrangig ist die Aufgabe der Mutter, ein Kind zu versorgen, zu schauen, dass es was Anständiges anzuziehen hat, sich gesund ernährt, rechtzeitig ins Bett geht, gewaschen ist etc. Dass das der wesentlich undankbarere Job bei der Erziehung ist, ist klar. Ich muss mich auch oft bei der ganzen „Versorgerei“ daran erinnern, dass man Spaß zusammen haben soll und auch mal das Zähneputzen vergessen darf.

WOMAN: Einer der berührendsten Momente im Film ist der, als Eva und Jasmin ihre Distanz überwinden, sich im Bett aneinanderkuscheln und Eva in Tränen ausbricht. Waren das echte Tränen?

PROLL: Ja! Schon beim Lesen hat mich diese Szene gerührt.

WOMAN: Was war die emotionalste Situation mit Ihrer Mutter Dagmar?

PROLL: Als sie bei der Geburt meines ersten Sohnes dabei war. Das hat mich sehr berührt und gefreut. Ich glaube, ihr ging es ähnlich.

WOMAN: Psychologen sagen, 80 Prozent der eigenen Persönlichkeit werden von der Mutter mitbestimmt. Man wird genau wie sie oder das komplette Gegenteil. Wie ist das bei Ihrer Mutter und Ihnen?

PROLL: Wir sehen uns zwar irgendwie ähnlich, sind aber schon sehr unterschiedlich. Meine Mutter sagt oft, dass sie aufgrund ihres schlechten Gewissens mir gegenüber oft Hemmungen hat, mir ehrlich ihre Meinung zu sagen. Bei meiner Schwester tut sie sich da viel leichter.

WOMAN: Merken Sie manchmal, dass die Abwesenheit der Mutter in Ihrer Kindheit jetzt Auswirkungen auf Ihr eigenes Verhalten als Mutter hat?

PROLL: Absolut. Ich merke, dass mir das Selbstverständnis
beim Muttersein fehlt. Oft habe ich Angst, dass ich keine gute Mutter bin. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich länger als zwei Tage weg bin. So oft ist das Gott sei Dank nicht der Fall. Seit ich Kinder habe, war ich vielleicht fünfmal fünf Tage weg. Meistens ist es allerdings so, dass der Kleine dann krank wird... Ich wurstle mich von Woche zu Woche ab, versu- che mein Bestes. Aber ich habe auch für mich herausgefunden: Ich muss mich genauso um mich selbst kümmern, um meinen Beruf und auch meine Ehe. Was bringt es, wenn wir uns scheiden lassen und ich arbeitslos bin, nur weil ich alles den Kindern untergeordnet habe?

WOMAN: Wollen Sie ein drittes Kind?

PROLL: Ja, aber zuerst möchte ich noch ein Herzensprojekt realisieren. Ich arbeite mit der Autorin und Dramaturgin Ursula Wolschlager gerade an meinem ersten Drehbuch. Der Plot blickt hinter die Kulissen der Film- und Theaterwelt und handelt u. a. von einer Schauspielerin, die in der Krise steckt.

WOMAN: Ist es Ihnen, seit Sie mit Gregor liiert sind, schon passiert, das Sie scharf auf einen Filmpartner waren oder gar verknallt?

PROLL: Ist mir leider noch nicht passiert (lacht) – oder Gott sei Dank! Einmal habe ich bei einem Dreh jemandenkennengelernt, den ich durchaus ansprechend fand. Er war dunkelhaarig, muskulös, witzig, hatte eine Knieverletzung und kam mit dem Motorrad ans Set. Nachdem ich mich fünf Minuten mit ihm unterhalten hatte, dachte ich mir: Mist, das Gleiche hab ich in Grün zuhause. Warum also alles aufs Spiel setzen?

PETRA KLIKOVITS