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Nora von Waldstätten im privaten WOMAN-Interview: „Mein Vorbild ist die Hepburn!“

Merken Sie sich diese Augen! Nach ihrem Erfolg in Cannes mischt die Schöne nun die heimische Schauspielszene auf. Das große Privat-Interview.


Nora von Waldstätten im privaten WOMAN-Interview: „Mein Vorbild ist die Hepburn!“
© Roland Ferrigato

WOMAN: Ihre Vorgängerin als Werbegesicht für Vöslauer ist Opernstar Anna Netrebko. Können Sie ihr das Wasser reichen?

Von Waldstätten: Gesanglich leider bestimmt nicht. (lacht) Es ehrt mich jedenfalls sehr, dass man mich ausgesucht hat. Nicht viele bemerken, dass ich Wienerin bin, weil ich seit Jahren in Berlin wohne. Doch dem Vöslauer-Team fiel es auf, als sie in einer deutschen Modezeitschrift lasen, dass ich als Österreicherin zur einer der fünf bestgekleideten Frauen Deutschlands gekürt wurde! Ich freue mich jedes Mal, wenn ich etwas mit Österreichbezug machen kann. Es war auch schön, dass ich nach der Schauspielschule mit Elfriede Jelineks "Über Tiere" mein Debut am Deutschen Theater geben durfte.

WOMAN: Sie sind teils in Wien, teils in Baden aufgewachsen. Erzählen Sie aus Ihrer Kindheit.

Von Waldstätten: Wir sind vier Kinder – zwei Mädchen, zwei Jungs – ich bin die dritte im Bunde. Wir sind alle knapp hintereinander geboren. Insofern ist es logisch, dass wir auch unsere Reibereien hatten (lacht) . Dennoch sind wir vier eine eingeschworene Bande. Meine Eltern sind sehr kulturaffin. Mein Vater war Chemiker und meine Mutter Hausverwalterin. Mittlerweile genießen sie ihre Pension. Und wissen manchmal genauer was ich wo mache, als ich!

WOMAN: Wann entdeckten Sie den Reiz der Bühne?

Von Waldstätten: Mit sechs. Ich liebte als Kind die Ballett-Serie „Anna“ mit Silvia Seidel! Da wusste ich: ich muss zumindest Ballerina werden. Parallel zum Ballettunterricht wurde ich am Badener Stadttheater Teil des Kinderballetts. Meine erste Rolle war die einer Schneeflocke. Als ich Silvia Seidel vor ein paar Jahren vorgestellt wurde, war ich recht nervös! (lacht) ... Mit dem Ballett wurde ein Traum wahr, die ganze Bühne erlebte ich als ultimativen Spielplatz. Ich profitiere heute noch davon, dass ich mich in meinen ersten Rollen nur über den Körper ausgedrückt habe. Mit 12 kam die erste Sprechrolle und dann wurde es richtig spannend!

WOMAN: Haben Ihre Eltern sie unterstützt?

Von Waldstätten: Sehr! Uns alle! Wenn ich ein Kratzen im Hals hatte, dann hat mir mein Vater schon längst heiße Milch mit Honig gemacht. Und meine Mutter hat mir immer Zuversicht und Glauben entgegen gebracht. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Eltern stolz im Publikum sitzen.

WOMAN: Apropos Gefühl: Filtern Sie die gespielten Emotionen aus privaten Erfahrungen?

Von Waldstätten: Natürlich. Als Schauspielerin ist man ständig mit Gefühlen konfrontiert. Auch schmerzliche Erfahrungen haben ihr Gutes, denn meist geht man größer heraus, als man zuvor war. Oft ging ich drei Schritte nach vor und zwei wieder zurück. In meinem Beruf ist Demut, Geduld und Arbeit an sich das Um und Auf. Auch wenn es Momente gibt, wo ich an mir selbst zweifle... Dann genieße ich die Ruhe, koche für Freunde, fahre allein in die Natur und horche in mich hinein, mache das, was mir gut tut. Dazu gehört auch Schweigen! So weiß ich immer, wo mein Norden und wo mein Süden ist.

WOMAN: Kennen Sie das Gefühl von Leere?

Von Waldstätten: Klar. Gerade, wenn man viel arbeitet, kommt in den kurzen Momenten der Ruhe Leere auf. Bei „Carlos“ war ich lange weg von zuhause, wir haben in sieben verschiedenen Ländern gedreht. Aber dieses Eremiten-Dasein ist auch Teil von mir. Ich mag das!

WOMAN: In „Carlos“ spielen Sie die Frau eines Terroristen. Wie bereiteten Sie sich auf die Rolle der Magdalena Kopp vor?

Von Waldstätten: Ich zücke ein leeres Moleskine und frage mich, wie war die Kindheit dieser Figur, das Verhältnis zur Mutter. Ich las Ihre Biografie, schaute mir Dokumentationen an und hörte Audio-Interviews, um ihren Sprachduktus zu verinnerlichen. In einem Hinterzimmer in Berlin-Kreuzberg traf ich ein ehemaliges Mitglied der RAF, der wie Magdalena Kopp für das Dokumentenfälschen zuständig war. Und ich fragte mich auch, was ist es, das eine Frau bewegt, so lange an der Seite von einem jahrelang gesuchten Terroristen zu bleiben.

WOMAN: Und was ist es?

Von Waldstätten: Ich denke, es war Liebe. Liebe, die wahrscheinlich blind machte. Sie haben sich interessant ergänzt in Ihren Unsicherheiten.

WOMAN: Warum sind Sie eigentlich nach der Matura nach Berlin gezogen? War Ihnen Wien zu provinziell?

Von Waldstätten: Nein. Es war ein schöner Zufall. Ein Freund von mir, der ist Regisseur, meinte: „Schau dir doch Berlin an!“ Ich war sofort
begeistert. Berlin hat sehr viele Lücken, die man füllen kann. Die Leute sagen gerade heraus, was sie denken und fühlen. Anfangs hat mich das ein wenig irritiert – die Wiener reden ja ganz gern um den heißen Brei herum – aber inzwischen liebe ich diese direkte Art.

WOMAN: Was ist das Berlinerischste an Ihnen?

Von Waldstätten: Dat is wohl die Liebe zur Currywurst! (lacht) Aber den Wiener Dialekt und das Meidlinger „L“ vergesse ich trotzdem nicht! Wie gesagt: ich komme jederzeit gerne zurück. Und demnächst drehe ich meinen ersten österreichischen Film. Er heißt „Michael“, Markus Schleinzer führt Regie.

WOMAN: Der französische Film wäre nichts für Sie?

Von Waldstätten: Pourquoi pas! Mit Assayas zu arbeiten war sehr besonders. Generell wird dem Medium Film eine enorme Zuneigung und Bewunderung entgegen gebracht. Die Franzosen gehen in ihrer Mittagspause ins Kino.

WOMAN: Ist Romy Schneider ein Vorbild?

Von Waldstätten: In ihrem Spiel und in ihrer Sensibilität in jedem Fall. Was Privates anbelangt, eher nicht. Ihre Biographie zeigt, dass es ganz wichtig ist, eine Rolle, die man monatelang verinnerlicht hat, dann auch wieder loszulassen. Mein großes Idol ist Audrey Hepburn... Ich liebe das Graziöse an ihr, das Modebewusstsein, ihr Engagement für andere. Und Zeit für ihre Kinder hatte sie auch noch!

WOMAN: Ist das auch Ihr Ziel?

Von Waldstätten: Ja, ich möchte irgendwann selber Kinder. Heiraten ist ein spannendes Thema, gerade in Zeiten wie heute. Heute ist die Ehe kein wirtschaftliches Modell mehr, sondern ein romantisches Bekenntnis.

WOMAN: Würden Sie selber einen Heiratsantrag machen?

Von Waldstätten: Nein, da bin ich doch zu altmodisch! (lacht)

WOMAN: Schon mal einen Antrag bekommen?

Von Waldstätten: Ja, im Alter von sieben Jahren. Er hat mir einen Kaugummiautomatenring geschenkt. Meine Mutter hat diesen aufgehoben, in eine Schatulle gepackt du sie mir vor drei Jahren unter die Nase gehalten. Ich musste schmunzeln.

WOMAN: Wie weit würden Sie für eine Rolle gehen? Haare abrasieren, 50 Kilo zulegen, etc.?

Von Waldstätten: Grundsätzlich würde ich sagen, es darf die Gesundheit nicht
gefährden. Und wenn es die Figur wert ist, bin ich auch durchaus mutig.

WOMAN: Wofür geben Sie Ihr Geld aus?

Von Waldstätten: Für gutes Essen und Schuhe. (lacht) Ich habe über 100 Paar im
Schrank... Also nur die hochhackigen, meine ich... Aber ich kaufe auch gerne tolle Möbel. Das sind schöne Investitionen. Nach jedem Projekt gönne ich mir also ein Möbel.

WOMAN: Haben Sie ein Haustier?

Von Waldstätten: Nein... Das ginge auch schlecht. Gerade in den letzten Jahren bin ich so viel gereist, das würde nicht einmal ein Goldfisch überleben.

WOMAN: Sind Sie gläubig?

Von Waldstätten: Ja... Ich glaube an eine höhere Kraft. Ich glaube aber auch an Arbeit und Disziplin, durch diese dann die vermeintlichen Zufälle passieren.

WOMAN: Und an ein Leben nach dem Tod?

Von Waldstätten: Da bin ich zwiespältig. Einerseits erleichtert es das Leben, wenn man weiß, dass das jetzige Leben nicht das Ende ist. Andererseits ist auch der Gedanke schön, dass nichts mehr kommt, man im Hier und Jetzt lebt und sein Bestes geben sollte.

WOMAN: Gab es für diese Erkenntnis ein Schlüsselerlebnis?

Von Waldstätten: (überlegt lange) Wenn ich zum Beispiel im Flugzeug sitze, denke ich mir oft: Wer weiß, ob ich heil ankomme... Dann mache ich mir gedanklich eine Checkliste und verschicke SMSn an nahe stehende Menschen. Und bestimmte Dinge, die mir einfallen, sind dann das erste, was ich mache nach der Landung. Also zum Beispiel ein ganz dringendes Wiedersehen mit einer Freundin. Die Vorstellung, aus dem Leben gerissen zu werden und sich nicht verabschieden zu können, macht mir Angst. Ich selbst habe schon jemanden auf diese Weise verloren.

WOMAN: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Von Waldstätten: Ich bin da sehr abergläubisch. Ich habe natürlich Träume und Zukunftsutopien. Aber weil ich an die Kraft des Geheimnisses glaube, möchte ich das für mich behalten.

Interview: Petra Klikovits & Marlene Altenhofer