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Norwegen-Kreuzfahrt

WOMAN-Reise-Chef Jörg Bertram war mit der MS Columbus 2 Richtung Nordkap unterwegs. Sein Tagebuch erzählt von einem 12-Tage-Traumtrip ins Land der Mittsommernachtssonne.


  • Reise zum Nordkap

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  • Die Schönheiten Norwegens

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1. Tag: Hamburg

Ein sanftes Zittern aus dem Schiffsbauch, ein lautes Tuten von der Brücke - dann legen wir los - oder besser gesagt ab, wie es in der Seefahrersprache heißt. Wir, das sind rund 650 Passagiere, 370 Besatzungsmitglieder und 181 Meter Schiff. Knapp sechs Stunden werden wir über die Elbe gleiten, Kapitänshäuschen bewundern, Passanten zuwinken und die Luft anhalten, wenn uns auf dem viel zu schmalen Fluss ein viel zu breiter Übersee-Pott entgegenkommt. Danach sind wir auf dem offenen Meer, und die erste Etappe dieser Reise wird zur "Fahrt ins Nordseeblaue“.

2. Tag: Auf See

29 Punkte zählt das Tagesprogramm, das am Vorabend zusammen mit einem Betthupferl auf dem Kopfkissen platziert wurde. Soll ich beim Pilates-Kurs mein "Powerhouse“ entdecken? Dem Bordlektor "Dr. Knut Edler von Hoffmann“ (!) lauschen? Oder nach jahrzehntelangem Freistiltanzen einen Disco-Fox-Kurs belegen? "Bleib einfach liegen“, sagt mein innerer Schweinehund, "bestell dir das Frühstück ans Bett, zähl die Wellenberge vor deiner Balkonkabine, und find heraus, wie schön es ist, den festen Boden unter dem Boden zu verlieren.“ Danke dafür, lieber innerer Schweinehund! Heut Abend hör ich dich dann hoffentlich in einem der drei Schiffsrestaurants wieder - wär doch gelacht, wenn du mich dort nicht zu dem einen oder anderen ungewollten Zwischengang überreden könntest …

3. Tag: Vik & Flåm

Ein Tag, zwei Fjorde, drei (fast echte) Trolle, 20 Tunnel, 870 Meter Höhenunterschied und bestimmt hunderttausend Haarnadelkurven: Bei unserem ersten Landgang präsentiert sich Norwegen als Land der Superlative - und als großer Abenteuerspielplatz mit schneebedeckten Bergen, rauschenden Wasserfällen und der berühmten Flåmsbahn, die sich auf tollkühn in den Fels gesprengten Schienentrassen talwärts schlängelt. Das ist fast so aufregend wie die Fahrt mit den Tenderbooten, die uns Passagiere im Zehnminutentakt an Land bringen und neben der großen MS Columbus 2 wie Wasserflöhe aussehen.

4. Tag: Molde

Den Beinamen "Stadt der Rosen“ verdankt Molde dem vorbeiziehenden Golfstrom. Der sorgt aber leider nicht nur für blühende Blumen und milde Temperaturen, sondern auch für durchschnittlich 22 Regentage. Im Monat! Einer davon ist heute. Und deshalb zieht mich nur wenig nach draußen und viel in Richtung Bord-Bibliothek. Die befindet sich ganz oben, auf Deck 10, und erinnert - wie so vieles auf diesem Schiff - an einen edlen englischen Countryclub. Sie bietet einen prachtvollen Ausblick sowie bequeme Ohrensessel zum Reinkuscheln und Rumschmökern. Bedauerlich, dass im Kamin aus Brandschutzgründen kein echtes Feuer brennt und um 5 o’clock statt Tea und Gurken-Sandwichs "nur“ Kaffee und Kuchen serviert werden …

5. Tag: Trondheim

Schade, dass für Norwegens drittgrößte Stadt nur ein halber Landtag Zeit bleibt. Besonders Bakklandet, das Viertel jenseits des Flusses, hat es mir mit seinen vielen bunten Holzhäuschen, Künstlerateliers, Cafés, Mini-Stores und umgebauten Lagerhallen angetan. Stundenlang könnte man hier flanieren und mit der einheimischen Kreativszene über das Leben im angesagten Norden parlieren. Doch der Kapitän hat das Landgangsende für 12.30 Uhr angesetzt. Und einen Kapitän sollte man nicht warten lassen - selbst dann nicht, wenn er so nett und so entspannt ist wie unserer.

6.Tag: Lofoten

Es gibt Orte, die erfüllen selbst einen erfahrenen Reiseredakteur noch mit Respekt - weil sie so exotisch klingen, so nach "Land, in dem der Pfeffer wächst“. Für mich gehörten die Lofoten, jene 80 Inseln irgendwo im Nirgendwo des Nordmeers, definitiv in diese Kategorie! Und plötzlich liegen sie dann nach dem Aufwachen ganz einfach vor der Kabinentür. So bequem ist es eben, wenn man "kreuzfährt“ … Statt mich einem geführten Ausflug anzuschließen, leihe ich lieber eines der kostenlosen Bordfahrräder und erkunde Leknes und den Rest der Insel Vestvågøy auf eigene Tour. Fürs stundenlange Gegen-den-Wind-Antreten belohnen traumhafte Ausblicke auf hohe Berge, kleine Buchten und Besuche an menschenleeren Stränden, die ein bisschen an die Karibik erinnern. Ob hier vielleicht doch der Pfeffer wächst …? Zurück an Bord und wieder auf See, gibt’s übrigens einen weiteren Höhepunkt der Reise: die Polartaufe! Es reicht nämlich nicht, dass man den Polarkreis einfach nur überfährt und stolz darauf ist. Nein, um die dazugehörige Urkunde zu bekommen, muss man einen fiesen Fisch auf die Kiemen küssen, Wodka-Shots kippen und sich vor seltsam verkleideten Crewmitgliedern zum Volltroll machen.

7. Tag: Skarsvåg/Nordkap

Noch so ein magischer Ort, aber im Gegensatz zu den Lofoten eher eine Art "Ballermann für Skandinavienreisende“. "Bitte beachten Sie, dass im nahe gelegenen Honningsvåg zeitgleich drei andere Kreuzfahrtschiffe liegen. Stellen Sie sich dementsprechend darauf ein, dass es am Nordkap sehr überlaufen sein wird“ - steht als Vorwarnung im Tagesprogramm. Und tatsächlich zähle ich bei der Ankunft hoch oben auf dem Felsen 23 (!) Reisebusse auf dem Parkplatz. Gut nur, dass die meisten Besucher das riesige Nordkap-Center mit Postamt, Kino, Kaviargrotte, Kapelle, Souvenirshop und Panorama-Snackbar ohnehin nicht verlassen. So bleibt man draußen, auf dem sturmgepeitschten Plateau mit seinen Gedanken über das Ende der Welt und die Sinnhaftigkeit von einem Schneesturm im Hochsommer fast allein.

8. Tag: Tromsø

Bisher auf dieser Reise fotografierte Wasserfälle: 462. Gestreichelte Schlittenhunde: 5. Rentiere: 3. Eisbären: 1 (war aber ausgestopft, zählt nur halb). Endlich zu Ende gelesene Bücher: 4. Liegestuhl-Stunden an Deck: geschätzte 30. Liegestuhl-Stunden auf dem eigenen Balkon: mindestens genauso viele. Gespielte Schachpartien in der Observation-Lounge: 7. Davon gewonnen: 0. Hummer, die bislang im Bordrestaurant vor meinen Augen auf meinem Teller zerlegt wurden: 6. Dazu getrunkene Gläser Sauvignon: puh, vergessen … Zwischenfazit der Reise: la vita è bella - nicht nur im Süden, sondern auch im ganz hohen Norden. Und erst recht, wenn man mit einem Schiff wie der MS Columbus 2 unterwegs ist! Apropos schön: Tromsø war es auch. Deshalb: unbedingt wiederkommen, um die Eismeerkathedrale von innen zu besichtigen (war heute leider geschlossen).

9. Tag: Auf See

Von Tromsø bis zum nächsten Ziel sind es genau 655 Seemeilen oder 42 Stunden auf See. Wobei "See“ nach offenem Meer, unendlicher Weite und sonst nix klingt. Stattdessen fahren wir aber nah an der Küste entlang, lugen ab und zu in einen Fjord, passieren kleine Dörfer, staunen über riesige Lachsfarmen, kreuzen Autofähren, Fischkutter - und taufen diesen Tag irgendwann in "Sehtag“ um. Und in "Seh-nacht“, denn das letzte Mal dunkel wurde es in Trondheim. Seitdem ist die Sonne nicht mehr untergegangen. Gegen vier, halb fünf morgens berührt sie zwar sekundenkurz den Horizont, steigt danach aber sofort wieder auf. Von Juni bis August sind Nordnorwegens Nächte in ein goldenrotes Licht getaucht. Und das ist so wunderschön, dass man sich daran gar nicht sattsehen kann. Geht übrigens nicht nur mir so - rund um die Uhr sind Passagiere an Deck, um Fotos zu machen oder Licht für den Winter zu tanken. Was (oder wer) mich heut außerdem sehr "bewegt“ hat - im wahrsten Sinne des Wortes: Hansi, der Personal Trainer aus dem Bord-Gym!

Hoch motiviert und tief betroffen vom Kampfgewicht auf der Kabinenwaage, habe ich bei ihm ein M.A.N.D.U.-Workout gebucht. Dafür wird man zuerst in eine pitschnasse Weste gezwängt, dann verkabelt und schließlich mit Stromstößen gequält! Das Ergebnis: der schlimmste Muskelkater meines Lebens und das Gefühl, den Hintern künftig in Ohrhöhe zu tragen.

10.Tag: Bergen

Der letzte Landgang und ein weiteres Highlight dieser Reise: Bergen ist die zweitgrößte Stadt des Landes und genauso cool und cozy, wie man Skandinaviens Metropolen kennt und liebt. Am besten steigt man der Stadt erst mal aufs Dach und verschafft sich vom 300 Meter hohen Haushügel einen Überblick. Rauf geht’s mit der Zahnradbahn, runter zu Fuß, weil man so einen besseren Blick in die stilvollen Holzvillen am Weg werfen kann.

11. Tag: auf See

Noch einmal im Liegestuhl tagträumen, vom Whirlpool aus in die Wolken blinzeln und mit Wehmut durch die Gänge und eleganten Salons schlendern. Gut, dass so ein Tag an Bord viel mehr Stunden zu haben scheint als einer an Land. So lässt sich das Schiff nämlich länger erleben und genießen. Sorry, liebes Tagebuch, dabei störst du gerade. Denn manche Eindrücke kann man weder in Worte fassen noch in herzeigbare Bilder. Man kann sie nur auf der großen Festplatte im Kopf abspeichern. Für Tage, an denen man am Horizont weder Land noch weites Meer sieht.

12.Tag: Kiel

Unbedingt zuhause kaufen: "Novecento - die Legende vom Ozeanpianisten“, der nie an Land wollte. Ich kann ihn inzwischen sehr gut verstehen …

Infos zur MS Columbus 2:

Das 4*-Schiff gehört seit heuer zur Hapag-Lloyd-Flotte. Eine ganz ähnliche Nordland-Kreuzfahrt findet vom 4. bis 16. 6. 2013 statt. (Preisbeispiel: 13 Tage ab € 1.870,- p. P. in der Innen- & € 2.638,-in der Außenkabine). Mehr Infos: www.hlkf.de .

Außerdem gibt’s auf unserem Reise-Portal www.newsreisen.at weitere tolle Kreuzfahrt-Angebote – etwa die Hurtigrute zum Spitzenpreis.

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