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Warum uns diese Frau Nutella verbieten will!

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal ruft zum Boykott unseres liebsten Suchtmittels auf. Warum wir jetzt aufhören sollen Nutella zu essen!

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Warum uns diese Frau Nutella verbieten will!

Segolene Royal: Die Umweltministerin fordert einen Nutella-Boykott

© Getty Images/AFP

Zucker, Haselnüsse, Kakao, Milchpulver, Sojalecithin, Vanillin und Pflanzenöl. Das sind die Inhaltsstoffe unserer Lieblingsdroge. Ja, wir geben es zu. Wir sind völlig abhängig nach Nutella, haben immer ein XL-Glas in unserem Vorratsschrank. Das wird mit einem Löffel geleert, wenn wir Gusto auf Süßes haben (schon mal den 30 Sekunden Nutella-Muffin probiert?), wenn wir frustriert sind, wenn wir happy sind, äh... eigentlich immer.

Doch jetzt ruft Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal zum Boykott unseres Suchtmittels auf. In einer Talksendung des Senders Canal Plus kritisierte sie ganz offen Nutella-Hersteller Ferrero : "In Nutella wird Palmöl verwendet, für dessen Gewinnung massiv Waldflächen gerodet werden. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind beträchtlich." Eigentlich, so schließt Royal, solle man sofort aufhören, Nutella zu essen. Oder Ferrero müsse eine Alternative zum Rohstoff Palmöl finden.

Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist die Entwicklung der Palmöl-Plantagen mit enorm hohen CO2-Emissionen verbunden. Zuerst werde wertvoller Urwald abgeholzt, der Rest des Waldes brandgerodet. Danach werden die kohlenstoffreichen Torfböden entwässert. Diese speichern extrem viel CO2, das durch die Entwässerung in die Atmosphäre entweicht. Dadurch ist beispielsweise Indonesien, einer der Hauptlieferanten von Palmöl, für ca. 8 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich und steht hinter China und USA an dritter Stelle.

Der italienische Konzern, der immerhin jährlich 250.000 Tonnen Nutella in weltweit 75 Länder vertreibt, wollte den Vorstoß der Umweltministerin zwar nicht direkt kommentieren. Betonte aber, dass man die Umweltbelange durchaus ernst nehme. Das Unternehmen sei eine Reihe von Verpflichtungen beim Palmöl eingegangen. "Der Anbau der Ölpalme kann mit dem Respekt von Umwelt und Bevölkerung einhergehen", erklärte der Konzern.

Und tatsächlich scheint es diesmal so, als würde Madame Royal das falsche Unternehmen an den Pranger stellen. Denn Ferrero macht nicht nur mit bei dem umstrittenen Roundtable on Sustainable Palm Oil (ROSP) , der Mindeststandards für die Produktion und den Einsatz von Palmöl definiert, sondern geht noch einen Schritt weiter und hat ein firmeninternes Programm aufgelegt. Dieses macht die Lieferketten transparent und setzt sich für den Wandel der Industrie ein. Im Nachhaltigkeitsbericht des italienischen Konzerns lässt sich deshalb nachlesen, dass Ferrero ausdrücklich daran arbeitet, kein Palmöl von Plantagen zu verwenden, für die Wälder gerodet wurden. Sogar Greenpeace lehnt den Nutella-Boykott ausdrücklich ab.

Weshalb Ségolène Royal mittlerweile zurückrudert und sich für ihren voreiligen Boykott-Aufruf entschuldigt...

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